Sonntagsmusik: Bibers einzigartige Rosenkranzsonaten erklingen im Paderborner Dom

Erfolgreiches Konzept in schwierigen Zeiten

Paderborn (WB). Ein Barockkonzert der Extraklasse widmeten Musiker im Rahmen der erfolgreichen „Sonntagsmusik“ dem Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704).

Hermann Knaup

Die Mitglieder des Barockorchesters L’Arco erhielten im Hohen Dom zu Paderborn großen Applaus vom Publikum (von links): Yo Hirano (Orgel), Barbara Hofmann (Viola da Gamba), Dennis Götte (Laute) und Orchesterleiter Christoph Heidemann (Barockvioline). Foto: Hermann Knaup

Domkapellmeister Thomas Berning erinnerte in seiner Begrüßung an die bisherigen, gelungenen Veranstaltungen, mit denen in der Corona-Krise das musikalische Geschehen partiell aufrecht erhalten wurde, in denen man Raritäten aus dem kammermusikalischen Repertoire der Kirchenmusik präsentieren und mit denen man auch Musikerfreunden solidarisch Gelegenheiten bieten wollte, in öffentlichen Konzerten aufzutreten. Dementsprechend begrüßte Thomas Berning ein Instrumentalisten-Quartett des in Hannover ansässigen, renommierten Barockensembles L‘Arco. Dieses Barockorchester konnte in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Domkonzerten mitwirken.

Unter der Leitung von Christoph Heidemann (Barockvioline) führte das Quartett selten zu hörende Kompositionen der Barockzeit auf. Im Mittelpunkt standen, passend zum Rosenkranzmonat Oktober, vier Sonaten aus den Rosenkranzsonaten von Ignaz Franz Biber. Biber hatte zu den 15 Mysterien des Rosenkranzes einen 15teiligen Sonatenzyklus für Violine und Basso Continuo mit einer abschließenden Solo-Passacaglia komponiert.

Dieses phänomenale Werk dürfte einzigartig sein, denn die meisten dieser Sonaten werden nicht in der für die Geige gängigen Stimmung der Saiten gespielt, sondern für jede Sonate muss das Soloinstrument gesondert und abweichend von der Quinten-Intonation eingestellt werden. Diese eher seltene Praxis der Stimmung von Saiteninstrumenten wird als „Skordatur“ bezeichnet. Dadurch werden unter anderem erweiterte Akkordgriffe sowie Tonskalen möglich. Obendrein lässt sich dadurch auch die Klangfarbe von Instrumenten verändern. Biber erreicht mit dieser interessanten Spieltechnik eine differenziertere, musikalische Charakteristik der Rosenkranzmystik.

Christoph Heidemann interpretierte die Sonaten 1 (Verkündigung), 2 (Mariae Besuch bei Elisabeth), 6 (Jesus am Ölberg) und 10 (Kreuzigung Jesu) virtuos brillant. Souverän meisterte er die geänderten Saiten-Intonationen bei den Sonaten Nr. 2 und Nr. 6. Atemberaubend schnelle Läufe im Wechsel mit meditierend langsamen Passagen, Akkordbrechungen und nuancierende Spielweisen erweckten beim Hören biblische Assoziationen, welche die Musik zur marianischen „Leben-Jesu-Meditation“ werden ließen.

Zwischen den Sonaten spielten die Musiker stilgemäß Solowerke anderer Barockkomponisten. So interpretierte die Organistin Yo Hirano die „Toccata in C für Orgel“ von Girolamo Frescobaldi auf der Truhenorgel des Domes. Barbara Hofmann spielte die Suite für Viola da Gamba eines unbekannten Meisters, und Dennis Götte stellte ebenfalls mit einer Suite von Nicolas Vallert das vielseitige Klangspektrum der Laute vor. Auch hier erwiesen sich die Musiker des L’Arco – Orchesters als großartige und erfahrene Experten der barocken Tonkunst. Sie demonstrierten zugleich die farbige und scheinbar unerschöpfliche Vielfalt barocker Musik und barocken Musizierens.

Für diese engagierte und gekonnte Darbietung derart interessanter Musikwerke gab es den dankbaren Beifall der beeindruckten Konzertbesucher.

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