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Fliesenleger Thomas Albrecht beseitigt Schaden im Badezimmer kostenlos

„Ein Geschenk des Himmels“

Paderborn (WB). Mehr als ein Jahr mussten die schwerbehinderte Hannelore Gerken (67) und ihr Mann Hans (68) auf ihr Badezimmer verzichten. Nur die Gästetoilette mit kleinem Waschbecken stand den Rentnern aus Sennelager zur Verfügung. Grund war der behindertengerechte Umbau des Bades, der sich über Monate zog. Die beauftragte Firma arbeitete erst nur sporadisch, hinterließ eine defekte Abwasserleitung, obwohl sie bereits 14.000 Euro kassiert hatten, erzählt der Hausbesitzer.

Sonja Möller

Fliesenleger Thomas Albrecht (links) hat Hannelore und Hans Gerken geholfen. Foto: Sonja Möller

Erst ein öffentlicher Hilferuf brachte den Gerkens Abhilfe: Fliesenleger Thomas Albrecht aus Schloß Neuhaus behob den Schaden ohne zu zögern – und vor allen Dingen ohne weitere Kosten. „Er ist ein Geschenk des Himmels“, ist Hannelore Gerken noch immer überwältigt.

Handwerker verlangte 10.000 Euro per Vorkasse

Die Tortur begann im Oktober 2018. Hannelore Gerken ist nach einer Nierentransplantation zu hundert Prozent schwerbehindert und hat Pflegegrad 3. Ihr Ehemann wollte das Bad ihren Bedürfnissen anpassen und hatte sich zwei Angebote für einen behindertengerechten Ausbau eingeholt. Er betraute eine Firma aus Schloß Neuhaus mit den Arbeiten. „Sie wollten 10.000 Euro per Vorkasse. Dafür habe ich neben dem Zuschuss der Pflegekasse einen Kredit aufgenommen“, erzählt der Hausbesitzer. Dieses Angebot sei immer noch deutlich günstiger als das andere gewesen. Erst später erfuhr er, dass beide Firmen zusammenhängen.

Die Vorarbeiten mit dem Abbau von Toilette, Dusche und Waschbecken erledigte der 68-Jährige: „Diese Summe sollte später als Gutschrift von der Rechnung abgezogen werden.“ Die Firma begann mit den Arbeiten, die erst Ende Februar abgeschlossen wurden. „Manchmal war zwei Wochen lang kein Arbeiter da. Erklärt wurde mir das mit Krankheitsfällen“, erzählt Hans Gerken.

In dieser Zeit stand den Gerkens nur das Gäste-WC zur Verfügung. „Das war richtig schlimm für mich“, erzählt Hannelore Gerken. Als dann alles fertig war, waren beide glücklich. Doch das Glück hielt nur kurz: 14 Tage später lief Wasser an der Wand unter dem Badezimmer her­unter. „Es gab einen Rückstau in der Abwasserleitung, sobald wir das Waschbecken oder die Dusche benutzt haben“, erzählt Hans Gerken.

Der 68-Jährige schaltete einen Anwalt ein, der mitteilte, dass die Firma insolvent sei. „Ich bin dann in deren Bad­ausstellung und habe den Besitzer gefragt, ob der Schaden behoben wird“, erzählt Hans Gerken. Daraufhin habe dieser ihm mitgeteilt, er müsse erst einen neuen Auftrag vergeben und die Arbeiten seien bestimmt nicht umsonst. Für den Rentner war das wie ein Schlag ins Gesicht: „Ich hatte doch schon 14.000 Euro bezahlt und mir schwirrten die Kosten im Kopf her­um. Ich dachte nur, ich kann nicht noch mehr bezahlen.“

Hilferuf im Internet

Gerkens Tochter Sabrina wollte helfen: „Meine Mama hat so gelitten. Sie konnte sich nur noch behelfsmäßig waschen. Es war ganz schlimm.“ In einem Post bei Facebook beschrieb sie die Tortur ihrer Eltern: „Da beide auf die 70 Jahre zugehen, meine Mutter schwerbehindert ist und die beiden nur Rente beziehen, können sie für die Schadensregulierung keine Mittel aufbringen. Kann jemand helfen oder hat einen Tipp?“

Den Beitrag las Thomas Albrecht: „Mir war sofort klar, dass ich der Familie helfen wollte.“ Der 48-Jährige ist seit 29 Jahren Fliesenleger und hat eine Firma in Schloß Neuhaus: „Ich hatte Mitleid mit den beiden und habe sofort gesagt, ich schaue mir das mal an. Allerdings war ich schon gespannt, was für ein Riesen-Luxus-Badezimmer sich hinter den 14.000 Euro verbirgt. Ich habe gedacht, das muss ein Riesending sein.“ Tatsächlich ist das Bad der Gerkens gerade mal drei mal drei Meter groß und hat maximal 25 Quadratmeter Wandfläche.

Der Fliesenleger sicherte zu, den Schaden kostenlos zu beheben: „Woran der Rückstau lag, konnte ich von außen nicht feststellen. Man kann bei so etwas immer nur Schritt für Schritt vorgehen.“

Handwerker ärgert sich über unseriöse Kollegen

Als Thomas Albrecht einige Tage später tatsächlich wiederkam und anfing, die Duschwanne abzubauen, konnten die Gerkens ihr Glück kaum fassen. Der Fachmann lokalisierte die Verstopfung mit einer Spirale etwa eineinhalb Meter hinter dem Abfluss. Ursache war ein harter Klumpen unter anderem mit Haaren, der die Leitung verstopfte. Thomas Albrecht: „Normalerweise fließt so etwas ab. Aber möglicherweise wurden Kleberreste und Fugenmaterial verbotenerweise über den Abfluss entsorgt und haben alles verklebt“, mutmaßt der Fliesenleger.

Zwei Tage hat die Behebung des Schadens für Thomas Albrecht gedauert. Normalerweise würde das etwa 800 bis 1000 Euro kosten. Für das Ehepaar Gerken hat er die Arbeiten wie zugesagt kostenlos übernommen: „Für mich ist das Ehrensache“, sagt Albrecht. Durch unseriöse Kollegen gerate das gesamt Gewerk in Verruf, ärgert er sich. Er richtete daher auch bei Facebook einen Appell an Handwerker: „Es ist eine Frechheit, dass ältere Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, jetzt abgezockt werden und mit 70 Jahren so alleine gelassen werden. Ihr denkt nur ans Geschäfte machen. Was bedeutet euch Menschlichkeit?“

Thomas Albrecht hat viel mehr bewegt, als nur ein Bad wieder nutzbar zu machen. Hannelore und Hans Gerken sagen: „Er hat uns unsere Lebensqualität zurückgegeben.“

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