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CDU und SPD sehen bei der Paderborner Schulplattform Lernstatt dringenden Verbesserungsbedarf

Bessere Software, mehr Personal

Paderborn

Die Kritik an der Lernstatt reißt nicht ab. Jetzt rügen auch die CDU und SPD heftig die offenkundige Überforderung der städtischen Schulplattform durch das Distanzlernen in der Corona-Pandemie.

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Nach zahlreichen Problemen wird die Lernstatt weiter heftig kritisiert. Foto: Stadt Paderborn

Der stellvertretende Schulausschuss-Vorsitzende Christian Rörig mahnt in einer Stellungnahme der CDU-Fraktion schnelle Lösungen an: „Der Präsenzunterricht, der direkte Kontakt zwischen Schülern und Lehrern, findet nicht mehr statt. Der beste Unterricht besteht aber immer aus einem intensiven Austausch zwischen beiden Gruppen. Das heißt, es wird eine Software benötigt, mit der dieser Unterricht vernünftig funktioniert.“ Ein Meeting-Programm, Videokonferenzen zwischen Schülern und Lehrern böten hier die meisten Möglichkeiten. Das sei besser, „als nur Wochenpläne, Aufgaben- und Arbeitsblätter hin und her zu schicken oder über Mails miteinander zu kommunizieren.“

Wie mehrfach berichtet, stürzte die Lernstatt zuletzt immer wieder ab – nicht nur wegen der Anforderungen durch den Online-Unterricht, sondern auch wegen Cyberangriffen von außen.

Seit kurzem stelle das Land NRW allen Schulen den kostenlosen Logineo-NRW-Messenger zusätzlich mit einer Videokonferenzoption zur Verfügung, betont die CDU. Dabei handele es sich um ein sicheres und landesweit erprobtes Werkzeug für Schulen und Schulträger. „Das Programm Microsoft Teams wird an den Berufskollegs in Paderborn erfolgreich und ohne Störungen seit Ende der Weihnachtsferien verwendet“, erläutert Rörig, der selbst Berufsschullehrer ist.

Die Lernstatt sei unter ganz anderen Voraussetzungen als Corona entstanden und nicht mehr aktuell. Die Schüler bräuchten jetzt „keinen Kleintransporter, sondern einen großen, schnellen und soliden Schulbus“.

Zu den Datenschutzbedenken im Hinblick auf Microsoft Teams meint das Schulausschussmitglied Karsten Grabenstroer: „In Bayern wird es bereits an über 700 Schulen eingesetzt. Datenschutz ist wichtig und richtig. In Bayern wird das Programm daher in einer modifizierten Version genutzt.“ Das Programm sei daher vertretbar, generell müsse Bildung vor Datenschutz kommen.

Angesichts der Hackerangriffe mahnt die CDU an, dass die vier Lernstatt-Prinzipien Durchgängigkeit, Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit und Rechtskonformität durch den Schwerpunkt Gefahrenabwehr erweitert werden.  Die Stadt solle sich Hilfe vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik holen.

Die SPD fordert die Stadt auf, eigene Strategien zum Distanzlernen zu entwickeln und ausreichend Ressourcen für das IT-Management zu schaffen. Die Kritik der Paderborner Schulpflegschaft an der Organisation des Lernens unter Corona-Bedingungen habe, so die SPD-Fraktion in einer Stellungnahme, verdeutlicht, dass nach wie vor einiges beim Distanzunterricht unrund laufe. „Vieles wie die Bereitstellung eines für Distanzlernen stabilen Videokonferenztools hätte zweifelsohne von Seiten des Landes längst geregelt werden müssen“, kritisiert der sachkundige Bürger im Schulausschuss, Manfred Krugmann. Das Videokonferenztool sei nunmehr angekündigt und laut Landesregierung rechtssicher, müsse seine Brauchbarkeit aber erst noch zeigen. Da aber beispielsweise bei Lernplattformen und schuleigenen Systemen immer noch keine Einheitlichkeit und Stabilität gewährleistet sei, müsse die Stadt über eigene Strategien nachdenken, um Abhilfe zu schaffen.

„Wir sind gespannt auf die Erkenntnisse und Erfahrungen der Schulen, die im Rahmen eines Pilotprojekts Distanzlernen mit Werkzeugen kommerzieller Anbieter wie Microsoft erproben“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Julia Lakirdakis-Stefanou und ergänzt: „Der Rückgriff hier­auf ist in der derzeitigen Situation sicherlich hilfreich. Grundsätzlich halten wir es aber für sinnvoll, dass es innerhalb der Schulen der Stadt einheitliche und rechtssichere Rahmenbedingungen gibt.“ Die Lernstatt müsse zügig weiterentwickelt werden, betonen die Sozialdemokraten. Zudem müssten zusätzliche personelle Ressourcen für ein fachkundiges IT-Management und die Beratung der Schulen geschaffen werden.

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