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Kein Weihnachtsmarkt und jetzt der Lockdown: Josef Risse verliert Einnahmen, aber nicht seinen Humor

„Die Sachen werden nicht schlecht“

Elsen

Eigentlich wäre Josef Risse jetzt an seinem Stand beim Paderborner Weihnachtsmarkt. Aber der fällt bekanntlich wegen der Corona-Pandemie aus. „Der Weihnachtsmarkt war mein halbes Jahresgeschäft“, sagt der Kunsthandwerker.

Dietmar Kemper

Josef Risse schnitzt in seiner Werkstatt in Elsen einen neuen Engel – und Schutzengel können die Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie gut gebrauchen. „Ich lebe nicht auf der letzten Rille“, sagt der Kunsthandwerker, der gleichwohl gern beim Weihnachtsmarkt dabei gewesen wäre. Foto: Oliver Schwabe

Trotz finanzieller Einbußen hat der 61-Jährige sich seine Gelassenheit aber bewahrt: „Meine Sachen werden ja nicht schlecht, ich kann sie auch nächstes Jahr noch verkaufen.“ Weil er seine Arbeiten aus Holz nicht in Paderborns guter Stube rund um den Dom anbieten kann, hat er Ausweichquartiere gesucht und auch gefunden. Kunden können seine Artikel im Blumenladen Flora Kreativ und der Buchhandlung Nicolibri in Wewer kaufen, außerdem über die Kunsthandlung „Art und Weise“ in Brakel. Aber der neuerliche Lockdown nimmt ihm am Mittwoch auch diese Gelegenheit. Zuletzt öffnete er freitags und samstags seine Objektwerkstatt in Elsen (Gesselner Hude 50) von 15 bis 18.30 Uhr, aber ob das weiter erlaubt bleibt, wird die neue Coronaschutzverordnung des Landes NRW zeigen.

Bis zu 25 Stunden pro Woche arbeitet der gebürtige Paderborner in seiner 36 Quadratmeter großen Werkstatt an Engeln aus Mammutbaumholz, Nussknackern aus Eibe, Grillzangen aus Bierfassdauben und anderen Küchenhelfern. Die bis zu einen Meter großen Engel machten Josef Risse bekannt. „Der erste Engel war eine Auftragsarbeit, dann kam ein größerer für ein Grab hinzu, und dann war ich drin“, erinnert er sich. Inzwischen gibt es die Engel in großer Zahl, auch nur handgroß, und für bis zu 300 Euro.

Josef Risse, der als Elek­troingenieur bei Nixdorf gearbeitet hatte, liebt Holz: „Es ist so lebendig, es ist Naturkunst.“ Das Material geht ihm nicht aus. „Ich profitiere von der allgemeinen Trockenheit, so dass mehr Eichen gefällt werden müssen.“ Neben den Engeln ist Josef Risse auf seine schwebenden Holzliegen stolz. Ergonomisch geformt, sorgen sie für Entspannung bei den Käufern und für Einnahmen bei dem Kunsthandwerker. Früher waren die Liegen in Gartenmärkten zu finden, heute auf Gartenschauen. Seine Kunden findet Risse in ganz Deutschland und sogar darüber hinaus.

Manchmal bekommt er Spezialaufträge. „Zuletzt habe ich einen Lebensbaum gefertigt, einen Totempfahl aus Eiche mit den einzelnen Lebensphasen eines 60-jährigen Mannes“, erzählt er.

Josef Risse ist ein Jahr älter, die Absage des Weihnachtsmarktes in Paderborn schmerzt ihn, bringt ihn aber nicht in Existenznot: „Ich lebe nicht auf der letzten Rille; wenn ich mit 61 noch brotlos werden würde, hätte ich etwas falsch gemacht.“ Die Devise des zweifachen Vaters lautet: nicht mehr ausgeben als reinkommt.

„Der Weihnachtsmarkt ist mit richtig Stress verbunden, und Berge von Geld werden da auch nicht verdient“, tröstet sich Josef Risse über den coronabedingten Ausfall hinweg. Allerdings entgeht dem zweifachen Vater die Möglichkeit, für seine Workshops zu werben. Vielleicht würden Weihnachtsmärkte künftig anders stattfinden – ohne Alkohol, denn Saufgelage passten nicht zu Corona, findet Josef Risse. Von Kunsthandwerkerständen gehe keine Infektionsgefahr aus, ist er überzeugt.

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