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Borchener Bluttat: Gutachten gibt keine Hinweise auf verminderte Schuldfähigkeit

Die Luft wird immer dünner

Paderborn/Borchen

Die Luft für die Angeklagte und ihre Verteidigung wird immer dünner. Im Prozess um den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen hat der gerichtlich bestellte Gütersloher Psychiater Dr. Gerhard Dankwarth sein Gutachten vorgelesen und Stellung zur umstrittenen Aussagefähigkeit der Beschuldigten bezogen.

Jan Haselhorst

Das Gericht in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Anders als der zuletzt geladene Psychiater Prof. Dr. Thomas Daldrup sieht Dankwarth keine Veränderungen im Vernehmungsprotokoll, das von Polizisten in einem Nürnberger Krankenhaus erstellt wurde. Dort wurde die 47-jährige Angeklagte nach einem mutmaßlichen Suizidversuch auf der A3 behandelt. „Ich habe mir das Protokoll mehrfach durchgelesen und erkenne keine Wesensveränderung der Beschuldigten. Für mich gibt es keinen Bruch in der Vernehmung“, sagt Dankwarth.

Er hält die angeklagte Tochter aufgrund von Erinnerungsvermögen, Reaktionen auf Außenreize und der Aufnahme- und Antwortfähigkeit aus psychiatrischer Sicht für aussagefähig. Zudem gebe es keine Anzeichen, die für eine „Gehirnwäsche“ oder sonstige Manipulierung der Angeklagten sprechen. Auch Suggestivfragen habe Dankwarth im Vernehmungsprotokoll nicht erkennen können.

Im zweiten Teil der Verhandlung verlas der Psychiater sein Gutachten zur Schuldfähigkeit der Beschuldigten. Das Gutachten sei unter Berücksichtigung der Aktenlage und den Erkenntnissen der Verhandlung erstellt worden. Die 47-Jährige habe demnach – wie berichtet – keine Hinweise auf eine andauernde psychische Erkrankung gezeigt, die die Schuldfähigkeit vermindern könnte. Laut Dankwarth gebe es lediglich Hinweise auf eine pathologische Spielsucht. Dies könne als Motivation zur Tat gewertet werden.

Zu Beginn des Prozesses im Oktober gab es Indizien, die für ein mögliches Alkoholproblem der Angeklagten sprachen, doch dieser Verdacht erhärtete sich laut Dankwarth nicht. Bei der umfassenden Untersuchung der Angeklagten nach dem mutmaßlichen Suizidversuch auf der Autobahn habe der Gammawert der Leber unter dem Normwert gelegen. „Wäre die Angeklagte eine Alkoholikerin, so hätte man hier ganz andere Werte gesehen“, ordnet Dankwarth den Sachverhalt ein. Aus den Akten würden sich zudem keine Hinweise auf eine Psychose der Angeklagten herleiten lassen.

Bei der Frage nach der Schuldfähigkeit hält der Gutachter eine Affekttat für unwahrscheinlich. „Wenn wir davon ausgehen, dass die Tat wie in der Anklageschrift dargestellt verübt worden ist, dann spricht vieles für ein geplantes Vorhaben“, sagt Dankwarth.

Die unterschiedlichen Mordwerkzeuge, die Verabreichung von Schlafmitteln, die Säuberung des Tatorts und die Formulierung eines Briefs, der die Schuld auf den damaligen Ehemann lenkte, widersprechen laut Dankwarth den Eigenschaften eines Affektdeliktes. Es gebe keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten. Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt.

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