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Alte Geschäfte gehen, aber neue kommen: Paderborns Citymanager Heiko Appelbaum zieht Bilanz

„Bretterwände sind kein gutes Aushängeschild“

Paderborn

Die negativen Prognosen für die Innenstädte sind allgegenwärtig. Die Sorge: Der Onlinehandel und die massiven Verluste durch die Lockdowns lassen die Einkaufsstraßen sterben. Auch in der Paderborner City gibt es Leerstände, die aufhorchen lassen.

Von Ingo Schmitz

Der insolvente Mode-Discounter Pimkie hat in Paderborn seine Filiale geschlossen. Ein Nachfolger steht in den Startlöchern und macht ein Geheimnis aus der Neueröffnung. Aus Sicht von Citymanager Heiko Appelbaum ist die Bretterwand Foto: Oliver Schwabe

Mit Citymanager Heiko Appelbaum haben wir uns zur einer Bestandsaufnahme getroffen. Die fällt allerdings weitaus positiver aus, als zunächst gedacht. So sieht es aktuell in den einzelnen Einkaufsstraßen des Oberzentrums aus:

Rosenstraße

Vom Parkplatz Liboriberg sind es nur wenige Schritte bis in die Rosenstraße. Viele Besucher von außerhalb nutzen diesen Weg, wenn sie zum Einkaufsbummel starten. Aktuell kämpfe die Rosenstraße gegen ein schlechtes Image, weil mehrere Schaufenster leer sind, sagt Appelbaum. Doch gleich am Anfang gibt es eine positive Entwicklung, auf die der Citymanager aufmerksam macht: Das Ladenlokal Rosenstraße 16, das seit November 2019 ungenutzt war, hat einen neuen Mieter: Code Be Calm (CBD) hat am Samstag eröffnet. „Bei dem Unternehmen handelt es sich um ein Paderborner Start-up, das mit einem Onlinehandel gestartet ist und nun den Schritt in den stationären Handel macht“, berichtet Appelbaum. CBD verkauft Hanf-Öl-Produkte, die auf Mensch und Tier beruhigend, schmerzstillend, entzündungshemmend und entkrampfend wirken sollen. So etwas ist neu in der City. Ein paar Meter weiter klafft aber eine Lücke: Royal Fashion hat nur den Schriftzug an der Fassade zurück gelassen, sonst ist von dem Textilhändler nichts mehr zu sehen. Der Zuschnitt der Verkaufsfläche sei ein Problem, meint Appelbaum zu dem Langzeit-Leerstand.

Auf der anderen Seite ist der nächste Problemfall: Das Reformhaus Bacher hat kurzfristig geschlossen. Obwohl es mehrere Interessenten für die Fläche gebe, sei noch kein Nachfolger in Sicht, sagt Appelbaum. Direkt angrenzend befindet sich der Eingang zur Rathauspassage. Der Schuhfilialist „Copenhagen Studios“ sei vor Monaten vom Lockdown voll erwischt worden – Leerstand. „Wir haben Hoffnung, dass sich da was tut. Ansonsten läuft die Passage nämlich sehr gut“, lautet Appelbaums Fazit. Und noch ein Schuhgeschäft ist Geschichte: Den Ecco-Store in der Rosenstraße gibt es nicht mehr. Nachfolge? Unklar!

Westernstraße

„Keine Sorgen“ macht sich Appelbaum um die 1a-Lage Paderborns, die Westernstraße. Wobei es derzeit ein riesiges Ärgernis gebe: Die ehemalige Pimkie-Filiale ist von einer Bretterwand umgeben. Das sieht nicht gut aus. Die Nachfolge sei längst klar, Name und Eröffnungstermin seien aber „streng geheim“. Für den künftigen Mieter werde umfangreich umgebaut, heißt es. „Mir würde es ja schon reichen, wenn man an der Bretterwand ein Plakat aufhängen dürfte, damit die Leute sehen, dass hier etwas Neues entsteht. So sieht es aus, als hätten wir mit dem Handel ein Problem in der Innenstadt. Die Fußgängerzone steht Tag für Tag für mehrere 1000 Menschen im Fokus“, meint der Manager. Unglücklich ist er mit der Nachfolge-Nutzung eines kleinen Ladens neben Schuh-Kay: Dort eröffnet am Montag, 9. August, der Dom-Blick-Kiosk, der bereits am Vincenz-Krankenhaus zu finden ist, eine Filiale. Unglücklich ist Appelbaum deswegen, weil dort unter anderem Alkohol verkauft werden soll, wie er sagt. Er hofft, dass dadurch das Problem mit den unliebsamen Gästen am Westerntor nicht verschärft wird.

Viele Paderborner trauern dem Fischrestaurant Nordsee in der Westernstraße nach. Gerne wären die Mieter geblieben, doch es kam anders: Inzwischen kann man in dem ehemaligen Restaurant Schuhe der Marke Salamander kaufen. Die Folge: Die zum Unternehmen gehörende Marke Klauser schließt die Filiale gegenüber dem Rathaus nach einem ausgiebigen Ausverkauf. Wäre das was für Nordsee? Appelbaum: „Nein. Für deren Expansionsplaner gehört der Standort nicht mehr zur 1a-Lage. Die haben andere Maßstäbe.“

Königsplatz und -straße

Auch auf den Königsplätzen tut sich was: Im ehemaligen Schuhladen neben Tedi wird sich dem Vernehmen nach ein Optiker ansiedeln. Die Arbeiten im Laden laufen bereits. Auch das Café Coffein sorgt für Belebung, ebenso wie die Frequenz-Bringer Kaufhof und TK Maxx. Eine Etage tiefer sieht es weniger einladend aus: An der Königstraße zwischen TK Maxx und C&A reiht sich ein Leerstand an den nächsten. Durch die Neugestaltung der Alten Torgasse als Verbindung zur künftigen Zentralen Bushaltestelle an der Friedrichstraße sowie durch den Rewe-Markt, der in die ehemalige Zentralstation einziehen wird, erwartet der Citymanager aber eine erhebliche Belebung. Dass das Oberzentrum weiter interessant für den Handel sei, zeigten die vielen Anfragen.

Mit Blick auf den bevorstehenden Baustellen-Marathon an der Bahnhofstraße wünscht sich Heiko Appelbaum jedoch eine klare Kommunikation, dass die Innenstadt in dieser schwierigen Phase weiterhin erreichbar ist – auch für Kunden von außerhalb.

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