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„Weißer Ring“ zeigt Außenstellenleiter aus Winterberg an – Mann war für 100 Frauen zuständig

Ex-Polizist soll Frauen missbraucht haben

Winterberg

Die Opferhilfe-Organisation „Weißer Ring“ hat den Leiter ihrer Außenstelle im Hochsauerlandkreis suspendiert. Er soll eine Frau, die als Verbrechensopfer Hilfe gesucht hatte, missbraucht haben.

Christian Althoff

Im Hochsauerlandkreis sollen Missbrauchsopfer von einem Ex-Polizisten noch einmal missbraucht worden sein. Foto: A3390 Kay Nietfeld

Der Mann war vor seiner Pensionierung in leitender Funktion bei der Polizei in Winterberg tätig und arbeitete seit Jahren ehrenamtlich für den Opferhilfeverein. Am 10. Februar ging bei der Bundesgeschäftsstelle des „Weißen Rings“ in Mainz der Brief einer Anwältin ein. Darin wurde dem pensionierten Polizisten sexueller Missbrauch vorgeworfen. Die Angaben des Opfers, das seit 2018 von dem Außenstellenleiter betreut wurde, waren nach Einschätzung des Bundesvorstands so glaubhaft, dass der Mann noch am selben Tag suspendiert wurde. Inzwischen wurde er auch bei der Staatsanwaltschaft in Arnsberg angezeigt.

Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des „Weißen Rings“ (Archivbild). Foto: Bernd von Jutrczenka

Der frühere BKA-Chef Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des „Weißen Rings“, nannte es „besonders schmerzlich“, dass der Fall eine Vorgeschichte habe. Denn schon 2019 habe ein Verbrechensopfer dem Mann vorgeworfen, es mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Der „Weiße Ring“ hatte allerdings nicht die Staatsanwaltschaft informiert, sondern selbst ermittelt und die Aussagen der Frau als nicht vertrauenswürdig bewertet. „Eine schmerzhafte Fehlentscheidung“, wie Jörg Ziercke jetzt in einem Brief an alle Ehrenamtlichen schreibt.

Die Recherchen der Opferhilfe-Organisation haben ergeben, dass der Mann in den vergangenen Jahren mehr als 100 Frauen betreut hat. Zwei pensionierte Kriminalbeamtinnen, die sich im „Weißen Ring“ engagieren, wollen Kontakt zu den Frauen aufnehmen und klären, ob es noch mehr Missbrauchsvorwürfe gibt.

Der Außenstellenleiter hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Angaben des „Weißen Rings“ habe er das Angebot zu einem persönlichen Gespräch nicht angenommen.

Der Mann soll nach Auskunft der Opferhilfe-Organisation seit langer Zeit gegen Grundsätze des Vereins verstoßen haben. Demnach dürfen seit 2018 weibliche Opfer von Sexualstraftaten nur von Frauen betreut werden. Ist das nicht möglich, sollen die Mitarbeiter des „Weißen Rings“ zu zweit zu den Gesprächen erscheinen.

Für mögliche Opfer des Ex-Polizisten hat der Verein die Hotline 0151/55164597 eingerichtet.

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