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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält Plädoyer für den Vereinssport

„Das Virus ist der Spielverderber“

Paderborn/Bad Lippspringe  (WB). Das Tragen der Alltagsmaske sei eine Belastung – vor allem in der Schule. Aber: Die Menschen werden sie nicht ewig tragen müssen. Vielleicht schon in einem halben Jahr werde es einen Corona-Impfstoff geben. Das sei – Stand heute – realistisch, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei seinem Besuch in Bad Lippspringe am Mittwochabend.

Ingo Schmitz

Nicht nur ein Andenken für den Minister: Der Paderborner Künstler Herman Reichold (links) überreicht Jens Spahn sein Werk mit dem Titel „Deutschland sagt Euch allen Danke“, das sich an die Menschen im Gesundheits- und Pflegewesen richtet. Weitere Bilder werden an Gesundheitseinrichtungen in der Region gespendet. Foto: Oliver Schwabe

Vor 120 Gästen stellte der Münsterländer in der von Jürgen Lutter moderierten Talkrunde klar, dass es – trotz anderslautender Behauptungen in den sozialen Medien – keine Corona-Impfpflicht geben werde. Die Regierung werde auf eine hohe Akzeptanz setzen. „Wo es Freiwilligkeit gibt, braucht es keine Pflicht“, betonte Spahn.

Lob für die vielen Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten

Dass Deutschland so gut durch die Krise gekommen sei, sei den Menschen im Land zu verdanken, die durch das Einhalten der Hygieneregeln wesentlich dazu beigetragen hätten. Spahn lobte auch das Gesundheitssystem und die vielen Menschen, die darin tätig seien. Dieses Lob übertrug er insbesondere auch auf das Medizinische Zentrum für Gesundheit in Bad Lippspringe, das er zuvor besucht hatte. Geschäftsführer Achim Schäfer berichtete, dass dort bereits 200 Corona-Patienten behandelt worden seien. Spahn nahm den Hinweis auf und berichtete von seiner Begegnung mit den 80 Demonstranten, die in Hövelhof die Corona-Politik kritisiert hatten. Er empfahl ihnen, sich mit einem Patienten zu unterhalten, der 60 Tage beatmet worden sei. „Der wird vermutlich nie wieder so sein wie vorher“, machte er die Tragweite der Erkrankung klar. „Nicht ich bin der Spielverderber, sondern das Virus“, betonte er. Spahn sprach sich ausdrücklich dafür aus, dass der Vereinssport wieder aufgenommen werden solle. Allerdings unter der Vor­aussetzung, dass die Menschen „aufpassen“. „Wer Symptome hat, sollte nicht zum Sport gehen“, mahnte er.

Ganz anders sieht es beim Profisport aus. Jens Spahn machte deutlich, dass er zum jetzigen Zeitpunkt zwar Schüler und Arbeitnehmer in Zügen sehen wolle, aber keine Fußballfans. In der Corona-Krise gehe es darum, Risiken abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. „Wir lernen dabei“, machte Spahn deutlich, dass nicht jede Entscheidung richtig gewesen sei, weil es im Zusammenhang mit diesem Virus nicht nur eine Wahrheit gebe.

Das Treffen initiiert hatte der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann. Den beiden Wahlkämpfern Ulrich Lange (CDU-Bürgermeisterkandidat für Bad Lippspringe) und Christoph Rüther (CDU-Landratskandidat für den Kreis Paderborn) wünschte Jens Spahn viel Erfolg. Er brach in dem Zusammenhang eine Lanze für das Bürgermeisteramt. Vor Ort sei man gefordert, jeden Tag Rede und Antwort zu stehen. „Das muss man können und wollen“, zollte der Bundespolitiker Respekt.

Dieser Beitrag hat bei Facebook viele Reaktionen ausgelöst. Foto:

Ärger um SCP-Trikot

Ein Facebook-Post des SC Paderborn sorgt für Aufregung im Netz: Das Foto zeigt Geschäftsführer Martin Hornberger zusammen mit SCP07-Vizepräsident Carsten Linnemann (CDU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der beim Besuch in Bad Lippspringe vom Zweitligisten ein Trikot geschenkt bekam. Dem SCP wird nun vorgeworfen, sich in den CDU-Wahlkampf einzumischen. Diesen Vorwurf wies Martin Hornberger am Donnerstag auf WV-Anfrage weit von sich. Am Rande des Auftritts von Jens Spahn habe man vielmehr die Chance genutzt, mit dem zuständigen Bundesminister darüber zu sprechen, wie perspektivisch eine Rückkehr der Fans in die Stadien ermöglicht werden könne. Der DFL habe die Clubs aufgefordert, so Hornberger, mit politischen Mandatsträgern das Thema Zuschauerzulassung zu erörtern und dafür zu werben. Diese Chance habe der SCP genutzt. Hornberger: „Der lokale Wahlkampf ist nicht unser Thema, sondern ein Austausch mit dem Minister.“ Übrigens nutze der SCP immer wieder die Gelegenheit zum Gespräch mit Politikern – „egal welcher Couleur“, wie der Geschäftsführer betont. So habe man auch schon NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und dem ehemaligen NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) Trikots überreicht.

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