1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Die »Kulte« wackelt

  8. >

Beim »Metal Inferno Festival« kommen Headbanger in Paderborn auf ihre Kosten

Die »Kulte« wackelt

Paderborn (WB). Normalerweise ist ein Inferno eine Katastrophe. Auf das »Metal Inferno Festival« trifft das nicht zu. Für gut 1000 Headbanger ist es am Freitag und Samstag in der Kulturwerkstatt bis auf eine Geduldsprobe das reinste Vergnügen.

Dietmar Kemper

Die Band Eradicator heizt mit Trash Metal den Headbangern ein. Sie ist eine von mehr als 20 Bands, die die Kulturwerkstatt entern. Foto: Dietmar Kemper

»Heute ist der Wurm drin«, sagt Organisator Sebastian Kivelitz am frühen Samstagabend. Die Hauptband Entombed A.D., die am Freitag auf ihrer »Hell over

Europe«-Tour noch in London aufgetreten war, hat die Fähre verpasst und mit ihr ihre Vorgruppen Baest und Aborted, die ebenfalls für Paderborn gebucht sind. Kommen sie noch? Sie kommen, aber erst höllisch spät.

Auftritt mit Verspätung

Statt um 22.30 Uhr klettern Entombed A.D. erst um kurz vor Mitternacht auf die Bühne. Aber das Warten hat sich gelohnt. Eine Stunde lang hämmert das Quintett aus Schweden seinen beinharten Sound in die Menge. »Alles gut?« fragt Sänger Lars Göran Petrov und natürlich lautet die Antwort auf seine Frage »Noch eins?« ebenfalls ja. Gitarrenriffs wie Energieschübe, der Große Saal brodelt, die »Kulte« wackelt.

Mehr als 20 Bands geben sich auf der »Inferno«- und der »Mosh«-Bühne zwei Tage lang die Gitarren in die Hand. Die Gruppen aus dem In- und Ausland, darunter aus den USA, Schweden, Dänemark und Österreich, decken die ganze Bandbreite einer Musik ab, die seit dem großen Interesse der Medien am Vorzeigefestival in Wacken mehr Wertschätzung erfährt als zuvor.

In der Radiologiepraxis und auf der Bühne

Neben Death-Metal-Dampfwalzen wie Endseeker oder Shirenc Plays Pungent Stench zeigen Eradicator und Contradiction, wie schnell beim Trash Metal die Finger über die Saiten flitzen können. Night Laser und Dawn of Destiny beweisen, dass die Musik auch wunderbar melodisch sein kann. Deren Sängerin Jeanette Scherff gebührt der Preis für die schönste Stimme. Und das, obwohl sie die Woche über krank war, wie sie nach dem Konzert dem WV sagt. Sieben Alben hat Dawn of Destiny aus Bochum schon vorgelegt, geprägt von Power, aber auch eingängigen Melodien und glasklarem Gesang. Ihr Vorbild sei Floor Jansen von Nightwish, erzählt Scherff, die im Gegensatz zu den weltweit erfolgreichen Finnen nicht von ihrer Musik leben kann. Scherff arbeitet in einer Radiologiepraxis, und manchmal sind die Bühnen, auf denen sie und ihre Band auftreten, abschreckend: »Es ist nicht so einfach, gute Locations zu finden.«

Reich werden nur die wenigsten

Ein Heimspiel haben am Freitagabend die Jungs von Motorjesus. Zum vierten Mal schalten sie bei ihrem benzingeschwängerten Hardrock und Songs wie »Dirty pounding Gasoline« oder »Destroyer« in den sechsten Gang. Obwohl es um schnelle Autos geht, fahren die Musiker selbst nur Kleinwagen. Mit Metal werden nur die wenigsten reich, auch Organisator Kivelitz nicht, der mit knapp 30 Helfern und zehn Sicherheitsleuten das Festival stemmt. Genugtuung verspürt er, wenn Bands sich danach begeistert zeigen – so wie der Ex-Iron-Maiden-Sänger Blaze Bayley, der 2012 hier war. Auch 2020 soll es das »Inferno« wieder geben, der Termin steht aber noch nicht fest.

Startseite