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Entscheidung des Papstes zur Aufarbeitung von Missbrauchsverdachtsfällen begrüßt

Erzbistum sieht sich bestätigt

Paderborn (WB/tho/epd). Im Erzbistum Paderborn befassen sich derzeit vier Kräfte mit der Aufarbeitung von Verdachtsfällen bezüglich sexuellem Missbrauch. Zum neuen Jahr soll eine weitere Person dazukommen, wie Pressesprecher Benjamin Krysmann sagte. Im Erzbistum handle man ganz im Sinne der neuen „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“. Dazu sei auch eine entsprechende Personalausstattung erforderlich.

Der Dom in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die in dieser Woche vom Vatikan bekannt gegebene Abschaffung des päpstlichen Geheimnisses für Missbrauchsfälle werde sich in der Praxis vor Ort kaum auswirken, weil man in Deutschland hier schon weit sei. Vielmehr bestätige die Entscheidung des Papstes den Weg der deutschen Bischöfe, sagte Krysmann.

Vom 1. Januar 2020 an dürfen alle kirchlichen Behörden Akten über Missbrauchsfälle herausgeben, wenn sie von staatlicher Seite dazu aufgefordert werden. Der Papst kam mit den Neuerungen Forderungen entgegen, die im vergangenen Februar beim Gipfeltreffen im Vatikan über Missbrauch in der Kirche gestellt worden waren. In diesem Zusammenhang ordnete er auch an, dass künftig Laien bei kirchlichen Missbrauchsprozessen als Anwälte auftreten können, sofern sie Kirchenrecht studiert haben.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, begrüßte die in Rom in Kraft getretene Instruktion: „Die Instruktion ist der richtige Schritt in einem langen Prozess der Kirche, der von vielen Seiten als notwendig angesehen wurde.“ Die Entscheidung sei wichtig für eine größere Transparenz und für die verbesserte Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller nannte die Abschaffung des päpstlichen Geheimnisses für Missbrauchsfälle eine „epochale Entscheidung“. Betroffene sexuellen Missbrauchs könnten in Zukunft von der Neuregelung profitieren. Die Fälle seien zwar in der Regel kirchenrechtlich und strafrechtlich verjährt. Aber es erweitere die Möglichkeiten der Betroffenen, Entschädigungen zu bekommen. Es erleichtere den staatlichen Behörden in aktuellen Fällen die Verfolgung solcher Straftaten natürlich ungemein, sagte Schüller. Kein Bischof und keine bischöfliche Behörde könne sich mehr mit dem Verweis auf das päpstliche Geheimnis davon ausnehmen, mit dem Staat zusammenzuarbeiten. Er sprach von einer „substanziellen, positiven Veränderung“. Schüller ist Professor für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er hat zudem jahrelang als Ansprechpartner im Bistum Limburg mit Betroffenen sexueller Gewalt gearbeitet.

Der Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, hatte die Entscheidung als „großen symbolischen Akt“ bezeichnet. Er betonte, es gebe keine Ausreden mehr. Vermutlich werde es aber dauern, bis dieser Schritt in den Bistümern vor Ort umgesetzt werde, also die Archive geöffnet würden, um Akten etwa für Entschädigungsprozesse zur Verfügung zu stellen. Auch im Vatikan könnten Tausende Akten der Aufarbeitung zugänglich gemacht werden, sagte er. Natürlich müsse man abwarten, wie die Bischöfe weltweit nun damit umgehen,

In Deutschland will die katholische Kirche im kommenden Jahr die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle intensivieren. Ausgehend von der umfangreichen Studie von 2018 zum Missbrauch in der Kirche müssten als nächstes „plausible Summen“ an Entschädigungsleistungen gefunden werden, hatte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gesagt. Die bisherige Praxis reiche nicht aus, die Opfer bräuchten eine „bessere Anerkennung des Leids“. Deshalb müsse die Kirche ein stärkeres Zeichen setzen. Erst wenn die Entschädigungssummen „einigermaßen plausibilisiert“ seien, könne man über die Finanzierung reden. Nötig ist dem Kardinal zufolge auch eine Modifizierung des Kirchenrechts. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, bei der die kritischen Punkte nicht ausgeblendet werden dürfen, könne nicht von oben angeordnet werden, sondern laufe in den einzelnen katholischen Bistümern unterschiedlich, sagte Marx. Am Ende dieser Prozesse solle dann aber ein gemeinsames Vorgehen stehen.

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