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Kleine Stadtgeschichten: Im Oktober 1898 gab es im Kaiserhof am Kamp die ersten Kinovorführungen

Bilder vom Nordpol und aus der Paderborner Heimat

Paderborn

Was heute selbstverständlich mit einem Mausklick oder im Fernsehen abrufbar ist, war für viele Paderborner um 1900 ein Novum: bewegte und laufende Bilder auf einer Leinwand.

Markus Runte

Ein historischer Blick über das Rosentor nach Südwesten, in der rechten Bildmitte ist das Capitol im April 1951 zu sehen. Es war die Keimzelle des Kinos in Paderborn. Foto: Gerhard Groß/Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Die erste Kinoerfahrung konnten die Paderborner im Kaiserhof am Kamp, einem etablierten Paderborner Gasthof und Hotel, in dessen großem Saal regelmäßig Konzerte, Bälle und Vorträge stattfanden, machen. Der Schausteller Jeschke aus Berlin mietete damals den Hotelsaal am 2. und 3. Oktober 1898. Sein kinematographisches Programm zeigte damals eine astronomische Serie, eine verunglückte amerikanische Nordpolfahrt der ‚Jeanette’ und Ansichten aus verschiedenen Ländern. Der Berliner Schausteller gab an den beiden Spieltagen eine Nachmittags- und eine Abendvorstellung.

Die Nachfrage war groß und die Paderborner drängten in den kleinen Saal des Hotels. Auch fanden damals lokale Aufnahmen große Beachtung, fahrende Schausteller filmten zum Teil auch selbst und zeigten ihre Filme auf Jahrmärkten, in Paderborn während Libori, einen Schützenumzug des Paderborner Bürger-Schützenvereins sowie das Leben und Treiben auf dem Domplatz nach der Beendigung eines Gottesdienstes. Die Paderborner waren fasziniert von Lokalfilmen und der Darstellung ihrer Nahwelt. Das Jahrmarktskino zu Libori bot eine Kombination aus lokalen und globalen Aufnahmen, es war Heimat- und Reisekino zugleich.

Zu den ältesten Standorten Paderborns, in denen um 1900 erstmals kinematographisches Programm geboten wurde, gehörte die Hestersche Volkshalle am Rosentor, die als Gast- und Vergnügungsstätte in der Domstadt bekannt war und von Karl Hester, der zugleich Inhaber einer Brauerei war, betrieben wurde. Die ersten Filme, die im großen Saal der Volkshalle angeboten wurden, wurden anfangs von umherziehenden Kinematographen-Betreibern vorgeführt. 1927 eröffnete Otto Lettau dann mit dem „Residenztheater“ am Rosentor als Erster ein Kino in der Stadt mit regelmäßigen Filmangeboten.

Musiker sorgten bei den zahlreichen Stummfilmen für eine entsprechende und unterhaltsame Untermalung. Sieben Jahre später nahmen die Geschwister Hester in Zusammenarbeit mit Julius Heissbach, den sie sich als Filmfachmann nach Paderborn geholt hatten, das Kino-Geschäft selbst in die Hand. Im Oktober 1935 wurde das Kino in „Metropol-Theater“ umbenannt, 1945 wurde es durch Bombenangriffe zerstört.

Autor Markus Runte arbeitet für das Stadtmuseum Paderborn. Foto: Markus Runte

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete der „Filmtheaterbetrieb Josef Hester & Co. oHG“ 1949 am Standort der ehemaligen Volkshalle ein neues Balkonkino als Vielzwecksaal für Filme, Theater, Ballett und Kabarett. Das Kino mit einem neuartigen „Cinemascopesystem“ hieß fortan „Capitol-Theater“ und fand unter den Zuschauern begeisterten Zuspruch. Die Sitzplatzkapazität lag damals bei etwa 800 Plätzen.

Bei der Gestaltung des Kinoaußengebäudes am Capitol ist das große, runde Vordach bemerkenswert, das den Eingangsbereich umgibt und zusammen mit der hier angebrachten Leuchtschrift für das Kino wirbt. Auch heute noch ist die markante Außenarchitektur sichtbar und wirbt nun nicht mehr für Kinofilme, sondern für Veranstaltungen im „Capitol Club & Events“.

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