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Kunstverein Paderborn setzt auf QR-Code und Videofilm

Eine Schau im Fenster und Internet

Paderborn

Es ist wahrlich ein Jammer! Die Ausstellung „Sack voll Knochen“ von Susanne Ring im Kunstverein Paderborn hätte viele Besucher verdient.

Dietmar Kemper

Als Kunstvereinsvorsitzende kann Alexandra Sucrow den Figuren von Susanne Ring ganz nahe kommen. Der Öffentlichkeit ist der Zutritt verwehrt. Foto: Oliver Schwabe

Aber wegen des Coronavirus sind die Räume am Kamp geschlossen. Kunstfreunde könnten sich an der Schaufensterscheibe die Nase platt drücken, um einige Exponate zu sehen, aber das wäre kein Ersatz.

Deshalb geht der Kunstverein neue Wege. Er hat zwar die Objekte im Ausstellungsraum belassen, aber gleichzeitig einen zehnminütigen Film über die Ausstellung produziert, der auf der Internetseite (www.kunstverein-paderborn.de) abgerufen werden kann. Seit Freitag ist außerdem ein QR-Code im Eingangsbereich angebracht. „Jeder kann ihn einscannen und hört dann die Einführung“, sagt die Vorsitzende des Kunstvereins, Alexandra Sucrow. Die Einführung stammt von dem Kulturkritiker der „Osnabrücker Zeitung“ Stefan Lüddemann.

Das Zuhören und Zusehen lohnt sich. Susanne Ring beschäftigt sich seit langem mit Ton, und aus dem ursprünglichen Material formt sie Menschenfiguren. Ihre Art von Skulpturen sind hohle Gefäße, in die man hineinschauen kann. „Susanne Ring legt den Fokus auf den zum Beispiel mit Geist zu füllenden Körper und nicht auf die Außenansicht“, sagt Alexandra Sucrow.

Mit ihren Hüllen setze sie ein Gegengewicht zu der in der Werbung und den Model-Shows im Fernsehen vorherrschenden Konzentration auf Schönheit. Die Figuren von Susanne Ring seien nicht makellos, sondern asymmetrisch, nicht homogen, aber dafür jeweils einzigartig statt austausch- und verwechselbar, hat Alexandra Sucrow beobachtet.

Die Künstlerin Susanne Ring ist Professorin an der Fachhochschule Bielefeld im Fachbereich Sozialwesen Kunst und Ästhetik und unterrichtet in pädagogischen und sozialen Handlungsfeldern mit dem Schwerpunkt Bildende Kunst. Sie hat nur natürliche Materialien wie Stoff und Federn verwendet und blässliche, gedeckte Farben eingesetzt. Neben den 18 Skulpturen sind 23 Bilder von ihr zu sehen, die unter anderem moderne Blumen-Stillleben zeigen.

Ursprünglich sollte die Schau bis zum 10. Januar laufen. Aber weil der Teillockdown ebenfalls mindestens bis zum 10. Januar verlängert wurde, wird es keine Möglichkeit geben, sie direkt im Kunstverein (Kamp 13) anzuschauen. Die nächste Ausstellung mit Werken des Paderborner Universitätsprofessors für Malerei, Max Schulze, soll am 23. Januar beginnen, könnte aber eventuell verschoben werden, um Susanne Rings „Sack voll Knochen“ länger zeigen zu können. Aber für den 20. März ist schon die Eröffnung der nächsten Ausstellung mit Arbeiten von Angelika Flaig und Sibylle Möndel geplant. In diesem Fall ist es wegen des Coronavirus schon der zweite Versuch. „Jetzt kommen wir langsam etwas in Bedrängnis“, räumt Alexandra Sucrow ein.

Abgesehen von Terminnot steht die Existenz des Kunstvereins aber nicht auf dem Spiel. Die Stadt fördert den gemeinnützigen Verein finanziell, umgekehrt hilft der Künstlern, wo er kann. „In diesem Jahr werden wir unsere Jahresgaben online anbieten“, kündigt Alexandra Sucrow an.

Paderborner Künstler könnten ihre Werke als Fotos samt Preis im Internet einstellen und Mitglieder des Vereins und andere Freunde der Kunst sie ab der nächsten Woche bis Mitte Januar kaufen. Dass auch „Geisterausstellungen“ (Sucrow) Wirkung zeigen, beweist das Beispiel „Sack voll Knochen“. Alexandra Sucrow erzählt: „Eine Frau hat durchs Schaufenster eine Figur gesehen und beim Kunstverein nachgefragt, was sie kostet.“

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