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Dr. Klaus Schröder (Grüne) will gute Radwege, Klimaschutz und großstädtisches Leben

„Es braucht einen Plan für die Zukunft“

Paderborn (WB). Er sagt „Nein“ zum Flughafen, sagt „Ja“ zum Neubau der Stadtverwaltung und ist für seine provokanten Bemerkungen als stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Paderborner Stadtrat bekannt. Dr. Klaus Schröder (51) ist der Herausforderer. Von ihm stammt die Aussage: „Wenn in 20 Jahren das einzig Schöne an Paderborn das Konto ist, dann haben wir etwas falsch gemacht.“ Wo würde Schröder als Bürgermeister investieren? Doch vor der Wahl steht der Wahlkampf. Anders als Amtsinhaber Michael Dreier fehlt es dem Grünen an Bekanntheit. Immerhin: Beim Straßenwahlkampf am Parteistand hätten ihn bereits viele mit Namen angesprochen.

Ingo Schmitz

„Wir schieben viele Projekte ewig vor uns her“, kritisiert Klaus Schröder die CDU. Am Bau der Stadtverwaltung will er trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie festhalten. Die Infrastruktur für Radfahrer hält Schröder nach wie vor für unbefriedigend.

Klima und Radverkehr

Im September 2019 hat der Rat beschlossen, bis 2035 klimaneu­tral zu sein. Schröder hat den Eindruck, dass es nicht so richtig vorwärts geht. „Die Liste, wie das Budget investiert werden soll, ist uns im April vorgelegt worden. Das, was wir da gesehen haben, war ziemlich arm. Eine Schlammpumpenerneuerung ein Jahr vorzuziehen, ist kein wirklicher Klimabeitrag. Es bleibt das Gefühl, dass der Bürgermeister nicht mit dem nötigen Nachdruck daran gearbeitet hat. Das ist das Gleiche, wie an anderen Stellen auch.“ Bei der pauschalen Aussage belässt er es nicht: Seine Kritik zielt in Richtung Radverkehr. „Es ist einiges an Farbe auf die Straßen gekommen. Das wird es aber nicht rausreißen. Wir müssen damit anfangen, deutlich sichere Wege zu bauen. Es liegt mir sehr am Herzen, dass unsere Kinder sich sicher mit dem Rad durch die Stadt bewegen können.“ Sein Ziel sei es, die Elterntaxis zu reduzieren. „Wir müssen erreichen, dass die Paderborner so viele Strecken wie möglich mit dem Rad zurücklegen. Dafür braucht es eine gute Infrastruktur. Das, was an der neuen ZOH an der Westernmauer sowie am Bahnhof als Radverkehrsführung geplant ist, zeigt nicht, dass man sich Mühe gibt, besser zu werden.“

Die Grünen hatten bis zum Schluss die Planung am Bahnhof abgelehnt. Aber einen Verbesserungsvorschlag hatten sie auch nicht geliefert. Warum haben die Grünen nicht vorgeschlagen, eine der vier Pkw-Spuren für die Radfahrer zu opfern? Fehlte etwa der Mut? „Es wäre besser gewesen, mehr vom Vorplatz übrig zu lassen. Nun wollen wir abwarten. Meine Erwartung ist, dass es nicht funktionieren wird. Dann bleibt vermutlich nur die Möglichkeit, eine der vier Autospuren zu nehmen.“

Wenn es ums Klima geht, nimmt Schröder auch die Bürger in die Pflicht. Immobilienbesitzer seien aufgerufen, die Dächer mit Photovoltaik auszustatten. Dabei könnten die Stadtwerke mit einem Contracting-Angebot diejenigen unterstützen, die nicht selbst investieren wollen oder können. Die Stadtwerke trügen das Risiko und der Eigentümer bekäme einen Teil Strom.

Neubau Stadtverwaltung

„Was glaubt eigentlich der Bürgermeister, wo wir da stehen?“, fragt Schröder. Der Bewerber der Grünen hält es für ein fatales Signal, „alles wegen Corona aufzuhalten. Das ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen.“ Die Grünen stünden nach der Bürgerbeteiligung („die einiges gebracht hat“) weiterhin zu den Neubau-Beschlüssen – auch in der Dimension. Angesichts des Personalwachstums der Verwaltung werde es keinen Leerstand geben. Außerdem sei das Gebäude so konzipiert, dass Teile davon an Dritte vermietet werden können.

Investitionen

„Wir schieben viele Projekte ewig vor uns her“, bemängelt Schröder. Rathauskeller, Maspernhalle, Adam-und-Eva-Haus: „Wir suchen nach der Superlösung und versäumen es dabei, einfach mal eine Zweidrittel-Lösung hinzubekommen. Stattdessen sind Gebäude wie das Adam-und-Eva-Haus ungenutzt.“ Dass Paderborn weniger Schulden habe als andere Kommunen, liege vor allem an den unerledigten Aufgaben. Bei Schulen und Kitas laufe es gut – an vielen anderen Stellen gebe es aber aus seiner Sicht Investitionsstau. Oftmals fehle es an Mut und einem Plan für die Zukunft.

Digitale Stadt

Auch bei diesem Thema kritisiert Schröder, dass die Stadt noch nicht weiter sei. Es fehle eine Strategie. Digitalisierung funktioniere nur, wenn sie von oben gewollt und mit Nachdruck weiter verfolgt werde. Man müsse die Mitarbeiter in der Verwaltung mehr mitnehmen und erklären, warum sie den Job, den sie jetzt gut machten, künftig anders machen sollen. Daran fehle es.

Sicherheit

Schröder ist begeistert vom Paderquellgebiet und wie es von den Bürgern – mit Abstand – genutzt wird. Allerdings wisse er auch um die Situation am Westerntor. Polizei und Ordnungsamt seien wichtig, um akuten Beschwerden der Anwohner nachzukommen. „Wir haben dort aber die Szene, die sich aus der Zentralstation verlagert hat. Deren Alkoholproblem hat sich ja nicht aufgelöst. Wir brauchen einen Ort, wo sich die betreffenden Personen aufhalten können, wo sie aber auch betreut werden. Da muss die Stadt Verantwortung übernehmen.“

Die Zukunft

„Paderborn wächst gegen den Trend. Wir haben eine gut funktionierende Universität, eine starke IT-Landschaft. Dass das heute so ist, haben wir Entscheidungen zu verdanken, die vor 40 Jahren getroffen worden sind – allerdings nicht von der Stadt“, wie Schröder hinzufügt. Das Land habe für die Uni gesorgt, und den Erfolg von Nixdorf habe die Stadt maximal dadurch begleitet, in dem man dem Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten gegeben habe. „Wir leben jetzt von diesen Entscheidungen. Ich frage mich aber, wovon wollen wir in 20, 30 Jahren leben? Wir müssen aufpassen, dass wir weiter attraktiv für die Menschen sind und müssen ihnen großstädtisches Leben bieten.“ Er erläutert das an einem Beispiel: „Freunde von uns sind von Berlin nach Paderborn zurückgekommen. Die Kinder verstanden nicht, warum man hier einen Fahrplan braucht. In Berlin stellt man sich an die Haltestelle, bis der nächste Bus kommt. Aber hier kann es einem passieren, dass man vergeblich wartet.“

Die Paderborner Hochkultur habe sehr viel zu bieten, meint der Kandidat. Aber gerade die freie Kulturszene brauche mehr Möglichkeiten. Und wo soll das Geld herkommen? „Paderborn ist unterfinanziert. Die Frage ist, wie gehen wir damit um. Wenn wir alles städtische Handeln am vorhandenen Geld ausrichten, bewegen wir uns in eine Abwärtsspirale.“ Letztliche müssten Bund und Land endlich die Kommunen besser ausstatten. „Bis dahin müssen wir sehen, dass wir eine attraktive Stadt bleiben!“, lautet sein Credo.

Wie sieht er seine Chancen am Wahlsonntag? Klaus Schröder: „Ich treffe viele Menschen, die den Wechsel wollen. Ich hoffe, dass es zu einer spannenden Stichwahl kommt, bei der ich dann dabei bin.“

Zur Person

Dr. Klaus Schröder bezeichnet sich als „zugezogener Paderborner“, der seit 1989 – dem Beginn seines Studiums – hier lebt. Der 51-Jährige wuchs in Blomberg auf. Er ist Diplom-Mathematiker und -Informatiker und legte im Jahr 2000 die Promotion nach. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 20 Jahren ist er Mitarbeiter bei einem mittelständischen Paderborner IT- und Beratungshaus. Seit 2004 ist er Ratsmitglied der Grünen. Ein Jahr später trat er als Direktkandidat bei den Wahlen zum Bundestag an. Er unterlag deutlich mit 3,9 Prozent der Stimmen gegenüber Gerhard Wächter (CDU, 54,9) und Ute Berg (SPD, 31,4). Seit dem Jahr 2014 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat.

alle Berichte über die Bürgermeisterkandidaten in der Stadt Paderborn im Überblick

- Michael Dreier (CDU)

- Martin Pantke (SPD)

- Klaus Schröder (Grüne)

- Alexander Senn (FDP)

- Elke Süsselbeck (parteilos/Die Linke)

- Stephan Hoppe (FÜR Paderborn)

- Hartmut Hüttemann (FBI)

- Verani Kartum (Volt Paderborn)

- Marvin Weber (AfD)

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