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Elmar Lammers, Hans Richter und Manfred Teufer kennen sich seit ihrer Kindheit

Drei Paderborner Jungs halten seit 70 Jahren zusammen

Paderborn

Sie haben sich inmitten des durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Paderborns kennengelernt und sind seit 70 Jahren Freunde. Elmar Lammers, Hans Richter und Manfred Teufer verbindet die Freude am Sport, das Klönen und das Teilen gemeinsamer Erinnerungen. Dazu gehört, dass zwei der Herren als etwa 18-Jährige eine Berühmtheit erlebt haben, die zu den größten Sportlern aller Zeiten gehört.

Von Rajkumar Mukherjee

Eine lebenslange Freundschaft pflegen (von links) Manfred Teufer und Hans Richter (beide 80 Jahre) und Elmar Lammers (79). Foto: Rajkumar Mukherjee

Da müssen Elmar Lammers (79), Hans Richter und Manfred Teufer (beide 80) nicht lange überlegen, welchen Sport sie am liebsten mögen. „Fußball, und wie!“, ruft Lammers. Bei Grün-Weiß Paderborn haben sie gekickt, die jüngste Niederlage des SC Paderborn gegen Arminia Bielefeld müssen sie verkraften.  Mit Sport halten sich Richter (Radtouren), Teufer (Boule) und Lammers (Laufen) nach wie vor fit.

Beim gemeinsamen Frühstück in Elsen plaudern sie über ihre lebenslange Freundschaft. Am Jahnplatz wuchsen sie auf, besuchten gemeinsam die Georgschule an der Rathenaustraße. Bis zum Ende der Volksschulzeit verbrachten sie viel Zeit miteinander. Ein bisschen „Dölmern“ gehörte dazu. „Wir haben Steine auf eine Brandmauer geworfen, bis sie umfiel“, erzählt Lammers. Was heute kaum noch vorstellbar in Deutschland ist – und allenfalls aktuelle Kriegsbilder vermitteln: Es war eine Kindheit inmitten der Zerstörung und des Wiederaufbaus. Unbeschwert wuchsen sie dennoch auf. „Wir kannten es nicht anders“, sagt Lammers. 

In ihren jeweiligen Berufen schafften es die Drei zu Meisterwürden: Lammers ist Werkzeugmachermeister, Richter Industriemeister und Teufer Elektromeister. Lammers arbeitete bei Hella, leitete die Spritzgießerei. Richter war ebenso bei Hella sowie bei Claas und Durisol, zuletzt in der Vermittlung beim Arbeitsamt tätig. Teufer arbeitete bei Hanning Kunststoffe, zuletzt als Anleiter im Jugendamt.  Seit 50 Jahren lebt Lammers in Marsberg-Essentho. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und Enkel. Richter hat mit seiner Gattin ein Kind und ein Enkelkind. Teufer ist ebenso verheiratet und hat ein Kind. Richter und Teufer wohnen seit vielen Jahrzehnten in Elsen. In der Familie Lammers sind sie als Teufers Manni und Hänschen bekannt, wie Lammers Tochter Sarah verrät. 

Berühmten Boxer im Ring erlebt 

Einen weiteren Grundstein für ihre lange Freundschaft legten sie auch mit vielen gemeinsamen Touren – und das schon als Jugendliche. Im Alter von 14/15 Jahren und dem Einverständnis der Eltern radelten sie zusammen bis nach Schweden, mit einer Fährfahrt vom Kontinent aus in den dänischen Fährhafen Gedser. „Und auf der Rückfahrt haben wir ungewollt nahe der Zone gezeltet“, erzählt Richter. Zone meint hier den deutsch-deutschen Grenzbereich zur damaligen DDR. Für Herzklopfen sorgte das Reinleuchten durch Beamte, die den Jungs auch gleich eine kleine Standpauke erteilten.

An einer dreiwöchigen Bustour nahmen Richter und Lammers 1960 in Richtung Rom teil: Als dort damals die Olympischen Spiele stattfanden. Und wen haben sie in einem Vorkampf gesehen? Muhammad Ali (1942 - 2016), der als dreimaliger Weltmeister zu den bedeutendsten Boxern im Schwergewicht der vergangenen Jahrzehnte gehörte. Als Amateur gewann Ali, noch unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay, in Rom die olympische Goldmedaille im Halbschwergewicht. Und „mucksmäuschenstill“ sei es beim 100-Meter-Lauf im Stadion gewesen: als der Deutsche Armin Hary Gold holte. 

Jeden dritten Monat treffen sich die Herren und plaudern. Was die Freundschaft am Leben erhält? „Zum Beispiel die Erinnerung an die Jugend“, sagt Teufer. Und an das, was sie gemeinsam erlebt haben. 

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