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Abschied von Musica sacra in der Paderborner Abdinghofkirche

Eine Offenbarung

Paderborn (WB). Unter dem Motto »Das Singen der Seele« hat die Festspielgesellschaft Paderborn am Sonntag ein bewegendes Abschlusskonzert in der voll besetzten Abdinghofkirche veranstaltet.

Hermann Knaup

Alle Mitwirkenden wie auch die Zuhörer in der Paderhalle singen Beethovens »Freude, schöner Götterfunken«. Foto:

Anlässlich des 100. Todestages des Komponisten Anton Bruckner realisierten 1996 die Paderborner Konzertensembles eine gemeinsame Bruckner-Festwoche, die damals große, nachhaltige Resonanz fand und die Kulturpolitik der Stadt zu einem Biennale-Festival inspirierte.

Im September 1999 fiel der Startschuss

So fand bereits im September 1999 unter der bewährten Intendanz von Professor Gerhard Ortner die erste viel beachtete Veranstaltungsreihe von Musica sacra in Paderborn statt. Viele renommierte Künstler und Ensembles wie der Arnold-Schönberg-Chor, das Hilliard-Ensemble, Jazz-Posaunist Albert Mangelsdorff und andere konnten über Jahrzehnte für das Projekt gewonnen werden.

Zahlreiche Höhepunkte ließ Paderborns ehemaliger Bürgermeister Heinz Paus in seiner Begrüßungsrede Revue passieren, erinnerte würdevoll an den im Januar verstorbenen Abdinghofkantor Martin Hoffmann, dankte allen Organisatoren und Mitwirkenden für ihr Engagement und hob die Bedeutung des Musikfestivals für das Kulturleben der Stadt hervor.

»Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf«

Der gut einstudierte Projektchor der Abdinghofkantorei sang anschließend die achtstimmige Bach-Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf«. Zwischen den musikalischen Darbietungen rezitierte Kerstin Westphal meditative Texte von Erich Rentrow. Es schloss sich der 1. Satz aus dem »Rosamunde-Quartett« von Franz Schubert an, überzeugend dargeboten vom Arminio-Streichquartett.

Das Quintessence Saxophone Quintet interpretierte die »Toccata & Funk & Choral« in einer atemberaubenden Bearbeitung des beliebten Bachschen Orgelwerkes von Uli Lettermann. Dieses Arrangement nutzt viel interpretatorischen Freiraum, zeigt aber auch Bachs ungeheures musikalisches Potential auf und wahrt dabei durchweg den gebührenden Respekt vor dem Original.

Aufhorchen ließ auch eine Percussion-Improvisation über ein armenisches Volkslied, atemberaubend zelebriert von Ruven Ruppik. Im folgenden Arioso aus dem Cembalokonzert Nr. 5 von Johann Sebastian Bach brillierte Uli Lettermann als Solist. Das Ensemble spielte werkgetreu und doch gelang es dem Solisten, spieltechnisch und dezent einen kongenialen Hauch von »Soul« anzudeuten.

Bruckner zum Abschluss

Gab die Bruckner-Festwoche von 1996 einen anfänglichen Impuls, so erklangen am Ende dieses Abschiedskonzertes zwei bedeutende Gradual-Motetten von Anton Bruckner: »Os justi« und »Locus iste«. Eine stilvolle Reminiszenz! Der Projektchor ließ diese Meisterwerke der Chormusik aus der Tiefe des Chorraumes erklingen, was die Mystik dieser grandiosen Musik intensivierte.

Lettermanns spezielle Version von Beethovens »Götterfunke«

Eine von Uli Lettermann für diesen Anlass eigens bearbeitete Version von Beethovens »Freude, schöner Götterfunken«, gemeinsam gesungen von Chor und Konzertbesuchern, beendete ein Konzert, das dem »Singen der Seele« als Motto zugeschrieben wurde und lang anhaltenden Beifall erhielt. So mag Beethovens Erkenntnis zutreffen: »Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.«

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