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Paderborner bangt um Führerschein – zahlreiche Reaktionen von Lesern

Beinprothese: Wiehert hier der Amtsschimmel?

Paderborn (WB/itz). Thomas Linnartz und seine Probleme mit der Fahrerlaubnis schlagen hohe Wellen. Unser Bericht am Dienstag ist in den sozialen Medien von etlichen Menschen, die dem 48-Jährigen Mut zusprechen, kommentiert worden. Andere kritisieren das Verhalten des Straßenverkehrsamtes und hören den Amtsschimmel kräftig wiehern.

Thomas Linnartz joggt und fährt Fahrrad. Zum Fahren von schwereren Fahrzeugen soll er eine Fahrprobe ablegen. Foto: Schwabe

Wie berichtet, trägt der Paderborner eine Beinprothese. Weil er beim Kreis einen Antrag für einen Motorradführerschein gestellt hat, stellt dieser nun seine Fahrtauglichkeit auch für Pkw generell infrage und hat eine Fahrprobe angeordnet. Der Paderborner hält den Vorgang für Beamtenwillkür.

Der Paderborner Fahrlehrer Ulrich Brinkmann, der sich nach eigenen Worten auf die Handicap-Ausbildung spezialisiert hat, bedauert, dass im Fall Linnartz offenbar »das Kind in den Brunnen gefallen« sei. Entsprechende Informationen im Vorfeld hätten dies verhindern können, meint er.

Statement vom Fahrlehrer

Generell müssten Autofahrer schwerwiegende körperliche Veränderungen – wie zum Beispiel das Nutzen einer Prothese – dem Straßenverkehrsamt melden und unter Umständen eine Fahrprobe ablegen. »Wer das nicht tut, riskiert im Fall eines Unfalls, dass ein vorsätzliches Verhalten angenommen wird«, so Brinkmann.

Michaela Pitz, Sprecherin des Kreises Paderborn, verteidigt weiterhin das Vorgehen des Straßenverkehrsamtes: »Hier geht es nicht nur um die Sicherheit des Antragstellers, hier geht es um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Wenn jemand eine solche Beeinträchtigung hat, sehen die Fahrerlaubnisverordnung und die Begutachtlungsleitlinien vor, dass ein Straßenverkehrsamt ein Gutachten und eine Fahrprobe anordnen muss. Wie eine Fahrprobe auszusehen hat, entscheiden der TÜV und zertifizierte Sachverständige. Der Antragsteller weigert sich, diese Fahrprobe zu absolvieren. Was dann zu geschehen hat, regelt ebenfalls – zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – die Fahrerlaubnisverordnung. Dort heißt es in Paragraf 11, Ziffer 8: ›Weigert sich der Betroffene, sich untersuchen zu lassen, oder bringt er der Fahrerlaubnisbehörde das von ihr geforderte Gutachten nicht fristgerecht bei, darf sie bei ihrer Entscheidung auf die Nichteignung des Betroffenen schließen. Der Betroffene ist hierauf bei der Anordnung nach Absatz 6 hinzuweisen‹.«

Unverständnis in der Netzgemeinde

Das Unverständnis in der Netzgemeinde ist groß. Eine Facebook-Nutzerin schrieb: »So was ist kaum zu glauben! Da erlebe ich täglich im Straßenverkehr Fahrer, die weder im Besitz ihrer geistigen sowie körperliche Möglichkeiten sind und ein Fahrzeug führen. Eine Prothese stellt keinerlei Gefahr dar. Hier handelt es sich doch wohl um einen bösen Scherz!!!« Eine andere Leserin kommentierte: »Beim Lesen dieses Artikels hatte ich direkt zahlreiche Bilder von alten Menschen, die mit Rollator, Gehstöcken und ähnlichem mühsam ihren Pkw erreichen, vor Augen. Bei all diesen Menschen besteht kein Zweifel an ihrer Fahrtüchtigkeit? Mit Beinprothesen treiben Menschen heute Hochleistungssport! Und an der Reaktions- und Hörfähigkeit dieses Mannes dürfte ja wohl kein Zweifel bestehen. Ein sehr bedauerlicher Fall.«

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