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2-Rad Schwede wird 75 Jahre alt – Firmengründer hatte noch Nähmaschinen repariert

E-Bike-Boom macht gute Laune

Paderborn

„Ausgerechnet du hast einen Platten“, sagten die Töchter zu Dietmar Schwede, als sie mit den Rädern auf dem Weg nach Sylt waren. Anders als dem Privatmann ist dem Geschäftsmann Dietmar Schwede in all den Jahren noch nie die Luft ausgegangen.

Von Dietmar Kemper

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Conny Jacobs, Kathrin Haase, Christa Hasse, Markus Spenst, Udo Voß, Dietmar Schwede, Michael Kloppenburg, Max Karczewski und Zoe Sydow (von links) haben sich hinter einem alten und einem topmodernen Rad aufgestellt. Foto: Oliver Schwabe

Das von seinem Vater Johannes 1946 gegründete Fachgeschäft 2-Rad Schwede gibt es jetzt seit 75 Jahren. In dieser Zeit ist beim Radfahren aus einer reinen Fortbewegungsart ein gleichermaßen schweißtreibendes wie komfortables Hobby geworden. Und dass der Betrieb am Frankfurter Weg mit seinen 15 Mitarbeitern in der Zukunft finanziell einen Platten erleidet, ist angesichts des Booms der E-Bikes äußerst unwahrscheinlich.

Umweltfreundliche Mobilität wird von der Politik gefordert und auch von Arbeitgebern in Form von Leasingangeboten gefördert. Nachdem die ersten E-Bikes vor zehn Jahren auf den Markt kamen, boomen sie seit drei Jahren so richtig. „E-Bikes werden immer mehr als Zweitwagen genutzt, zum Beispiel für die Fahrt zur Arbeit“, hat die Geschäftsführerin von 2-Rad Schwede, Christa Hasse, beobachtet. Technisch habe sich viel getan: „Betrug die Reichweite erst nur 40 Kilometer, sind es heute 150 und mehr.“ Fitness, der Ärger über fehlende Parkplätze für Autos und der Umweltgedanke spielten bei der Anschaffung eine Rolle – und nicht zuletzt der Komfort, „weil das Fahren mit dem E-Bike nicht so anstrengend ist und der innere Schweinehund schneller besiegt werden kann“.

Mit E-Bike und Fahrrad sei man in der Stadt heute schneller unterwegs als mit vier Rädern, betont Dietmar Schwede, dem das Geschäft zusammen mit seinem Bruder Hans (82) gehört. Bequemlichkeit spielte 1946 noch keine Rolle, als Paderborn in Trümmern lag und der Mechanikermeister Johannes Schwede in Wewer einen Betrieb für Fahrräder, Motorräder und Nähmaschinen gründete. „Mein Vater war als Mechaniker bekannt und hat den Hausfrauen die Nähmaschinen repariert“, erinnert sich sein Sohn Dietmar (72).

„Wir sind die, die mit Liebe dabei sind und Tradition haben“

Nähmaschinen gibt es bei 2-Rad Schwede heute nicht mehr, dafür neben E-Bikes und Fahrrädern noch Motorräder, Motorroller, Mofas, das passende Zubehör samt Kleidung und natürlich die Ersatzteile. Der Betrieb setzt auf renommierte Marken wie KTM, Hercules, Pegasus, Kettler, Gazelle, Scott und Focus und bei Motorrädern auf Suzuki, Peugeot, Brixton, Niu und Mash.

Mobilität sei nicht nur in der heutigen Zeit „alles“, sagt Dietmar Schwede und ergänzt: „Wir sind die, die mit Liebe dabei sind und Tradition haben.“

Würde er noch leben, würde sich bestimmt auch Johannes Schwede über den 75. Geburtstag freuen. Nach der Gründung des Betriebs eröffnete er 1954 eine Reparaturwerkstatt an der Riemekestraße in Paderborn; einer der ersten, der zum Zweiradmechaniker ausgebildet wurde, war sein Sohn Hans. Der komplette Betrieb zog 1957 von Wewer in das ehemalige Fahrradgeschäft Droste im Riemeke um, und weil das Geschäft danach weiter expandierte, wurde der richtungweisende Entschluss getroffen, sich am Frankfurter Weg niederzulassen. Eröffnung dort war am 4. Oktober 1984.

Als der Frankfurter Weg noch ein Feldweg war

„Das Geschäft im Riemeke platzte aus allen Nähten, der Frankfurter Weg war damals aber noch ein Feldweg“, blickt Dietmar Schwede zurück. Mit der Zeit wurde aus dem Feldweg eine Geschäftsader der Stadt mit Baumärkten, Läden wie dem Dänischen Bettenlager, Autohäusern und Fastfood-Filialen. Dass sich der Handelsstandort außerhalb der City gut entwickelte, dazu trug auch Dietmar Schwede als langjähriger Vorsitzender der Werbegemeinschaft bei. Auf „75 Jahre Liebe zum Fahrrad und zur Mobilität“ ist er stolz – und auch auf die Geschäftszahlen seines Betriebs: „In OWL sind wir beim Umsatz mit in der Spitze.“

Bis zu 2500 Räder hat Schwede auf Lager. Für ein gutes E-Bike sollten Käufer etwa 2000 Euro ausgeben, empfehlen die Experten. E-Mobilität liege auch bei den Motorrollern im Trend, erzählt Christa Hasse: Sie würden zunehmend als E-Roller verkauft. Gefragt sind nach ihren Worten auch die sogenannten Gravel-Räder: Rennräder mit der Bereifung eines Trekkingrades. Außerdem sind demnach auch elektrisch angetriebene Mountainbikes beliebt.

Zweiradbranche profitierte ungewollt von der Corona-Pandemie

Die Zweiradbranche profitierte ungewollt von der Corona-Pandemie. Junge Leute, die sonst Mannschaftssportarten wie Fußball betrieben hätten, seien vermehrt aufs Mountainbike gestiegen, um sich fitzuhalten, weiß Mitarbeiterin Kathrin Haase. Unabhängig von Corona rechnet ihr Chef Dietmar Schwede mit einem Boom bei den Lastenrädern.

Die Geschäftsaussichten sind also rosig – und die Gefahren, beim Ausflug unterwegs liegenzubleiben, dank unplattbarer Reifen gesunken.

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