1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Ein Abend in New Orleans

  8. >

Sazerac Swingers brillieren in Schloß Neuhaus – Unwetter sorgt für ein abruptes Ende

Ein Abend in New Orleans

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB). Beinahe hätte man am Freitag annehmen können, dass direkt hinter den Toren zum Schlosspark in Neuhaus eigentlich New Orleans liegt. Denn durch die Musik und den Stil der Sazerac Swingers fühlte man sich direkt in die Stadt versetzt, die das Herz des Jazz‘ bildet. So entführte die Jazz-Band ihr Publikum in eine andere Welt, in der es von guter Laune und exzellenten musikalischen Darbietungen wimmelte.

Rebecca Borde

Die Sazerac Swingers konnten beim „Paderborner Kultursommer“ voll und ganz überzeugen: Max Oestersötebier (Sänger und Gitarrist), Georg Kirsch­ner (Schlagzeug), Roger Clarke-Johnson (Kontrabass), Jonas Rabener (Tenorsaxophon) und Lars Bechstein (Posaune). Foto: Rebecca Borde

Die Sazerac Swingers präsentierten sich an diesem Abend in einer fünfköpfigen Konstellation, bestehend aus Sänger und Gitarrist Max Oestersötebier, Lars Bechstein an der Posaune, Jonas Rabener am Tenorsaxophon, Georg Kirschner am Schlagzeug und Roger Clarke-Johnson am Kontrabass. Zu Beginn spielte die Band ihren Hit „Smoke that Turkey“. Dies sei eigentlich ein Weihnachtslied, erklärte Oestersötebier, doch man könne es durchaus auch jetzt spielen. Er sollte recht behalten, denn das Publikum zeigte sich bereits nach wenigen Tönen begeistert.

„Wem es gefällt, bleibt sitzen. Bitte nicht mittanzen.“

Im Repertoire der Sazerac Swingers befanden sich ebenfalls Stücke wie „Alligator in my Garden Shed“ oder „The Gumble Song“, bei denen es den Zuschauern äußerst schwer fiel, nicht aufzustehen und zu tanzen. Denn die Anweisungen des Sängers waren deutlich: „Wem es gefällt, bleibt sitzen. Bitte nicht mittanzen.“ Solch paradoxe und gleichzeitig ernstzunehmende Appelle gibt es nur in Zeiten von Corona. Das Publikum fand jedoch schnell eine Lösung und klatschte im Sitzen und bei ausreichendem Abstand begeistert mit. Schließlich agierte es spontan als Hintergrundchor, aber auch hier galt es, „gedämpft in die Taschentücher zu singen“.

Insgesamt bewiesen alle fünf Bandmitglieder an diesem Abend ihr großes Talent, aber zwei Musiker stachen besonders hervor. Es waren Lars Bechstein und Jonas Rabener, die sich mit ihren Blechblasinstrumenten geradezu ein Duell um die besten Soli lieferten.

Ebenfalls einen großen Applaus verdiente sich Sänger Max Oestersötebier, der mit seiner humorvollen Art und seiner Stimme voller Leidenschaft und Herzblut jeden Ton meisterte. Vor allem mit seinem selbstgeschriebenen Song „Ric Flair“, der dem gleichnamigen US-amerikanischem Wrestler gewidmet ist, konnte der Musiker überzeugen. Es handele sich um einen Zusammenschnitt der besten Interviews Flairs, erzählte er. Die Zuschauer sangen begeistert mit, und Oestersötebier freute sich: „Es ist wie früher, nur dass wir uns da noch nicht kannten.“

Publikum flüchtet ins Trockene

Doch den meisten Applaus an diesem Abend bekam die Band für die Vertonung der Edgar-Allan-Poe-Kurzgeschichte „The Cask of Amontillado“. Eine Geschichte voller Rache und Hinterhalte, die durch Posaunensoli und die rauchige Stimme des Sängers eine schaurig-schöne Atmosphäre erzeugte. Angesichts solch grandioser Leistungen zeigten sich die Zuschauer tief traurig, als das Konzert wegen eines Unwetters abgebrochen werden musste. Doch die Band ließ sich nicht beirren. Unermüdlich spielte sie weiter, während ihr Publikum ins Trockene flüchtete. Damit endete das Konzert wie ein verregneter Abend in New Orleans.

Startseite