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Christoph Brech stellt in Paderborn seine Variante der »Alpensinfonie« vor

Die Bilder zur Musik gemacht

Paderborn (WB). Popsänger und Rockbands ergänzen heute ihre Musik wie selbstverständlich durch Videos. Als die »Alpensinfonie« von Richard Strauss 1915 uraufgeführt wurde, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Der Künstler Christoph Brech hat das jetzt nachgeholt und sein Video in Paderborn vorgestellt.

Dietmar Kemper

Christoph Brech (rechts) signiert das Buch über seine Diskussion mit Rüdiger Safranski. Links ist der Leiter des Diözesanmuseums, Christoph Stiegemann, zu sehen. Foto: Dietmar Kemper

Den Zuschauern im Diözesanmuseum gefiel die 50-minütige visuelle Umsetzung der »Alpensinfonie« durch den renommierten Foto- und Videokünstler aus München. Die Frage, ob sie auch Richard Strauss (1864-1949) ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hätte, wird für immer unbeantwortet bleiben. Strauss vertonte die Besteigung eines Alpengipfels und die Rückkehr ins Tal. Gewidmet war sie dem damaligen, unglücklichen Porträtmaler Karl Staufer und als philosophischer Hintergrund dienten Strauss die Werke von Friedrich Nietzsche.

Von Klischees befreit

Christoph Brech wollte die Sinfonie von ihrem »Alpenklischee« befreien. »Ich habe sie komplett aus der Natur herausgenommen und auf eine Bühne gestellt«, sagte er in Paderborn. Die Kuhglocken, die Strauss noch einbaute, gibt es bei ihm nicht. Aufstieg, Gratwanderung und Abstieg erinnerten Brech ans menschliche Dasein: »Mein Wanderer ist der Seiltänzer, er steht für das Leben.« Auch in Nietzsches Werk kommt der Seiltänzer vor.

In Brechs Video tanzt ein achtjähriger Junge, wirft seinen schützenden Umhang weg und klettert eine Leiter in einen neuen Lebensabschnitt hoch. Der Seiltänzer reibt seine Hände mit einem weißen Pulver ein, das staubt und Wolken symbolisiert, die im Gebirge heraufziehen. Zum Schluss des Videos fällt der Vorhang vor einem alten Mann.

Zeitgenössische Kunst und Mittelalter

Paderborns Kunstfreunde kennen Brech von seinen Fotografien aus der ewigen Stadt als Teil der Ausstellung »Wunder Roms im Blick des Nordens« (Ende März bis Mitte August 2017) im Diözesanmuseum und durch seine eigene Schau »More than Rome« (Oktober 2017 bis August 2018). Darin hatte Brech (55) seine zeitgenössischen Foto- und Videoinstallationen in Bezug zu mittelalterlichen Exponaten des Museums gesetzt. Sein Video »Monsalvat« mit dem nächtlichen Schwanenballett bei Eiseskälte in Berlin präsentierte er über vier 1736 entstandenen Allegorien und einem schwebenden Engel. Während der Schau diskutierte Brech mit dem Philosophen Rüdiger Safranski, woraus ein Buch (Imhof-Verlag) entstand, das am Donnerstag in Paderborn vorgestellt wurde.

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