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Paderborner Perspektiven

Der Härtetest für die digitale Leitkommune

Paderborn

Wenn ausgerechnet in einer digitalen Leitkommune wie Paderborn der Distanzunterricht nicht funktioniert, sind die Aufregung groß, die Kritik laut und der Spott programmiert.

Dietmar Kemper

Distanzunterricht ist ein großes Aufreger-Thema in der digitalen Leitkommune Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die 17.000 Schüler und 2000 Lehrer in der Domstadt haben strapaziöse Wochen hinter sich, aber wer oder was ist daran schuld? Die Lernstatt scheint es nicht zu sein, es sind offenbar die Cyber­attacken auf sie.

Glaubhaft konnten das die IT-Experten Burkhard Pöhler, Bernd Kürpick und Ralf Bilger in der Pressekonferenz am Montag darstellen. Demnach konfrontieren seit dem 17. Dezember immer wieder konzentrierte Angriffe einer großen Zahl von Rechnern das Datennetz mit unsinnigen An­fragen und überlasten es dadurch.

Corona gibt es nicht erst seit Dezember. Aber schon vorher unternahm die Stadt einiges, um die IT-Infrastruktur etwa durch weitere Mailserver aufzurüsten und die Schüler mit Laptops auszustatten. Allein 3000 Geräte wurden an Kinder aus sozial schwachen Familien ausgegeben. Deswegen geht die Kritik von Verani Kartum von Volt ins Leere, der der Stadt weitgehende Untätigkeit unterstellt. Allein für das Projekt „Lernstatt 2020“ hat die Stadt seit 2016 acht Millionen Euro ­lockergemacht.

Die Stadtschulpflegschaft wird es freuen, dass künftig 20 Schulen, darunter alle Gymnasien, das Videokonferenzsystem MS-Teams nutzen können. Berechtigt ist allerdings die Frage, ob nicht vielleicht Logineo, die digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform des Landes NRW, den Werkzeugen der Lernstatt überlegen ist. Diese Überlegung stellten zuletzt mehrere Parteien an.

Die Stadt will an ihrer Lernstatt festhalten und, wie Bürgermeister Michael Dreier am Montag gleich mehrfach versprach, da wo nötig in Technik und Personal investieren. Inmitten der Corona-Pandemie sei „Bildung eines der vordringlichsten Themen“, betonte er. An seinen Aussagen werden ihn Schüler, Lehrer und Eltern messen. Ob die Lernstatt leistungsfähig genug für den Digitalunterricht ist, wie die IT-Experten betonen, wird sich endgültig zeigen, wenn die Cyberangriffe aufhören.

Letztlich muss es im ureigenen Interesse der Stadt liegen, dafür zu sorgen, dass die Lernstatt fit für die Zukunft ist. Sonst würde sie sich als digitale Leitkommune lächerlich machen. Den neuen Hund digital anmelden zu können, ist schön und gut, aber unwichtig im Vergleich zu einem funktionierenden Unterricht.

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