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Grüne Ratsfraktion in Paderborn ist größer und jünger geworden

„Digitale Arbeit ist sehr effektiv“

Paderborn

Die grüne Ratsfraktion ist nicht nur von 9 auf 14 Ratsmitglieder gewachsen bei der jüngsten Kommunalwahl, sie ist mit vielen neuen Gesichtern auch deutlich jünger geworden. „Trotz der Corona-Pandemie mit den entsprechenden Kontaktverboten sind wir aber schon sehr gut zusammengewachsen“, freut sich Fraktionssprecherin Petra Tebbe.

Maike Stahl

Online-Meeting mit den „Neuen“ der grünen Stadtratsfraktion: (von oben links nach unten rechts) Catharina Scherhans, Güven Erkurt, Ulrich Möhl, WV-Redakteurin Maike Stahl, Martina Gamm, Fraktionssprecherin Petra Tebbe, Josefin Klippstein, Johannes Menze, Fraktionssprecher Dr. Klaus Schröder, Jonathan Weickart, Gerrit Pape, Birgit Hüppmann und Katharina Müller.

„Das liegt aber auch daran, dass wir schon im September 2019 die Fraktion für Interessierte geöffnet und diese so schon über längere Zeit mitgenommen haben“, erzählt Johannes Menze. Er musste übrigens am längsten zittern, weil es in seinem Wahlkreis zunächst eine Stimmengleichheit gegeben hatte. Erst die Nachzählung ergab dann, dass das Direktmandat an Menze geht, der bis dahin Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Stadtrat war.

Trotzdem die digitale Ratsarbeit gut funktioniert, vermissen auch die Grünen die persönliche Begegnung. „In den Online-Meetings fokussiert sich das Miteinander sehr auf den reinen Arbeitsaspekt. Das ist sehr effektiv, aber es geht natürlich durch den fehlenden informellen Austausch auch etwas verloren“, sagt Fraktionssprecher Dr. Klaus Schröder. Zuletzt haben die Grünen am Wochenende ihre Haushaltsklausur online absolviert. „Nachdem wir das Wahlprogramm und den Koalitionsvertrag so erarbeitet hatten, war das schon sehr routiniert“, sind Schröder und Tebbe, die neben Sabine Kramm und Florian Rittmeier sie einzigen „alten Hasen“ sind, mit dem Ergebnis zufrieden. Die Fraktion sei hoch motiviert.

Das bestätigt auch Güven Erkurt (20), der über die Fridays-for-Future-Bewegung zur Günen Jugend gestoßen ist. „Da habe ich gemerkt, dass ich gerne mehr bewirken möchte“, sagt der angehende Wirtschaftswissenschaftler. Besonders am Herzen liegen dem Studenten die Themen Integration und Inklusion sowie Wirtschaft und Finanzen.

Martina Gamm (53) ist über ihr Engagement für Fairen Handel und die Parents for Future zu den Grünen gestoßen. „Es ist mir wichtig, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu bewegen. Die Kinder sind groß, jetzt habe ich Zeit für Politik“, freut sie sich über die Chance, die Zukunft der Stadt unter anderem im Bau- und im Umweltausschuss mitzugestalten.

Als selbstständige IT-Beraterin sieht Birgit Hüppmeier, die vor vier Jahren in ihre Heimatstadt Paderborn zurückgekehrt ist, einen ihrer Schwerpunkte in einer verantwortungsvollen Digitalisierung. „Mein Herzensthema ist aber die Arbeit im Sportausschuss“, erzählt sie. Denn dort würden wichtige Weichen für Integration und Inklusion gestellt.

Neu-Paderbornerin Josefin Klippstein (30) will einen besonderen Fokus auf die Gleichstellung legen. Die Chemikerin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni arbeitet, will Frauen ermuntern, sich zu engagieren und Akzente zu setzen. „Gerade in der Politik ist die weibliche Sicht der Dinge leider immer noch unterrepräsentiert“, meint sie.

Der langjährige Fraktionsgeschäftsführer Johannes Menze (55) ist trotzdem „verblüfft, wie intensiv die Fraktionsarbeit tatsächlich ist“. Eine solidarische Demokratie und eine Kulturszene voller Leben sind die Ziele, für die er antritt. „Spannend und schön finde ich, wie oft ich seit meiner Wahl von Bürgern auf bestimmte Themen angesprochen werde. Mein Ehrgeiz ist es, aktiv auf diese Anregungen einzugehen.“

Soziale Gerechtigkeit ist das Anliegen, für das Ulrich Möhl (46) angetreten ist. „Schließlich bin ich durch mein Sozialarbeits-Studium auch hier in Paderborn hängengeblieben.“ Zu den Grünen gekommen ist er über das Thema Radverkehr, wo es seiner Ansicht nach ebenfalls noch dringend sehr viel zu tun gibt, damit alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und sicher unterwegs sein können. Was ihm derzeit besonders fehlt, sind politische Vorträge, Veranstaltungen und auch Demonstrationen.

Katharina Müller (19) ist noch Schülerin und trotzdem bereits seit vier Jahren bei der grünen Jugend. Ausschlaggebend für ihre Ratskandidatur war ein Aufenthalt in Mexiko. „Da habe ich gemerkt, was es für ein Privileg ist, sich einbringen und mitgestalten zu können.“ Ihren Schwerpunkt sieht die Mitbegründerin der Fridays-for-Future-Bewegung in Paderborn im Jugendhilfe- und im Schulausschuss. „Ich finde es erschreckend, welche Steine einigen Kindern in den Weg gelegt werden und möchte gerne mit anpacken, um sie wegzuräumen.“

Ebenfalls über das Studium hat es Gerrit Pape (26) nach Paderborn verschlagen. Er will die Digitalisierung kritisch begleiten. Bei den Themen Stadtentwicklung und Konversion ist es ihm wichtig, die sich bietenden Chancen für bezahlbaren Wohnraum und schöne, außergewöhnliche Projekte zu nutzen.

Studienrätin Catharina Scherhans möchte vor Ort etwas bewegen, „damit Paderborn lebenswert und weltoffen bleibt und eine lebendige Innenstadt behält“. Sie findet es bemerkenswert, dass sie als kommunalpolitischer Neuling bei den Grünen die Möglichkeit dazu erhält. Doch auch wenn sie überrascht ist, wie effektiv derzeit in der Fraktion trotz der Coronabestimmungen digital gearbeitet werden kann, freut sie sich auf den persönlichen Austausch.

Jonathan Weickart (22) sieht in Open-Data viel Potenzial und will dieses Thema als angehender Informatiker intensiv begleiten, ebenso wie die Verbesserung der Bedingungen für Radfahrer. Besonders am Herzen liegt dem Informatik-Studenten aber der Klimaschutz. „So schlimm das gerade ist: Corona geht irgendwann vorbei, der Klimawandel aber nicht. Der kann auch nicht weggeimpft werden“, beschreibt er seine Motivation zur Ratsarbeit.

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