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Buch der Theologischen Fakultät vermittelt Eindruck von Paderborn in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Die Frühgeschichte der ältesten Uni Westfalens

Paderborn

Zum 375-jährigen Jubiläum des Gymnasium Theodorianum 1987 publizierte die Vereinigung ehemaliger Theodorianer eine Mappe mit vier Urkunden zur Gründung des Paderborner Jesuitenkollegs: die Gründungsurkunde des Kollegs (1604), die Urkunde zur Gründung der Academia Theodoriana (1614) sowie die päpstliche und kaiserliche Bestätigungsurkunde (beide 1615). Beigefügt war ein kleines Heft mit einführenden Bemerkungen von Friedrich Gerhard Hohmann, worauf die Texte der Urkunden in lateinischer Sprache folgten.

Einen deutlich umfangreicheren Band zur Frühgeschichte der ältesten Universität Westfalens, der Paderborner Jesuitenuniversität, hat nun die Theologische Fakultät Paderborn publiziert, die den emeritierten Fundamentaltheologen Josef Meyer zu Schlochtern und den Referenten für Studienangelegenheiten der Fakultät Gerhard Franke mit der Herausgabe des Buches beauftragt hat.

Schaut man in das Inhaltsverzeichnis des Buches, so sieht man, dass insbesondere Urkunden und Quellen zur Frühgeschichte der Gründung des Fürstbischofs Dietrich von Fürstenberg (amt. 1585-1618) hier publiziert sind. Auf eine Einleitung der Herausgeber folgen die Dokumente, gegliedert in insgesamt vier große Abschnitte.

Zunächst werden die Dokumente und deren Geschichte, darin auch die Festschrift („Panegyricus“) des Jesuiten Johannes Horrion mit zunächst einer Einleitung des Übersetzers, vorgestellt, worauf die Gründungsurkunden und damit die rechtlichen Grundlagen der „Academia“ erläutert werden. Im dritten Teil folgt der „Panegyricus“ mit seinen drei Büchern, worauf zum Abschluss „Ergänzende Dokumente zur Gründung und Frühgeschichte“ folgen, darunter ein Bericht zur feierlichen Eröffnung im Jahre 1616 aus der Chronik des Jesuiten Johannes Sander, zur Gerichtsbarkeit der neuen Universität und Verfahren zur Aberkennung akademischer Grade.

Der besondere Wert des Buches besteht darin, dass alle lateinischen Texte vom Leitenden Regierungsdirektor Gerhard Ludwig Kneißler (+2021) ins Deutsche übersetzt worden sind, wobei der lateinische Text und die Übersetzung gegenübergestellt worden sind (links: Latein – rechts: Deutsch), so dass man beide Fassungen parallel lesen kann. Ebenso hilfreich ist das Glossar von Josef Meyer zu Schlochtern, denn nicht alle Begriffe sind heutigen Lesern noch verständlich, so dass sie einer Erklärung bedürfen.

Besonders herausgestellt worden sind die Besonderheiten einer Jesuitenuniversität. Hinzuweisen ist aber auch auf die reiche Bebilderung des Buches, wozu die Urkunden, die teilweise prächtig gestaltet wurden, zählen (man findet sie farbig). Dass auch der Fürstbischof und seine wichtigsten Bauten (Schloss in Neuhaus, Wewelsburg und natürlich das Jesuitenkolleg, alle aus dem „Panegyricus“) abgebildet sind, versteht sich von selbst. Letztere Abbildung ist erst seit zehn Jahren bekannt. Man findet auch Textseiten oder Protokollabbildungen zur Gerichtsbarkeit. Insgesamt darf man der Fakultät und den Herausgebern für diese Veröffentlichung danken, wirft sie doch nicht zuletzt ein helles Licht auf die Geschichte der Stadt Paderborn in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Josef Meyer zu Schlochtern/Gerhard Franke (Hg.), Die Jesuitenuniversität in Paderborn – Dokumente zur Gründung und Frühgeschichte der Academia Theodoriana. Mit Übersetzungen von Gerhard Ludwig Kneißler, Brill/Schöningh-Verlag Paderborn, gebunden, 576 Seiten (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte Band 87).

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