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Jugend forscht: Schülerinnen des Gymnasiums Schloß Neuhaus qualifizieren sich für Landesentscheid

„Ein Tabuthema, das keins sein darf“

Paderborn

„Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse“: Diesen Satz aus einem Tampon-Werbespot kennen vermutlich viele noch aus dem Fernsehen. Zwei Schülerinnen des Gymnasiums Schloß Neuhaus wollten es genauer wissen und haben sich für den Schülerwettbewerb „Jugend forscht“ intensiv mit dem vermeintlichen Tabuthema beschäftigt.

Jörn Hannemann

Lorena Kamp (links) und Felicitas Brennholt haben für „Jugend forscht“ ein vermeintliches Tabuthema aufgegriffen – und damit gewonnen. Mit einem ersten Platz zum Thema „Tampons – eine mehrdimensionale Untersuchungsreihe“ gewannen sie in der Kategorie „Schüler experimentieren“ Foto: Jörn Hannemann

Mit beachtlichem Erfolg: Felicitas Brennholt und Lorena Kamp haben in der Kategorie „Schüler experimentieren“, der Junior-Sparte von „Jugend forscht“, den ersten Platz belegt und sich damit direkt für den diesjährigen Landeswettbewerb in Essen qualifiziert.

Mit ihrem Projekt „Der Tampon – eine mehrdimensionale Untersuchungsreihe“ haben sie die Fachjury im Heinz-Nixdorf-Museumsforum klar überzeugt. „Von dem Gewinn sind wir selbst überrascht. Unser Ziel war es eigentlich nur, das Thema aus der Tabuzone zu holen“, betonen die beiden 14-Jährigen selbstbewusst.

Auch ihre Betreuungslehrerin Ingrid Löcke ist des Lobes voll: „Die beiden haben das Thema sehr vielseitig betrachtet: von der Geschichte der Monatshygiene über die gesellschaftliche Akzeptanz bis hin zu politischen und wirtschaftlichen Aspekten.“ Als Beleg dafür, dass Politik von Männern bestimmt werde, werteten sie, dass Tampons erst seit Anfang des vergangenen Jahres nicht mehr als Luxus-Produkt eingestuft und entsprechend besteuert werden.

Für eine Rangliste verglichen sie stichprobenartig 14 Produkte verschiedener Marken, unter anderem auf Saugfähigkeit, Reißfestigkeit und Materialien. Verwundert mussten sie feststellen, dass es seit vielen Jahren keine professionellen Vergleichstests namhafter Testzeitschriften oder Institutionen mehr gegeben habe. Auch Nachweise über die Umweltverträglichkeit von Tampons vermissten die beiden auf den Internetseiten der Hersteller. „Das ist insoweit wichtig, weil die Rohstoffe für die Herstellung unter ökologisch und gesellschaftlich bedenklichen Bedingungen gewonnen werden und mit Ausnahme einiger weniger Bio-Produkte bis 500 Jahre benötigen, um zu verrotten“, betonen Felicitas und Lorena. „Tampons sind also kein rein weibliches Problem, sondern geht uns alle an und darf kein Tabuthema sein.“

Unter den 14 getesteten Tampon-Produkten landete in ihrem Vergleichstest übrigens der Marktführer mit „o.b. Original“ auf Platz eins. „Aber auch drei Einzelhandelsmarken waren unter den Top 5“, berichtet Felicitas Brennholt.

Ein Jahr lang haben die beiden 14-Jährigen für ihr Projekt recherchiert, experimentiert, dokumentiert und getestet. „Je länger wir uns mit dem Thema beschäftigten, umso mehr stellten wir fest, wie viele Fragezeichen es bei gesellschaftlicher und auch ökologischer Betrachtung gibt. Außerdem wurde uns immer stärker bewusst, wie sehr Tampons bei beiden Geschlechtern immer noch ein Tabuthema sind – trotz TV-Werbung und Behandlung als Unterrichtsthema.“

Anfangs hätten die Mitschüler schon etwas verwundert geschaut, als die beiden für das Schulprojekt mit einer großen Kiste voller Tampons in die Schule kamen, erzählen die beiden. „Mittlerweile sind alle aber stolz, dass wir für die Schule den ersten Platz gewonnen haben.“ Die Schule stellte, wie berichtet, vier der fünf Preisträger aus dem Kreis Paderborn, darunter auch einen dritten Platz. Ihre Forschungen zu dem Thema wollen sie fortsetzen. Bis zum Landeswettbewerb am 7. und 8. Mai sind auch noch einige Wochen Zeit.

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