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Paderborner Band Kid Dad veröffentlicht Debütalbum und plant England-Tour

Der erste Karriereschritt

Paderborn (WB). Das erste Kind kommt am Freitag auf die Welt. Dann veröffentlicht die Paderborner Band Kid Dad ihr Debütalbum. „In A Box“ wird international beworben und präsentiert: Im Februar und März 2021 planen die vier Musiker, die von dem bekannten Label SPV unter Vertrag genommen wurden, Konzerte beispielsweise in Glasgow, London und Manchester. Ihre Agentur spricht vom „spannendsten Musikexport, den Paderborn seit langem zu bieten hat“.

Dietmar Kemper

Max Zdunik, Michael Reihle und Marius Vieth proben für ihren Auftritt im WDR-„Rockpalast“. Joshua Meinert musste während des Fototermins noch arbeiten. Foto: Oliver Schwabe

Sänger und Gitarrist Marius Vieth (24), Schlagzeuger Michael Reihle (24), Bassist Max Zdunik (25) und Gitarrist Joshua Meinert (32) setzen voll auf Musik – und das in einer Zeit, die durch das Coronavirus für Musiker so unsicher geworden ist wie noch nie. „Natürlich ist das ein Risiko, aber wir haben ein Team um uns herum, das an uns glaubt“, gibt sich Marius Vieth aus Altenbeken optimistisch.

Auftritt im „Rockpalast“

Bei null muss die Band nicht mehr anfangen. In den vergangenen Wochen veröffentlichte sie zu den Songs „A Prison Unseen”, „What You Call A Dream” und „Limbo“ professionelle Videos, die bei Youtube fast 100.000 mal angeklickt wurden. Bei Spotify hat sich die Band mehr als 25.000 monatliche Hörer erarbeitet. Und am Dienstag probten die Musiker im „Wohlsein“ für einen Auftritt im WDR-„Rockpalast“, der am 25. August in Essen aufgezeichnet wird.

Kid Dad spielen Alternative Rock, wollen aber selbst keine Rockstars sein. Sex, Drugs und Rock’n’Roll – solche Klischees halten sie für hohl. Man müsse nicht Hotelzimmer zerlegen, um zu zeigen, dass es sich um eine Rockband handelt, betonen sie. Bassist Max Zdunik: „Ich höre diese Musik, also muss ich so sein – von diesem Satz halte ich nichts.“

Laute Musik, leise Texte

Auch wenn die Musik der Paderborner Band, die es seit Mai 2016 gibt, laut ist, sind die Texte eher leise. Es gehe um Angst, Selbstfindung, Euphorie, das Enttäuschtsein, um das, was Gefühle mit den Menschen machen, erläutert Marius Vieth, der alle Texte geschrieben hat. „Auf dem Album machen wir Skizzen einer Selbsttherapiesitzung für 15 Euro verfügbar“, macht er deutlich, dass die Lieder einen intimen Charakter haben, sich auch mit Kontrollverlust, Druck und Notlügen befassen.

Wer glaubt, der Titel „In A Box“ greife das Thema des Eingesperrtseins in Zeiten von Corona auf, irrt. Die Songs und der Albumtitel entstanden, bevor das Virus das normale Leben von einem Tag auf den anderen beendete. Seit 2018 arbeiteten die Musiker, die sich teilweise im Studiengang Populäre Musik und Medien an der Universität Paderborn kennengelernt hatten, an dem Album.

Zwischen Erleichterung, Sorge und Euphorie

Nachdem es jetzt fertig ist, spürt Schlagzeuger Michael Reihle (24) aus Stuttgart „sehr viel Erleichterung und Euphorie“. Gleichzeitig ist er gespannt darauf, was in den nächsten Wochen und Monaten so alles passieren wird. Marius Vieth findet es „etwas beängstigend“, dass jetzt ein breiteres Publikum die intimen Texte hören kann. Wer neu auf die Gruppe aufmerksam wird, fragt sich vermutlich auch, was der Bandname Kid Dad zu bedeuten hat. Er soll die Grenzen zwischen dem Erwachsen- und dem Kindsein und die damit verbundenen Klischees („Das kannst du noch nicht“) infrage stellen.

Paderborn eine „supercoole Startrampe“

Dass die Band aus Paderborn und nicht aus einer hippen Großstadt wie Berlin oder Hamburg kommt, sieht sie nicht als Nachteil, sondern sogar als Vorteil an. Marius Vieth spricht von einer „supercoolen Startrampe“. In Paderborn könne die Band sie selbst sein, in Berlin dagegen würden Musiker durch die vielen Hypes und Trends in der Hauptstadt unter Druck gesetzt, den eigenen Stil anzupassen. Hinzu komme ein ganz praktischer Punkt: In Paderborn seien Probenräume viel günstiger. Dafür beneiden die Paderborner Musiker die in Berlin um die vielen Auftrittsorte.

Obwohl der Großteil der Musik heute gestreamt wird, legten die Paderborner Wert darauf, dass ihr Album auch als CD und Schallplatte herauskommt. Die Veröffentlichung begleitet die Band mit der Benefizkampagne „Safe In A Box”. Durch den Verkauf von eigens dafür angefertigten Merchandise-Artikeln sollen der Verein SOS Kinderdorf und die Gesellschaft NSPCC, die sich für den Schutz von Kindern vor Gewalt einsetzt, unterstützt werden.

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