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Verkehrsverein Paderborn ist Erzbistum und Metropolitankapitel zuvorgekommen

Drei Hasen stehen jetzt unter Schutz

Paderborn

Was haben der Stern von Mercedes, der angebissene Apfel von Apple und das rote „S“ der Sparkassen mit dem Paderborner Drei-Hasen-Motiv gemeinsam? Sie sind als so genannte Bildmarken geschützt. Das heißt: Nicht jeder kann das Drei-Hasen-Motiv so verwenden, wie er es gerne möchte.

Ingo Schmitz

Anja Vollmer aus der Tourist-Info der Stadt Paderborn präsentiert das geschützte Drei-Hasen-Motiv. Es findet sich auf Weihnachtsbaumkugeln, Kappen, Holzbrettchen, Tassen und Notizbüchern wieder und ist ein beliebtes Präsent. Foto: Oliver Schwabe

Das bestätigt Karl-Heinz Schäfer, der für den Verkehrsverein Paderborn das Drei-Hasen-Symbol beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München hat schützen lassen. Der Vorgang habe sogar beim Erzbistum und dem Metropolitankapitel für „erschrockene Blicke“ gesorgt, berichtet Schäfer.

Nicht nur zu Weihnachten werden gerne Präsente mit Paderborn-Bezug oder Paderborner Symbolen verschenkt. Neben dem Libori-Pfau findet man dabei ganz oft auch das Drei-Hasen-Motiv wieder: Auf Tassen, Untersetzern, Frühstücksbrettchen, Schlüsselanhängern, Magneten und Notizbüchern sind die drei Hasen zu sehen. Der Wächter über die Verwendung der geschützten Marke ist der Verkehrsverein. Wer das Motiv benutzt, ohne gefragt zu haben, muss sich unter Umständen auf Ärger einstellen. Schäfer betont: „Das hängt aber immer vom konkreten Fall ab. Wer das Drei-Hasen-Motiv für private, nicht-kommerzielle Zwecke nutzen möchte, kann das tun. Man kann seine Wand damit zuhause verzieren, oder es auf Einladungskarten drucken. Dagegen haben wir überhaupt nichts. Es gibt aber immer wieder Produkte, die zum Verkauf angeboten werden, die aus dem ähnlichen Sortimentsbereich kommen, wie die Souvenirs, die wir in der Tourist-Info verkaufen.“

Vor diesem Hintergrund werden all diejenigen, die das Motiv entsprechend verwenden, darauf hingewiesen, dass das so einfach nicht geht. „Für uns wesentlicher ist aber, dass das Zeichen, das durch uns immer mehr zum Symbol für Paderborn geworden ist, nicht in Zusammenhängen auftaucht, die von uns nicht gewünscht sind. Als Beispiel: Wir wollen verhindern, dass es möglicherweise mal einen Drei-Hasen-Saunaclub gibt.“

Zusammen mit einem Marken- und Patentanwalt hat sich der Verkehrsverein insgesamt zehn Warenklassen schützen lassen. „Das bedeutet, dass eine kommerzielle Nutzung mit uns abgesprochen sein muss“, sagt der Tourist-Chef.

Auf den handgerollten Zigarren, die es nur im Tabakhaus von Holger Jestel in der Kisau gibt, sind die Hasen zu sehen. Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass alle drei rauchen. Foto: Ingo Schmitz

Beispiel: Wenn der Lions-Club Drei Hasen das Symbol in seinen Club-Insignien hat, dann ist das kein Problem. Wenn es aber auf dem Glühwein zu sehen ist, den der Club verkauft, dann könnte der Verkehrsverein theoretisch etwas dagegen unternehmen. „Wir haben aktuell eine Duldungsvereinbarung getroffen, dass der Club die Hasen weiter nutzen darf. Solche Duldungen bestehen im übrigen auch mit dem Generalvikariat, dem Erzbistum und dem Metropolitankapitel“, erläutert Karl-Heinz Schäfer.

Diese Duldung sei ganz genau definiert. Nach Ablauf von zehn Jahren werde der Kirche zudem gestattet, sich das Drei-Hasen-Symbol schützen zu lassen. Im Gegenzug werde dem Verkehrsverein gestattet, das Motiv weiter kostenfrei nutzen zu dürfen. Die Zehnjahresfrist läuft im Jahr 2028/29 ab.

Übrigens: Nicht nur der Verkehrsverein hätte die Eintragung beim DPMA erwirken können. Auch die Kirche hätte sich das Motiv schützen lassen können – wie jeder andere auch. Der Verkehrsverein habe letztendlich dafür gesorgt, dass die Rechte in Paderborn verblieben sind und nun nicht Lizenzen an einen Dritten gezahlt werden müssen.

Auch im kommerziellen Bereich gibt es übrigens Duldungen, erklärt Schäfer. Ein Rewe-Markt, der die Hasen auf Taschen drucken lässt, zahle nun „eine moderate, zweistellige Nutzungsgebühr pro Jahr“. Man wolle kein Geld verdienen, aber immerhin habe die Unterschutzstellung den Verkehrsverein einen vierstelligen Betrag gekostet.

Alle dreidimensionalen Darstellungen, künstlerischen Veränderungen und Verfremdungen können weiterhin problemlos verwendet werden. Einer, der davon Gebrauch macht, ist Holger Jestel vom Tabakhaus Mensler in der Kisau. Er hat eine eigene Zigarrenmarke kreiert. Er verkauft handgerollten Zigarren, die in der Dominikanischen Republik hergestellt werden. Der Samen stammt aus Kuba, der Tabak aus der Dominikanischen Republik und das Deckblatt aus Ecuador. Die Hasen auf der Banderole kommen jedoch aus Paderborn. Wer genau hinsieht, entdeckt, dass alle drei Hasen eine Zigarre im Maul haben.

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