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Gitarrist Sönke Meinen kommt erneut nach Paderborn

Beim ersten Mal war’s stressig

Paderborn (WB). An den Auftritt beim „Festival der Gitarrenmeister“ im September 2019 kann sich Sönke Meinen noch gut erinnern. Die Kaiserpfalz sei ein „sehr, sehr schöner Raum“ gewesen, aber der Abend gleichzeitig „superstressig“. „Ich musste am nächsten Tag schon um 10 Uhr in Dänemark zum Soundcheck bei einem Festival in der Nähe von Kopenhagen sein“, erzählt Meinen, der quasi schon alles wieder verstauen musste, während der Konzertabend noch lief.

Dietmar Kemper

Sönke Meinen kommt vom Meer und liebt das Meer. Aber noch mehr liebt er seine Gitarre, „in der so viel Musik steckt“, wie er sagt. Obwohl erst 28 Jahre alt, gehört Meinen zu den besten Gitarristen der Welt. Am 15. Februar ist er im Deelenhaus. Foto: Pollert

Am Samstag, 15. Februar, kehrt der 28-Jährige nach Paderborn zurück und tritt um 19.30 Uhr im Deelenhaus an der Krämerstraße auf. Sönke Meinen spielt seit 20 Jahren jeden Tag Gitarre. „Eigentlich ist es nur eine Holzbox mit sechs Saiten, aber da steckt so viel Musik drin“, schwärmt er. Meinen studierte an der Hochschule für Musik in Dresden und unterrichtet dort inzwischen als Dozent für Gitarre einmal in der Woche selbst. In der nationalen und internationalen Gitarrenszene ist der junge Mann eine feste Größe, er gewann 2016 unter anderem den „Guitar Masters“-Wettbewerb; Tommy Emmanuel lobte ihn als „einen der kreativsten Gitarristen der aktuellen Gitarrenszene“. Das war wie ein Ritterschlag, und das von einem Mann, der Sönke Meinen bei einem Konzert 2007 in Melle zutiefst beeindruckt hatte. „Das war ein Konzert, das Türen in meinem Kopf geöffnet hat“, erinnert er sich. Auf der Bühne sei Tommy Emmanuel so präsent wie eine ganze Band gewesen.

Mischung aus klassischer Konzertmusik, Jazz und Weltmusik

Solche Schlüsselerlebnisse der akustischen Gitarrenmusik brachten Sönke Meinen in die Spur; bis dahin war es auch möglich, dass er sich für die E-Gitarre entscheiden würde. Aber das sind Töne von gestern. In seinen Konzerten verbindet der Mann, der aus Aurich stammt und inzwischen in Dresden lebt, virtuosen Fingerstyle mit Einflüssen aus klassischer Konzertmusik, Jazz und Weltmusik. Das Erarbeiten neuer Musik ist ihm mindestens genau so wichtig wie die gekonnte Präsentation bereits bestehender Stücke. Er betont: „Ich sehe mich als Komponist und versuche, die Gitarre immer wieder neu zu entdecken. Es geht nicht nur darum, das Niveau zu halten, sondern vorwärtszukommen.“

Zusammenarbeit mit anderen Musikern inspiriert Sönke Meinen

Auch wenn er auf der Bühne allein im Scheinwerferlicht steht und ihm alle auf die Finger schauen, empfindet Meinen die Zusammenarbeit mit anderen Musikern wie dem dänischen Violinisten Bjarke Falgren im Studio als inspirierend. Daraus entstand zum Beispiel die CD „Postcard to Self“. Meinen absolviert bis zu 80 Konzerte im Jahr. „Der Radius wurde in den letzten Jahren immer größer“, hat er beobachtet und denkt dabei an die Reisen nach Asien. Aus Gründen des Klimaschutzes lehnt er die Vielfliegerei eigentlich ab, und Meinen betont deshalb, es sei ihm nicht so wichtig, „auch noch in Südamerika zu spielen“. Zumal der Aufwand hoch wäre und er alles selbst organisieren müsste. Einen Manager hat der Gitarrist nicht, und deshalb besteht ein normaler Tag zu „80 Prozent aus Büroarbeit am Laptop und zu 20 Prozent an der Gitarre“.

Mit diesem Instrument kann er überall auftreten: im Jazzclub und Theater genauso wie in einer Kirche, Stadthalle oder unter freiem Himmel. Kirchen bergen eine Gefahr, weiß Sönke Meinen: „Wenn der Raum einen zu langen Hall hat, klingen zwar die Balladen traumhaft, aber bei schnelleren Stücken entsteht eine riesige Klangwolke, in der die einzelnen Töne kaum noch zu hören sind.“

Gitarrist entscheidet oft spontan, was er im Konzert spielt

Was die Zuhörer zu hören bekommen, entscheidet der Gitarrist nicht selten spontan während des Auftritts. Sitzen professionelle Gitarristen im Publikum, will er sie mit seinem Können genauso überzeugen wie die Laien. Auf Fachgespräche im Anschluss hat er eigentlich wenig Lust. Meinen betont: „Mir ist es am liebsten, wenn nach dem Konzert jemand kommt und sagt ‚Das hat mich berührt‘, als wenn mich jemand fragt, welche Saiten ich spiele.“ Für das Konzert im Deelenhaus gibt es noch Karten. Sie kosten 25 Euro und sie sind im Paderborner Ticketcenter am Marienplatz und bei Ticket Direct (Königstraße) zu haben.

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