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Alexander Senn (FDP) setzt auf kreative Lösungen für Paderborn

„Den Stillstand beenden“

Paderborn (WB). Er hat zwei kleine Kinder, arbeitet mal in Düsseldorf, mal im Homeoffice und ist der erste Bürgermeisterkandidat der FDP in Paderborn seit dem Jahr 2004. Damals trat Dr. Günter Lobin unter anderem gegen Heinz Paus (CDU, 61,6 Prozent) an und kam auf 4,2 Prozent. Jetzt will es Alexander Senn (37) wissen und fordert Bürgermeister Michael Dreier (CDU, 59) heraus. Sein Ziel sei es, „die seit 1946 in Paderborn gefestigten Strukturen bewegungsfähig zu machen. Es gibt viel Stillstand an elementaren Punkten“, meint der Liberale.

Ingo Schmitz

Alexander Senn (37) ist Vater von zwei kleinen Kindern. Dem Elsener ist nach eigenen Angaben das Thema Kinderbetreuung eine Herzensangelegenheit. In Paderborn tritt er erstmals für die FDP als Bürgermeisterkandidat an. Foto:

Mobilität

Als Beispiel nennt er das Thema Verkehr. „Seit Jahren wird viel geredet, aber es passiert nichts“, behauptet der FDP-Fraktionschef im Paderborner Stadtrat. In Düsseldorf käme er nie auf die Idee, mit dem Auto zu fahren. In Paderborn sei das anders. Allerdings sei der Verkehr „unberechenbar“ – man wisse nie verlässlich, wie gut man durchkomme. Dafür verantwortlich macht er die Ampelsteuerung, die bis heute nicht auf die Verkehrsmengen optimiert sei. Er selbst fahre aber auch Rad. Und dabei sei ihm aufgefallen, dass Streckenführungen und Zustände von Wegen – zum Beispiel von Elsen nach Paderborn – „katastrophal“ seien. Er vermisse eine Konzeption aus einem Guss. Das, was neu gemacht werde, passe nicht zum bisherigen. Als ausreichend bezeichnet Senn hingegen das Angebot des Padersprinters, der oft mit großen, leeren Bussen unterwegs sei. Es brauche nicht mehr Busse, sondern kurze Wege zu den Haltestellen, fordert der FDP-Mann. „Wir brauchen keinen Bürgerbus, wir benötigen aber ein Bussystem ‚on demand‘“, erklärt Senn. Gemeint seien damit wesentlich kleinere Busse, die dann unterwegs seien, wenn sie angefordert und benötigt würden. „Wir brauchen kreative Lösungen. Wir müssen uns an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren“, macht er deutlich, dass Paderborn zwar Großstadt, aber keine Metropole sei.

Sein Ansatz: Wie wäre es zum Beispiel, wenn Supermärkte in Wewer, Schloß Neuhaus oder Elsen an Samstagen Teile ihrer Parkplätze für Park-and-Ride zur Verfügung stellen würden? An vielen Supermärkten befänden sich Haltestellen. Der Verbraucher würde dort kostenlos parken, mit dem Bus in die Stadt fahren und auf dem Rückweg im Discounter einkaufen, um danach wieder nach Hause zu fahren. Dadurch könnte man den Individualverkehr reduzieren. Erste Gespräche habe er geführt, ist Senn optimistisch, dass die Idee realisierbar wäre.

Kinderbetreuung

Ein Herzensthema des jungen Familienvaters – seine Kinder sind fünf und drei Jahre alt – ist eine verbesserungswürdige Kinderbetreuung vor allem im Bereich der Randzeiten. „Wir sind in einer optimalen Lage: Meine Frau ist Lehrerin, ich kann im Homeoffice arbeiten, wir haben hier Großeltern und Freunde, die einspringen können. Es gibt aber viele junge Familien und vor allem auch Alleinerziehende, die es nicht so gut haben“, berichtet Senn. Auch hier gehe es ihm um das Thema Lebenswirklichkeit. Polizisten und Krankenschwestern im Schichtdienst, Mitarbeiter im Einzelhandel: Für viele gingen die aktuellen Betreuungszeiten an den realen Erfordernissen vorbei. „Es gibt bislang keine Betreuung ab 6 Uhr oder bis 20 Uhr. Betreuungszeiten müssen flexibel wie Arbeitszeiten sein“, macht Senn deutlich, wofür er sich – auch im Sinne von Alleinerziehenden – einsetzen will.

Stadthaus

Zu groß, zu teuer: So lautet das Fazit von Alexander Senn zum geplanten Neubau der Stadtverwaltung. Corona habe zudem gezeigt, dass Homeoffice auch bei einer Verwaltung generell funktioniere. Die FDP habe sich damals an die Spitze der Bewegung gestellt und die Bürgerbeteiligung zum Neubau eingefordert. Dass dies gelungen sei, sei ein Erfolg, der aber auch mit der Fehlplanung am Marienplatz zusammenhänge. Grundsätzlich hält es Senn für falsch, die 1A-Lage für die Verwaltungsbüros zu opfern. Er hätte es für sinnvoller gehalten, wenn man hier als Stadt Flächen für Kleingewerbe geschaffen hätte, um jungen Existenzgründern eine Chance zu geben. Die sei nun vertan worden. Am Ratsbeschluss zur Realisierung des Neubaus will Senn aber nun nicht mehr rütteln. „Das macht keinen Sinn, wir akzeptieren die Entscheidung. Auch wenn wir es für falsch halten, dass hier ein Sahnegrundstück für die Verwaltung reserviert wird. Die Stadt darf jetzt nicht an Investitionen sparen“, mahnt er den Startschuss zum Neubau an.

Wirtschaft

„Wir brauchen deutlich mehr Industrieflächen“, sagt der liberale Politiker, der bedauert, dass der Onlinehändler Amazon in Paderborn-Mönkeloh nur ein Verteilzentrum baut, im benachbarten Horn-Bad Meinberg – abseits jeglicher Autobahnanschlüsse – aber ein Logistikzentrum für mehr als 1000 Mitarbeiter plant.

Und auch sonst fordert er mehr Kreativität ein, um Flächen zu generieren. Eine mögliche Lösung könnte Vertical Farming sein, wo Obst und Gemüse in mehrstöckigen Gebäuden produziert würden, anstatt auf Ackerflächen. Gespräche mit Landwirten in der Region hätten gezeigt, so Senn, dass diese offen für solche Zukunftstechnologien seien. Gleichzeitig würde der Flächenverbrauch der Landwirtschaft sinken. „Wir haben hier viel Kompetenz“, sagt der 37-Jährige mit Blick auf den Uni-Standort, wo Maschinenbau und Digitalisierung verankert seien.

Wohnen

Aus Sicht von Alexander Senn sei es notwendig, die wachsende Nachverdichtung in Paderborn auszubremsen. Neben der Bebauung von Konversionsflächen gebe es viele Beispiele, wo ältere Einfamilienhäuser abgerissen und die Grundstücke mit Appartementkomplexen bebaut würden. „Jede kleine Fläche wird zugekleistert“, kritisiert der Paderborner. Dies sei auch den Nachbarn nicht zuzumuten. Seine Sorge sei, dass es in zehn bis 15 Jahren vermehrt Leerstände geben könnte. Statt ungebremst weiter neu zu bauen, brauche es intelligente Lösungen. Andere Kommunen seien da weiter, als Paderborn. So gebe es Plattformen und Initiativen, wo ältere Menschen mit Haus oder großer Wohnung mit Familien tauschen könnten, denen ihr Zuhause zu klein geworden sei.

Zur Person

Alexander Senn ist 37 Jahre alt und wurde in Paderborn geboren. Er hat an der Universität Bielefeld Geschichts- und Sozialwissenschaften studiert (B.A.) und seinen Masterabschluss in Geschichtswissenschaft (Wirtschaftsgeschichte) gemacht. Titel der Masterarbeit „Die Geschichte der Containerisierung und ihre Auswirkungen auf den Hamburger Hafen.“ In der Politik ist er seit dem Jahr 2000 aktiv. Zuerst als Vorsitzender der Jungen Liberalen Paderborn und gleichzeitig als stellvertretender Vorsitzender im Kreis- und Bezirksvorstand der Jungen Liberalen. Von 2004 an war er Sachkundiger Bürger im Sportausschuss, seit 2006 ist er Ratsmitglied. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Elsen.

alle Berichte über die Bürgermeisterkandidaten in der Stadt Paderborn im Überblick

- Michael Dreier (CDU)

- Martin Pantke (SPD)

- Klaus Schröder (Grüne)

- Alexander Senn (FDP)

- Elke Süsselbeck (parteilos/Die Linke)

- Stephan Hoppe (FÜR Paderborn)

- Hartmut Hüttemann (FBI)

- Verani Kartum (Volt Paderborn)

- Marvin Weber (AfD)

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