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Landgericht verhängt Bewährungsstrafe gegen übergriffigen Verehrer

Erst Filmchen, dann Sex gefordert

Paderborn  (WB). Handy gezückt und fotografiert oder gefilmt – das gehört heute zum Alltag, besonders bei Jugendlichen. Die Überschreitung von Grenzen der Freizügigkeit inbegriffen. Kommt dann noch die in Internet und Sozialen Medien leicht machbare Anonymität dazu, kann es gefährlich werden. Einen solchen Fall hat das Landgericht Paderborn jetzt verhandelt – und einen 32-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ulrich Pfaff

Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die Sache spielte sich in einer Flüchtlingsunterkunft in Paderborn ab. Dort lebte eine Familie aus dem Kosovo, deren jetzt 16 Jahre alte Tochter das Interesse eines Mitbewohners weckte. Der Afghane war allerdings deutlich älter, was jedoch dem Aufbau einer Art Freundschaft zunächst keinen Abbruch tat. Das Mädchen besuchte den älteren Mann häufig in seinem Zimmer, ebenso seine Schwestern. Allerdings zog der jetzt 32 Jahre alte Mitbewohner daraus wohl den falschen Schluss, das Mädchen würde sein Liebes-Interesse erwidern.

Im Jahr 2017 sollte es so zwei Mal zu sexuell motivierten Übergriffen auf die damals 14-Jährige gekommen sein: Der Angeklagte habe das Mädchen geküsst und angefasst, beides gegen dessen Willen. Immerhin soll die heftige Gegenwehr dazu geführt haben, dass der 32-Jährige zunächst die Finger bei sich ließ –­ aber dann später einen anderen, perfideren Weg suchte, dem Mädchen näherzukommen.

Mädchen habe große Angst vor ihren Eltern gehabt

Im Frühjahr 2018 soll er per WhatsApp als eine ganz andere Person in Kontakt mit dem Mädchen getreten sein: als gleichaltriger Junge, der allenfalls platonische Interessen verfolge. Dennoch animierte der Angeklagte wohl die 14-Jährige dazu, freizügige Fotos, später auch sexuell orientierte Filmchen von sich aufzunehmen und ihm zu schicken. Eine Sozialarbeiterin, die als Zeugin vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts aussagte, bemerkte, das Mädchen habe große Angst vor ihren Eltern gehabt. Es sei deshalb auf die Forderung des Angeklagten eingegangen, ihm weiteres Foto- und Filmmaterial zu schicken – weil er drohte, sie zu verpetzen. Erst als er dann auch echten Sex erpressen wollte, offenbarte sich die 14-Jährige der Sozialarbeiterin, die wiederum die Polizei einschaltete.

Verteidiger Franz Zacharias schlug der Kammer und Staatsanwältin Melek Topkaya erfolgreich eine Verständigung vor, auch um dem psychisch stark belasteten Mädchen eine Aussage zu ersparen. Der Angeklagte gestand die Vorwürfe, unter anderem des Verschaffens jugendpornografischer Schriften und der sexuellen Nötigung: Es sei alles so geschehen, wie es in der Anklage stehe, ließ er Zacharias erklären. Im Ergebnis der Verständigung verkündete Vorsitzender Richter Eric Schülke eine zweijährige Bewährungsstrafe, verbunden mit einer Zahlung von 1500 Euro an eine Frauenberatungsstelle und einem Kontaktverbot zu der 16-Jährigen.

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