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Paderborner Firma kennzeichnet Bauteile schon während der Herstellung

Die moderne Alternative zum Aufkleber

Paderborn (WB). Schon mal was von Stüpflern gehört? Das sind Werkzeuge, mit denen Bäcker die Muster in die Brötchen stempeln, also das Laugenbrötchen zum Fußball werden lassen. Jeder Stüpfler hat ein Erkennungszeichen – und hier kommt die Paderborner Firma Additive Marking ins Spiel. „Wir sogen dafür, dass jedes Bauteil eine individuelle Markierung zur Identifizierung bekommt“, erläutert Ulrich Jahnke aus dem Gründerteam, zu dem auch Matthias Habdank und Philipp Bornefeld gehören.

Dietmar Kemper

Die Firmengründer Ulrich Jahnke (links) und Matthias Habdank (rechts) sowie der Mitarbeiter Nikolai Rodehutskors gruppieren sich um einen 3D-Drucker. In den Händen halten sie Stüpfler, die für die Muster in Brötchensorten sorgen. Foto: Oliver Schwabe

Das Start-up ging aus dem Direct Manufacturing Research Center (DMRC) der Universität Paderborn hervor und hat eine Software entwickelt, mit der sich Produkte und Ersatzteile, die im 3D-Drucker entstehen, vollautomatisiert markieren und damit kennzeichnen lassen. Und das geschieht kostenneutral während des Fertigungsprozesses.

Bauteile werden bislang beispielsweise per Laser, Gravur, Ätzverfahren oder Aufkleber markiert. „Aber all das passiert nach dem eigentlichen Fertigungsprozess“, betont Ulrich Jahnke: „Das erfordert zusätzliche Arbeitsschritte und erhöht den Zeitaufwand, die Kosten und die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler gemacht werden.“ Dank der Software von Additive Marking erfolgt die Markierung bereits während der Herstellung des Bauteils. Jahnke: „Die Markierung wird mitgedruckt und ist untrennbar mit dem Bauteil verbunden.“ Markierungen können QR- und Datamatrixcodes sein, Namen, Logos oder Zahlenkombinationen. Sie können sich auch buchstäblich unter der Oberfläche verstecken und sind damit als Sicherheitsmerkmal nicht sichtbar.

Beim 3D-Druckverfahren werden Gegenstände aus Metall und Kunststoff schichtweise produziert, die Stüpfler zum Beispiel aus Pulverstaub. Die Firma WP Kemper, die die Stüpfler vertreibt, gehört zu den Kunden von Additive Marking. Die Paderborner haben neben der Software eine App entwickelt, mit deren Hilfe ein Bauteil gescannt, mit einem ERP-System zur Ressourcenplanung verknüpft und dessen Historie ausgelesen werden kann. „Die erste Version der App ist fertig“, sagt Matthias Habdank (36).

Die Mitarbeiter von Additive Marking im Büro der Business-Community an der Wollmarktstraße in Paderborn. Foto: Oliver Schwabe

Wann wurde ein Bauteil produziert, wie ist es markiert, an welchen Kunden ist es gegangen? „Man kann mit der App die Fertigungsprozesskette und die Nutzung papierlos dokumentieren oder relevante Daten abrufen“, erläutert Matthias Habdank. Auf diese Weise könnten zum Beispiel Wartungsprozesse sichergestellt, Nachbestellungen vorgenommen und Materialzertifikate abgerufen werden. Auch Ulrich Jahnke (37) ist davon überzeugt, dass der 3D-Druck Zukunft hat: „Bei der Herstellung von Ersatzteilen wird er zum Standard werden, in der Großserienfertigung eher nicht.“

Wirtschaftsbereiche wie der Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilbau, die Luft- und Raumfahrt und die Medizintechnik setzen vermehrt auf das 3D-Druckverfahren, die sogenannte additive Fertigung, und müssen dabei ihre Bauteile individuell kennzeichnen. Dies ist nicht nur durch Gesetzgebung und Standards vorgegeben, sondern auch für das eigene Qualitätsmanagement und für Rückrufaktionen von großer Bedeutung. Welche Komponenten einer schadhaften Charge sind nicht in Ordnung? Die Markierung hilft dabei, das interne Qualitätsmanagement voranzubringen, die Fehlerquote und den Ausschuss zu reduzieren.

Zwei Stüpfler mit ihren individuellen Markierungen. Foto: Oliver Schwabe

Die Firma Additive Marking wurde 2017 als GbR gegründet und 2018 in eine GmbH umfirmiert. Sie hat inzwischen sieben feste Mitarbeiter und ihren Sitz in der Business-Community an der Wollmarktstraße. Die Daimler-Tochter EvoBus GmbH gehörte zu den ersten Kunden, aber nicht nur sie wurde auf die Paderborner aufmerksam. Die Archimedes New Ventures GmbH, die zur Bielefelder Böllhoff-Gruppe gehört, investierte in das Start-up.

Darüber hinaus ist Additive Marking mit 14 weiteren Partnern aus Wissenschaft, Industrie und Forschung am Forschungsprojekt „Polyline“ beteiligt. Dabei gehe es um die Entwicklung der digitalen Fertigungslinie der nächsten Generation, erläutert Ulrich Jahnke, der an der Paderborner Universität Ingenieurinformatik studiert und im Maschinenbau promoviert hat. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben, bei dem auch Schwergewichte wie die BMW-Gruppe mitmachen, mit 10,7 Millionen Euro über drei Jahre. Es läuft also gut für das heimische Unternehmen. Ulrich Jahnke verwundert das nicht: „Wir waren schon zu Beginn optimistisch, weil wir gemerkt haben, dass es in der Industrie Interesse an unserer Lösung gibt.“

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