Kleine Sensation am Paderborner Dom: Erstes Wanderfalken-Paar erwartet Nachwuchs

„Ein Zeichen der Hoffnung“

Paderborn (WB). Auch wenn an diesen Osterfeiertagen im Paderborner Dom kaum Leben stattfindet, so bietet er doch weiterhin Platz zum Leben: Erstmals seit Jahrzehnten brütet im Turm ein Wanderfalkenpaar.

Ingo Schmitz

Der Wanderfalke ist am Paderborner Dom eingezogen und wartet nun auf den Nachwuchs. Er ist auch an dem markanten Ruf zu erkennen. Die installierte Livecam im Nest befindet sich in 50 Metern Höhe in der Nähe der Schallarkaden in Richtung Westen. Foto: Jochen Roth

Dompropst Monsignore Joachim Göbel ist begeistert: „Ich freue mich sehr zum Osterfest über das neue Leben im Turm. Dass dort jetzt drei Eier bebrütet werden, passt sehr gut zu Ostern. In der verrückt-depressiven Stimmung, die auf der gesamten Stadt lastet, ist das ein hoffnungsvolles Zeichen: Wir schauen nach vorne, auf die Zukunft und auf das Aufziehen der Brut.“ Und das kann übrigens jeder live mitverfolgen: Im Nest ist eine Livecam eingebaut.

Aufnahmen in großer Entfernung

Zwei Paderborner beobachten die Wanderfalken ganz besonders: Der Hobbyfotograf Jochen Roth (51) und Hobby-Ornithologe Thomas Benkel vom Naturwissenschaftlichen Verein Paderborn. Roth wohnt am Stadelhof. Seit Jahren befasst er sich mit der Naturfotografie. „Wenn wir im Garten gesessen haben, haben wir die Falken rufen gehört. Sie sind ums Gierstor gekreist. Wir haben sie dann zu Fuß verfolgt und haben gesehen, wie sie sich am Dom niedergelassen haben.“ Das erste mal war das vor acht Jahren. Anfangs wurde nur mit dem Fernglas beobachtet, dann kam die Fotografie hinzu. Inzwischen hat sich Roth eine Kamera gekauft, die auch Aufnahmen in der Natur in großer Entfernung ermöglicht. „Damit kann ich freitags sehen, wer samstags zu Besuch kommt“, sagt Roth und lacht. Also ideale Voraussetzungen, um den Greifvogel im Flug zu verfolgen.

In den sozialen Medien ist das Falkenpaar inzwischen ein Hit

In den sozialen Medien ist das Falkenpaar inzwischen ein Hit. Rund 4000 Menschen schauen regelmäßig im Nest vorbei. Besonders groß war die Freude, als die Falken-Mama das erste Ei gelegt hatte. Allerdings machten sich viele Sorgen, warum sie scheinbar völlig unbeholfen das Ei immer wieder durch das Nest schob. Dafür hat Hobbyornithologe Thomas Benkel eine ganz einfache Erklärung: „Die Eier müssen bewegt werden, damit sich das Ei nicht in eine Richtung absetzt.“ Alle zwei Tage hat die Falkenmama ein Ei gelegt. „Ab dem dritten Ei fängt das Bebrüten an“, klärt Benkel auf. 30 Tage dauert es dann, bis das erste Küken schlüpft, vorausgesetzt die Eier sind befruchtet.

Eiablage ist eine Sensation für Paderborn

„Es ist eine Sensation für Paderborn, dass wir eine Eiablage haben. Das hat es hier noch nie seit 1850 nachgewiesener Maßen gegeben“, hat Benkel über den naturwissenschaftlichen Verein herausgefunden. In der Tat gab es schon im vergangenen Jahr ein Wanderfalkenpaar, das aber ohne Nachwuchs blieb. Auch in diesem Jahr sind die Paderborner Wanderfalken etwas spät dran, denn in Aachen und Nürnberg sei bereits Schlupftermin. Dass liege, so Benkel, daran, dass sich das Weibchen erst sehr spät am Paderborner Dom eingefunden habe und es noch Revierkämpfe mit so genannten Störfalken gegeben habe.

Übrigens: Der Dom hat sein eigenes Ökosystem. Neben Wanderfalken leben hier unter anderem auch Turmfalken, Fledermäuse und Bienen.

Mehr Informationen sowie Livecam unter: https://www.dom-paderborn.de/Wanderfalken

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