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Neuer NPH-Geschäftsführer nimmt Arbeit auf

„Die Chance für eine Verkehrswende ist da“

Paderborn/Höxter (WB). Er soll den Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (NPH) fit für die Zukunft machen: Marcus Klugmann heißt der neue NPH-Geschäftsführer. Der 49-Jährige folgt auf Siegfried Volmer (62), der neun Jahre an der NPH-Spitze stand und nun Leiter der Abteilung Marketing und digitale Kundensysteme beim Nahverkehr West­falen-Lippe (NWL) wird.

Matthias Band

NPH-Verbandsvorsteher Dr. Ulrich Conradi (links) hat am Donnerstag den neuen Geschäftsführer Marcus Klugmann der Öffentlichkeit vorgestellt. Klugmann ist 49 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Borchen. Foto: Matthias Band

Klugmann ist gebürtiger Detmolder und wohnt seit elf Jahren mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Borchen. Zuletzt war er als Prokurist beim Verkehrsunternehmen Keolis (Eurobahn) tätig. Davor arbeitete der studierte Diplom-Ingenieur und technische Betriebswirt 13 Jahre bei der Bahntochter DB Regio. Klugmann ist beim NPH kein Unbekannter, begann er seine Laufbahn doch als Verkehrsplaner beim NPH. Der Verkehrsverbund kümmert sich in den Kreisen Höxter und Paderborn um den öffentlichen Bus- und Bahnverkehr.

Komplett neue Führungsriege

„Ich bin sicher, dass wir mit Marcus Klugmann einen ausgewiesenen Experten gefunden haben, der den erfolgreichen Weg des NPH nahtlos fortsetzen wird“, sagte NPH-Verbandsvorsteher Dr. Ulrich Conradi am Donnerstag bei Klugmanns Vorstellung. Da mit Stefan Atorf auch der stellvertretende NPH-Geschäftsführer zum NWL wechseln wird, bekommt der heimische Nahverkehrsverbund eine komplett neue Führungsriege. Klugmann zur Seite wird künftig Bernd Adelmeyer stehen, der im Oktober seine Arbeit aufnehmen soll.

„Mein Ziel ist es, Angebot und Qualität im ÖPNV des Hochstifts insbesondere durch Vernetzung und Digitalisierung bedarfsgerecht und kundenorientiert weiterzuentwickeln. Dabei steht auch das Tarifsystem im Fokus“, sagte Klugmann, der sich bei Siegfried Volmer für ein „motiviertes Mitarbeiterteam“ bedankte, das dieser ihm überlassen habe. Einfach und zielgruppengerecht sei dabei seine Devise. „Das Tarifsystem muss einfacher werden“, sagte Klugmann. Wichtig sei es zudem, das Gesamtangebot im ÖPNV durch verstärkte Marketingmaßnahmen transparenter und bekannter zu machen. Das Angebot müsse zudem flexibler gestaltet und die einzelnen Bereiche Schiene, Bus, Rad, Auto, Car-Sharing, E-Scooter besser miteinander vernetzt werden. Deswegen sehe er in dem NPH eher einen Mobilitätsverbund als einen reinen Verbund für die Bereiche Busse und Schiene.

Fahrgastaufkommen wieder bei 70 Prozent

Noch im vierten Quartal dieses Jahres soll die „Fahr mit“-App als ein Lösungsansatz zur besseren Vernetzung auf den Markt kommen. Die App soll nicht nur Fahrplan-Informationen enthalten, sondern auch Buchungsmöglichkeiten und weitere Serviceangebote bieten, kündigte Conradi an.

Aktuell stehe der Verband wegen der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen, auch wenn das Fahrgastaufkommen mittlerweile wieder bei etwa 60 bis 70 Prozent der Vor-Corona-Zeit liege. Klugmann betonte auch, dass die Umstellung von der Eigen- auf die sogenannte Gemeinwirtschaftlichkeit für den NPH eine höhere Verantwortung, aber auch eine bessere Einflussnahme mit sich bringe. Bislang haben die Unternehmen die Bus­linien auf eigenes ­Risiko betrieben. War ein Angebot unrentabel, wurde es nicht fortgesetzt. Jetzt könnte der NPH sagen, die Linie ist trotzdem wichtig und die Verluste würden durch die öffentliche Hand ausgeglichen. Bis 2024 sollen alle Linien im Hochstift auf Gemeinwirtschaftlichkeit umgestellt werden. „Es muss allen klar sein, dass ein leistungsfähiger ÖPNV nicht zum Nulltarif zu haben ist“, sagt Klugmann.

35 Millionen Euro für ÖPNV

Derzeit belaufen sich die Kosten für den ÖPNV im Hochstift, ohne die Stadt Paderborn, die selbst für den ÖPNV verantwortlich ist und dafür auch die Kosten trägt, auf 35 Millionen Euro. Conradi geht davon aus, dass die Kosten steigen werden und dass 2023/24 eine Umlage notwendig wird, um das gegenfinanzieren zu können.

In ländlichen Gebieten sei mit einem Ein-Stunden-Takt bereits eine Grundversorgung erreicht. Für manche Orte sei ein Halbstundentakt denkbar, aberZiel sollte nicht der Jedermann-Verkehr sein, betonte Conradi. Es müsse geschaut werden, wo das größte Potential stecke. Und das seien zum Beispiel spezielle Angebote für Schüler und Studenten sowie für Berufspendler, aber auch für Senioren. „Wir brauchen das passende Angebot für die jeweilige Zielgruppe.“

Conradi setzt unter anderem auf ein Pilotprojekt in Höxter, das vom Land gefördert wird. Dort soll ab 2021 für drei Jahre ein sogenanntes On-Demand-System getestet werden. Der Kleinbus kommt auf Bestellung und sammelt die Fahrgäste an der Straße ein. Klugmann: „Die Chancen für einen starken ÖPNV und der Verkehrswende in den beiden Kreisen Paderborn und Höxter sind da.“

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