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Investoren planen in Paderborn Sanierung und Neubauten an Neuhäuser Straße

Etwas Glanz kehrt zurück

Paderborn (WB). Wer heute durch die Neuhäuser Straße aufs Neuhäuser Tor zufährt, braucht Fantasie, um sich in die Prachtstraße zurückzudenken, die einst der Kaiser passierte. Doch ein bisschen vom alten Glanz wollen zwei Investoren dem Eingangstor zur Innenstadt zurückgeben.

Maike Stahlund Louis Gauterin

Christopher Gladen (Wegener Massivhaus GmbH, links) und Daniel Koch (Koch & Stöß Immobilien GbR) haben die baufälligen Häuser 16/18 sowie 14 erworben, um dort modernes urbanes Wohnen hinter traditionellen Fassaden zu ermöglichen. Foto: Besim Mazhiqi

Daniel Koch (Koch & Stöß Immobilien GbR) und Christopher Gladen (Wegener Massivhaus GmbH) haben die baufälligen Häuser 16/18 sowie 14 erworben, um dort modernes urbanes Wohnen hinter traditionellen Fassaden zu ermöglichen. Weil sie die historische Ansicht des Gebäudes 16/18 wiederherstellen wollen, haben sie sich mit ihrem Konzept »Johannishöfe« als Käufer der Gebäude durchgesetzt.

Daniel Koch will die Fassade des Wohnhauses 16/18 nach historischen Vorbild wiederherstellen und innen sechs moderne Eigentumswohnungen mit Altbaucharme schaffen. »Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, weil wirklich nur noch die Fassade aus der Gründerzeit erhalten geblieben ist. Aber es gibt teilweise 4,20 Meter hohe Decken, die wir auch erhalten werden.« Derzeit tragen die Investoren die noch vorhandenen Planunterlagen und Daten für das um 1880 errichtete Stadthaus zusammen. »Eine Fleißaufgabe, da der Großteil der historischen Bauakten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verbrannt ist«, berichtet Koch.

Kommentar

Abreißen und neu Bauen ist bei sanierungsbedürftigen historischen Gebäuden häufig die einfachste und vor allem günstigste Lösung. Für das Stadtbild ist das aber nicht immer die beste Alternative. Denn mit jeder historischen Fassade, die verschwindet, geht auch ein Stück Tradition. Deshalb ist es gut, dass es in Paderborn Investoren gibt, denen daran liegt, alte Substanz zu erhalten. Ob es die Neuhäuser Straße ist, die ehemalige Wollverwertung an der Wollmarktstraße oder die neue Jacobi Firmenzentrale – nachahmenswert sind diese Projekte allemal. Maike Stahl

Christopher Gladen wird das Gebäude 14 komplett abreißen, da es baufällig und nicht erhaltenswert sei. »Wir planen aber einen historisierenden Neubau an der Stelle, so dass die Anmutung wieder in das historische Straßenbild passen wird«, erläutert Gladen. In Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde wird der Neubau ein wenig höher, um die Firsthöhe der Nachbargebäude aufzunehmen. Im Erdgeschoss, wo Mitte des 20. Jahrhunderts die Metzgerei Dierks ihre Geschäftsräume hatte, soll wieder Gewerbe einziehen.

Außerdem will Gladen hinter dem Gebäude 16/18 fünf moderne, hochwertige »Townhouses« mit je 140 Quadratmetern Wohnfläche errichten, die über eine neue Zufahrt zwischen den Hausnummern 14 und 16 erschlossen werden sollen. »Wir wollen günstigen Wohnraum schaffen, aber in diesem Fall ist das Projekt so aufwändig und die zentrale Lage – teilweise mit Blick auf den Dom – so attraktiv, dass sich das im Preis widerspiegeln wird«, räumt Gladen ein. Er rechnet mit etwa 450.000 Euro Kaufpreis. Beheizt werden sollen sowohl das historische als auch die neuen Gebäude über ein Blockheizkraftwerk.

Derzeit sei die Baugenehmigung für das Vorhaben in Arbeit, berichten die Investoren. Sobald sie erteilt sei, gehe es mit dem Abriss des Gebäudes Nummer 14 los. »Unser Ziel ist es, im Frühjahr loszulegen«, sagt Gladen. Er hofft, dass die Baumaßnahme im Sommer 2019 abgeschlossen werden kann. Insgesamt investieren die beiden etwa vier Millionen Euro. Mit dem Vertrieb wollen sie erst beginnen, wenn die baurechtlichen Grundlagen geschaffen sind.

Karla Krieger von der Unteren Denkmalbehörde begrüßt die Planung der Investoren für die Neuhäuser Straße. »Es ist immer positiv, wenn erhaltenswerte Gebäude aus ihrer Identität heraus neu entwickelt werden«, sagt sie. Insgesamt entwickele sich der Bereich am Neuhäuser Tor sehr positiv, sagt sie und verweist auf den Bau der neuen Jacobi-Firmenzentrale, wo moderne Architektur in ebenfalls teilweise historischen Mauern verwirklicht wird. Und die Neuhäuser Straße erhalte mit der Baumaßnahme ein wenig ihres alten Glanzes zurück.

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