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Paderborner Stadtbibliothek bereitet sich nach Sanierung auf Neueröffnung vor

Das große Einräumen

Paderborn (WB). In der Stadtbibliothek im Schatten des Doms hat das große Einräumen begonnen. Mehr als 1000 Kartons und Mobiliar waren wegen der Sanierung des aus den 70er Jahren stammenden Gebäudes ausgelagert worden. Das Ausweichquartier am Abdinghof wird jetzt aufgelöst, seit Samstag kommt alles in Lastwagen peu à peu zurück.

Dietmar Kemper

Die Mitarbeiterinnen Nadine Burk (links) und Katharina Born hocken auf der neuen treppenartigen Sitzbank für Schulklassen. Foto: Dietmar Kemper

Etwa 30.000 Bücher und andere Medien bringen die Mitarbeiterinnen an ihren Platz. „Der erste Schritt ist getan“, sagte die Leiterin der Stadtbibliothek, Katrin Stroth, am Donnerstag. Seit Ende Oktober ist das Haus geschlossen. Asbest wurde beseitigt, eine neue Elektro- und Netzwerkverkabelung installiert, ein energieeffizienteres, wärmeres Licht eingerichtet. Die Wände bekamen einen neuen Anstrich, die Böden neue Beläge – statt Teppich wird für den Gaming- und den neuen Kreativraum ein elastischer, leicht zu reinigender Belag aus natürlichen Mineralien und thermoplastischen Polymeren verwendet. Ein verschüttetes Getränk ist da kein Drama.

314.000 Euro standen zur Verfügung

Die technische Seite war Aufgabe der städtischen Tochter GMP. Katrin Stroth setzte unterdessen ihr Konzept für eine „Bibliothek der Zukunft“ um. 314.000 Euro standen ihr dafür zur Verfügung, wobei 60 Prozent der Summe das Land und 40 Prozent die Stadt Paderborn beisteuerten. Mit dem Geld konnte und kann das Mobiliar zu 90 Prozent neu angeschafft werden, Regale genauso wie Arbeitstische. Die Stadtbibliothek verfügt künftig über Lernkabinen, mehr Lernarbeitsplätze (25) und ein treppenförmiges Möbelstück, auf dem Schulklassen sitzen und etwas über die Recherche in Datenbänken erfahren können. Das Dachgeschoss ist jetzt voll nutzbar, beherbergt die Abteilung „Be Inspired“ für junge Leute und bietet mit dem begehbaren Bullauge einen echten Hingucker. Neu geschaffen wurde ein Kreativraum, ebenfalls neu sind die Abteilungen „Kulinarisch“ sowie „Haus, Natur, Garten“ mit einer Wand aus Moos, die das Raumklima verbessern soll.

Katrin Stroth

Mit dem Ergebnis ist Katrin Stroth sehr zufrieden: „Für dieses historische Gebäude mit seinen Auflagen haben wir mit dem wenigen Geld das Optimale herausgeholt.“ Seit Jahren würden im In- und Ausland vermehrt Bibliotheken neu- und umgebaut, aber meist würden in solchen Fällen Millionensummen aufgerufen. In ihrer Bibliothek möchte Katrin Stroth nicht nur Bücher ausgeben. Bibliotheken seien ein sozialer Ort, ein Zufluchtsort vor Vereinsamung, ein Ort, „an dem man keine Eintrittskarte braucht, keinen Verzehrzwang hat, wo man sich hinsetzen und da sein kann“. Die 40 hauptamtlichen und 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Außenstellen haben festgestellt, dass viele Menschen morgens kommen und erst kurz vor Schluss wieder gehen. Die Leiterin: „In der Bibliothek kann man für sich sein, ohne allein zu sein.“

Fast 13.000 Kunden besitzen einen Ausweis

Im Café finden Singles genauso Kontakt wie beim Boulespielen auf dem Vorplatz. Die digitale Welt mache Bibliotheken nicht überflüssig, hat Katrin Stroth beobachtet: „Je mehr digitale und technische Angebote es gibt, desto stärker sind die Leute auf Unterstützung angewiesen.“ Nicht ohne Grund gebe es Kurse zum Umgang mit Ebook-Readern. Am Rothoborn soll bis Samstag alles wieder eingeräumt sein. Der Termin, an dem die Stadtbibliothek wieder in vollem Umfang öffnet, steht aber noch nicht fest. Die insgesamt 300.000 Besucher, die jedes Jahr in die Standorte strömen, können es kaum erwarten. Fast 13.000 Kunden besitzen einen Ausweis.

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