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Vorführungen an der Kaiserpfalz locken mehr als 1000 Besucher an

Eisenherstellung wie bei Kaiser Karl

Paderborn (WB). Man soll das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Die Bedeutung dieser Redewendung ist am Wochenende im Schatten der Kaiserpfalz eindrucksvoll vor Augen geführt worden.

Ingo Schmitz

Der glühende Klumpen wird mit Hammerschlägen verdichtet. Für (von links) Matthias Fischer, Till Lodemann und Reinhard Klempp ist die Arbeit mit dem schweren Werkzeug eine schweißtreibende Angelegenheit. Foto: Ingo Schmitz

Dicke Handschuhe, Lederschürze, Schutzbrille und dazu ein Rennofen mit 1200 Grad Hitze: Das Experiment zur Eisengewinnung wie Anno dazumal ist am Wochenende eine schweißtreibende Angelegenheit gewesen. Mehr als 1000 Zuschauer ließen sich erläutern, wie in der Zeit von Kaiser Karl dem Großen um 800 nach Christus Eisen gewonnen wurde. Klar, dass gerade für Kinder das feurige Schauspiel eine magische Anziehungskraft hatte.

Funkensprühendes Stück Metall

Regelmäßig wechselte sich der Nachwuchs ab, um die Blasebalge zu betätigen. Bernhard und Frederik erwiesen sich dabei als besonders ausdauernd: »Das ist gar nicht so schwer«, stellten die beiden Jungs tapfer fest. Mit dem Doppelkammerbalg wurde ein Kohlenfeuer angefacht, in dem die Luppe – ein Zwischenprodukt der Eisenverhüttung – zum Glühen gebracht wurde. Danach wurde das unförmige, funkensprühende Stück Metall mit schweren Hämmern bearbeitet – oder, wie der Experte es ausdrückt, verdichtet. Dabei kamen Matthias Fischer, Till Lodemann und Reinhard Klempp ziemlich aus der Puste.

Die drei betreiben die Herstellung von Eisen im Rennofen zusammen mit Bernhard Reepen als Hobby. Sie gehören dem Heimatverein des Sachsenhofes Greven bei Münster an. Ein Rennofen ist ein vergängliches Werk: Nach jeder Eisenherstellung wird er zerstört. Für Bernhard Reepen war es der 65. Ofen, den er in den vergangenen 20 Jahren errichtet hat. Die Vorführungen fanden im Rahmen der Sonderausstellung »Lost Places – vergessene Siedlungen im Paderborner Osten« statt. Die Ausstellung wird bis 1. Dezember in der Kaiserpfalz gezeigt.

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