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Lebendige Skulpturen tanzen durch die Paderborner Innenstadt

Bewusste Irritation

Paderborn (WB/reb). Neugierde, Verwunderung und Irritation. All das war am Samstagvormittag auf dem Domplatz bei vielen Paderbornern zu beobachten. Doch es lag nicht am üblichen Wochenmarkt. Direkt vor dem Eingang des Doms bestaunten Schaulustige eine sogenannte lebende Skulptur.

Die niederländische Künstlerin Guda Koster mit Franz van Tartwijk als lebende Skulptur in der Paderborner Innenstadt. Foto:

Eine ganz in weiß gekleidete Person. Auf ihrem Kopf trägt sie eine Lampenkugel. Der Mensch hat kein Gesicht. Um den Bauch geschnallt trägt die Skulptur eine Kiste, die wie eine Miniaturversion des Mosaikfries am Haus des Lehrers in Berlin aussieht. Aber wer ist das und was tut er da?

Guda Koster, eine niederländische Künstlerin, kennt die Antwort. Es ist Franz van Tartwijk, mit dem sie diese Performances seit fünf Jahren zu besonderen Anlässen aufführt. Unter dem Titel „The Big Happening“ präsentieren die beiden insgesamt vier Performances mit fünf Kostümen. Zuletzt taten sie dies im Juli in Amsterdam, wo die besagte weiße Statue vor dem Denkmal des niederländischen Sozialisten Domela Nieuwenhuis zu sehen war. Wie in Paderborn ertönte alle zehn Minuten ein spanisches Lied der Revolution. Jede Performance dauerte eine halbe Stunde.

„Wir möchten bewusst irritieren“

„Wir möchten bewusst irritieren, denn Kunst im öffentlichen Raum ist für viele etwas Unerwartetes“, erklärt Guda Koster: „Die Figuren, sind halb menschlich, halb abstrakt und laden zum Hinsehen ein. In Museen schauen Menschen meist nur wenige Sekunden hin und gehen dann weiter. Aber hier bringen wir die Kunst aus den Museen heraus direkt zu den Menschen und sie sehen sich die Skulpturen viel länger an.“

Besonders gut gefalle der Künstlerin die Architektur des Doms in Kombination mit der wie aus der Zukunft wirkenden Figur. „So entsteht ein wunderschöner Kontrast“, findet sie.

Ebenfalls präsentierte das Künstlerduo weitere Performances wie den boogie-woogie-tanzenden „Mondriaan“, tierartige Skulpturen, die einer Kuh und einer Giraffe ähneln und eine Figur, die ein schuhförmiges Gebäude aus dem Bankenviertel in Amsterdam auf ihrem Kopf trägt. Jede Performance hat ihre eigene tief liegende Bedeutung, doch was alle gemeinsam haben, ist das Gesichtslose. „Wir möchten den Fokus auf den Körper legen, der wie eine Leinwand in der Malerei fungiert“, sagt Guda Koster.

Fans reisen aus anderen Kreisen an

Mit dieser Idee findet das niederländische Künstlerduo sofort Fans in Paderborn. „Ich bin extra aus Soest hergefahren, um die Aktion zu sehen. Ich bin wirklich begeistert“, berichtet eine Zuschauerin.

Nach Paderborn eingeladen wurde Guda Koster von Dr. Andrea Brockmann, der Leiterin der städtischen Museen, im Rahmen des Projekts „Get dressed“: „Guda Koster war für dieses Projekt Gesetz.“, sagt sie. Kosters Arbeit mit Textilien ist aktuell auch in der städtischen Galerie in der Reithalle, Im Schloßpark 12 in Schloß-Neuhaus bis zum 8. November zu sehen. Die Performances im öffentlichen Raum bleiben allerdings eine einmalige Aktion.

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