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Biohaus-Stiftung entwickelt Variante im Kompensationshandel

Beim Klimaschutz kooperieren

Paderborn (WB/rb). Aufforstungen und Photovoltaik auf Haiti sollen helfen, im Hochstift Paderborn klimaneutraler zu wirtschaften. Die Biohaus-Stiftung hat eine entsprechende Initiative für CO-Kompensationen gestartet.

Biohaus-Gründer Willi Ernst und Sauvilorme Mathurin, der Bürgermeister von Aquin in Haiti planen Aufforstungen als Klimakompensation für CO2-Immissionen im Paderborner Land. Gespräche mit heimischen Firmen laufen bereits. Foto: WB

»Unser Kooperationsprojekt Klima und Nachhaltigkeit mit Haiti ist beim Kreis Paderborn, der Stadt Paderborn sowie einer Reihe von Unternehmen auf großes Interesse gestoßen«, berichtet Willi Ernst. Kosten: 29 beziehungsweise 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid.

Der Biohaus-Gründer wirbt für eine eigene Paderborner Variante des internationalen Handels mit Verschmutzungsrechten. Weil nahezu jede Form von Produktion CO2 ausstößt, muss zur Rettung des Weltklimas an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden – zum Beispiel durch Aufforstungen in der weitgehend entwaldeten Karibik, meint Willi Ernst. Nur noch zwei Prozent der Fläche Haitis sind Wald, früher waren es 60 Prozent.

Vertrag über die Bepflanzung von zunächst 24 Hektar

Gemeinsam mit dem langjährigen Partner vor Ort, Haiti Projet Education (HPE), laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Am 17. April wurde mit der Stadt Aquin (100.000 Einwohner) ein Vertrag über die Bepflanzung von zunächst 24 Hektar Bergland geschlossen, unterzeichnet von Bürgermeister Sauvilorme Mathurin. Aquin sei sehr interessiert an einer gemeinsamen Anstrengung gegen die fortschreitende Entwaldung der Region, heißt es in dem Partnerschaftsabkommen. Weitere kommunale Flächen stehen zur Verfügung.

Für die Aufforstung mit Akazien, Balsam und Lebbeckbäumen werden 50 Mitarbeiter benötigt. Auch Mahagoninüsse und Mangos gedeihen an Haitis Südküste. Gesamtinvestition: 277.000 Euro. Ein einheimischer Forstingenieur steht bereits unter Vertrag.

Nach Berechnungen gemäß IPCC-Standard der Vereinten Nationen lassen sich 13 Tonnen CO2 pro Jahr und Hektar binden. Basis ist ein jährlicher Zuwachs von 15 Kubikmetern Holz pro Hektar über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Erosions- und Windschutz gibt es dazu

Zusatznutzen sind Erosions- und Windschutz sowie die Bindung von Wasser und Nährstoffen im Ökokreislauf. Zum Wirtschaftsergebnis trägt der Verkauf von Bau- und Brennholz bei. Weitere Biomasse kann in Form von Pellets für effektive Pyrolysekocher in den Haushalten genutzt werden. Willi Ernst sind vor allem die neuen Arbeitsplätze sowie die Fortbildung und Aufklärung der Bevölkerung wichtig.

Parallel will die Biohaus-Stiftung CO2-Kompensation durch Unterstützung von Radio Kiskeya anbieten. Der unabhängige, mitunter regierungskritische Sender brannte Ende 2018 unter ungeklärten Umständen ab. Das knappe Budget wird seitdem stark durch die eigene Stromproduktion über einen Dieselgenerator mit einem Jahresbedarf von 30.000 Litern belastet. Über die CO2-Kompensation zum Preis von 25 Euro pro Tonne ließe sich eine Solaranlage installieren. Auch hier wäre der Effekt Klimaschutz mit sozialem Zusatznutzen.

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