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Stellenabbau bei Autosparte erfüllt? Konzern zahlt hohe Abfindungen

Benteler: Hunderte gehen freiwillig

Paderborn (WB). Der im Sommer angekündigte Stellenabbau in der Autosparte des Benteler-Konzerns mit Hauptstandort Paderborn ist weit fortgeschritten. Mehrere hundert Beschäftigte verlassen das Unternehmen freiwillig gegen hohe Abfindungen. Während der Betriebsrat sich schon am Ziel sieht und keine betriebsbedingten Kündigungen erwartet, bleibt der Konzern vage. „Bezüglich einer konkreten Anzahl abzubauender Stellen können wir keine Aussage treffen. Der Markt ist in Bewegung, daher lassen sich exakte Zahlen nicht vorhersagen“, teilte die Konzernzentrale in Salzburg mit. Sie dürfte sich den sozialverträglichen Weg eine zweistellige Millionensumme kosten lassen.

Oliver Horst

Der Hauptstandort der Benteler-Autosparte in Paderborn. Rund 300 der bislang 2400 Mitarbeiter haben das Freiwilligenprogramm zum Stellenabbau in Anspruch genommen. Foto: Jörn Hannemann

Wie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christian Schachten dem WESTFALEN-BLATT sagte, hätten weltweit mehr als 1000 von 25.000 Mitarbeitern das Unternehmen verlassen oder dies für die kommenden Monate vereinbart. In Deutschland seien es mehr als 400 Mitarbeiter – davon allein in Paderborn rund 300 der 2400 Beschäftigten. Viele von ihnen gehen mit einer Abfindung von 80 Prozent eines Monatslohns für jedes Jahr ihrer Betriebszugehörigkeit plus einer Turboprämie von 15.000 Euro. Vor allem viele Ältere hätten das Angebot als Brücke in den Ruhestand genutzt.

Freiwilligenprogramm läuft bis Ende Januar 2020 - jetzt ohne Prämie

Das Freiwilligenprogramm läuft bis Ende Januar 2020, die Sonderprämie gab es aber nur für diejenigen, die bis 13. Dezember einen Aufhebungsvertrag unterschrieben haben. Allein in Paderborn seien dies vergangene Woche noch rund 40 Beschäftigte gewesen, sagt Schachten. „An eins, zwei Standorten fehlen zur Erreichung der Vorgaben noch eine Handvoll Mitarbeiter. Wir gehen aber davon aus, dass wir die Ziele überall erfüllen und keine weiteren Maßnahmen nötig sind.“

Der Konzern lässt offen, ob der ausgehandelte Sozialplan für mögliche spätere betriebsbedingte Kündigungen noch zum Einsatz kommt. Wegen eines 2016 mit der IG Metall geschlossenen Zukunftstarifvertrags mit Beschäftigungs- und Standortgarantien kann Benteler in den sechs deutschen Komponentenwerken – in OWL sind das die Standorte Paderborn, Lich­tenau-Kleinenberg und Warburg – Kündigungen aber erst zu Juli 2021 aussprechen. Auch deshalb hatte Benteler das Freiwilligenprogramm aufgelegt, um auf eine schwächere Auftragslage infolge des Absatzrückgangs in der Autobranche zu reagieren.

Produktion für Verkaufsschlager macht Hoffnung

Die Auslastung habe sich zuletzt wieder verbessert, sagt Schachten. Zusätzliche Hoffnung mache der Anlauf der Produktion von Teilen für Verkaufsschlager wie den neuen VW Golf 8. „Wenn die Nachfrage richtig anspringt, fehlen uns Arbeitskräfte“, sagt Schachten. Angesichts des starken Umbruchs der Branche – Stichwort E-Mobilität – könne aber für die verbliebene Belegschaft nicht von absoluter Sicherheit der Arbeitsplätze ausgegangen werden. Die Schnelllebigkeit und den Wert von Zusagen zeige aktuell auch die Lage bei der Schwestersparte Benteler Stahlrohr. Dort ist wie berichtet ein Abbau von bis zu 600 der bundesweit 3600 Stellen sowie die Schließung des Werks in Bottrop 2022 angekündigt – direkt nach Auslaufen von Standort- und Beschäftigungsgarantien.

Ein für gestern geplantes Sondierungsgespräch der IG Metall mit Benteler zu diesem Thema musste die Gewerkschaft wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen. Das Gespräch soll Anfang 2020 nachgeholt werden.

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