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Stadt und Werbegemeinschaft Paderborn verlängern Vertrag mit Citymanager Heiko Appelbaum

„Das Miteinander gibt Anlass zu Optimismus in der Krise“

Paderborn

Wenn Heiko Appelbaum durch die menschenleere Fußgängerzone geht, sind es nicht die coronabedingt geschlossenen Läden, die ihm besonders ins Auge fallen, sondern die Hinweise in fast jedem Schaufenster, wie den Kunden trotz Lockdown geholfen wird.

Maike Stahl

Gerade ist Heiko Appelbaums Vertrag als Citymanager um zwei Jahre verlängert worden. Doch auch, wenn die City coronabedingt gerade leer ist, blickt er mit Optimismus in die Zukunft – nicht zuletzt, weil die positive Entwicklung der Königsplätze weiter geht. Foto: Maike Stahl

„Die Paderborner Händler sind zum Glück sehr kreativ und motiviert, möglich zu machen, was möglich ist“, stellt der Citymanager fest. „Das stimmt mich trotz der schwierigen, existenzbedrohenden Situation optimistisch.“

Eine von ihnen ist Caroline Brockmann, die das Porzellangeschäft in der Rathauspassage in fünfter Generation führt. Sie hat soeben an der Ladentür einen telefonisch angekündigten Umtausch abgewickelt und einer anderen Kundin die bestellte Pfanne übergeben. „Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, aber ich bin sowieso im Büro. Da versuche ich möglich zu machen, was in meiner Macht steht“, berichtet sie dem Citymanager. Ohne staatliche Hilfe könne sie nicht überleben, Zuversicht gebe ihr aber der Gedanke an die Generationen vor ihr, die sehr schwierige Zeiten mit zwei Weltkriegen überstanden haben. „Da werden wir das auch irgendwie durchstehen.“

Eigentlich niemand habe sich in sein Schicksal ergeben, stellt Appelbaum erfreut fest. Der eine hat einen Internetauftritt, über den er Bestellungen entgegennimmt, die vor Ort abgeholt werden. Andere regeln das telefonisch oder über die sozialen Medien. Gerade diese Hybrid-Lösungen kämen gut an, stellt der Citymanager fest. „Diese menschliche Komponente kann das Internet nicht bieten.“ Möglich sei das, weil Paderborn eine starke Stadtgesellschaft habe, die zusammenhält, sagt der 46-Jährige, der jetzt in sein drittes Jahr als Citymanager geht. „Das Miteinander funktioniert in der Krise.“ Das habe sich auch daran ablesen lassen, wie erfolgreich der elektronische Gutschein der Werbegemeinschaft gestartet sei. „Wir hatten gerade vor Weihnachten sehr viele Anfragen, wie dem Einzelhandel geholfen werden kann.“

Diese Solidarität erstrecke sich auch auf andere Bereiche – im Sozialen, Kirchlichen und in der Kulturszene. „Das ist enorm wichtig, denn das ist ein Pfund mit dem Paderborn wuchern kann, wenn es um eine lebendige Innenstadt geht“, ist Appelbaum überzeugt, dass die Kultur, Gastronomie und Kirche, aber auch die Universität mit ihrem Stadtcampus einen großen Beitrag leisten, wenn es um eine lebendige Innenstadt geht. „Diese Vielfalt wird es letztendlich ausmachen, nicht dass ein Filialist neben dem anderen zu finden ist.“

Mut macht Appelbaum beim Blick in die Zukunft außerdem, dass es viele Hilfsangebote von örtlichen Unternehmen, gerade auch im IT-Bereich gebe, die sehr kreative Lösungen entwickelt hätten, um dem Einzelhandel zu helfen.

„Natürlich wird es trotzdem welche geben, die es nicht schaffen“, macht sich Appelbaum keine Illusionen. Größere Sorgen mache er sich diesbezüglich allerdings um die Filialisten. Die Pandemie beschleunige den Wandel, der sich schon länger abzeichne. „Die Menschen wollen in den Innenstädten keine Uniformität, sondern Vielfalt – und die haben wir zu bieten.“ Zu verhindern gelte es Leerstände in den teuren 1a-Lagen. „Ich hoffe, dass sich bei den Mieten etwas bewegt, so dass die guten Geschäftsideen, die es hier schon gibt, sich auch entsprechend präsentieren können.“

Dazu ein Kommentar von Maike Stahl

Viele beklagen, dass sie dem Pandemiegeschehen hilflos gegenüberstehen. Dabei ist es gar nicht so wenig, was jeder einzelne zu einer lebenswerten Zukunft beitragen kann. Abgesehen von Maske tragen und Abstand halten lohnt sich am Wochenende ein Bummel durch die verlassene Innenstadt. Dort kann man sich in den Schaufenstern einen guten Überblick verschaffen, wie kreativ der Paderborner Einzelhandel der Krise trotzt.

Es gibt fast nichts, was trotz Lockdown nicht auch vor Ort zu bekommen wäre, teilweise sogar bis vor die Haustür geliefert. Jedes so abgewickelte Geschäft trägt nicht nur einen kleinen Teil dazu bei, dass Paderborn eine lebendige Innenstadt behält, sondern ist ebenso wie das Einhalten der Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität in Zeiten von Existenzsorgen und Zukunftsangst.

Auch abgesehen von Corona ist die Innenstadt im Wandel, allein durch die erfolgten und geplanten baulichen Aktivitäten. Dass dieser in eine gute Zukunft führt, kann jeder Einzelne ein klein wenig beeinflussen.

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