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Landratskandidaten diskutieren erstmals öffentlich bei Veranstaltung des Integrationsrates

Fast ein bisschen zu harmonisch

Paderborn (WB). Wie soll es mit dem Flughafen weitergehen? Wie ist es um die Integration im Kreis bestellt? Was muss in der Corona-Krise für die Wirtschaft getan werden? Unter anderem um diese Themen ging es bei der ersten Podiumsdiskussion der Landratskandidatinnen und -kandidaten für den Kreis vor der Wahl am 13. September, zu der der Integrationsrat eingeladen hatte.

Matthias Band

Wer wird neue Landrätin oder neuer Landrat? Auf dem Podium haben (von links) Rainer Sinnhuber (FBI), Alina Wolf (Die Linke), Christoph Rüther (CDU), Thomas Mertens (Volt), Wolfgang Weigel (SPD), Norika Creuzmann (Grüne) und Dr. Monika Walter (FDP) über wichtige Themen im Kreis Paderborn diskutiert. Recep Alpan (rechts), Vorsitzender des Paderborner Integrationsrates, begrüßte die Gäste am Freitagabend in der Aula des Berufskollegs Schloß Neuhaus.

Sieben der acht Kandidaten waren dabei. AfD-Kandidat Karl-Heinz Tegethoff war nicht eingeladen worden, was im Vorfeld Kritik der AfD ausgelöst hatte. Recep ­Alpan, Vorsitzender des Integrationsrates, begründete diesen Schritt in seiner Begrüßung wie folgt: „Wer uns abschaffen will, hat mit uns nichts zu tun.“ Corona­bedingt durften nur gut 70 Zuschauer in der Aula des Berufskollegs Schloß Neuhaus sitzen. Nach einer Vorstellungsrunde ging es in der von Julia Ures moderierten Veranstaltung zunächst um das Thema „Corona und Wirtschaft“.

Wirtschaft

Rainer Sinnhuber (FBI) verwies darauf, dass es darum gehen müsse, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Thomas Mertens (Volt) sprach sich dafür aus, „die Wirtschaft nicht pauschal zu pushen“. „Wir müssen fragen, wer konkret Hilfe braucht.“ Alina Wolf (Die Linke) betonte, dass insbesondere Solo-Selbstständige Hilfe benötigten. Es sollten vor allem Firmen unterstützt werden, die Tariflohn zahlten. Christoph Rüther (CDU) lobte, dass es im Kreis bereits zahlreiche Initiativen gebe, die etwa den Einzelhandel unterstützten. Kommunen sollten jetzt Aufträge für Projekte vergeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Monika Walter (FDP) sagte, dass sich Geschäftsmodelle verändern werden. „Da muss der Kreis Angebote machen, um zu helfen.“ Das könnten etwa Umschulungen sein. Norika Creuzmann (Grüne) lobte, dass die Gesellschaft in kurzer Zeit viel auf die Beine gestellt habe. Corona sei auch eine Chance. Sie forderte, dass die Wirtschaft ökologischer und sozialer ausgerichtet werden müsse. Das sah Wolfgang Weigel (SPD) ähnlich. Er sprach sich für ein Förderprogramm für eine klimafreundliche Produktion aus. Zudem solle es mehr interkommunale Zusammenarbeit und gemeinsame Gewerbegebiete geben. „Wir müssen auch den Fachkräftemangel im Blick haben“, sagte Weigel.

Flughafen

Norika Creuzmann (Grüne) forderte, den Flughafen zu schließen. „Wir zahlen weiterhin ein irres Geld dafür. So können wir nicht weitermachen.“ Eine Alternative für das Areal könne ein Solarpark sein. Alina Wolf (Die Linke) schloss sich der Forderung an. „Das Projekt ist gescheitert. Wir müssen den Zug- und Busverkehr ausbauen.“ Christoph Rüther (CDU) hielt dagegen: „Den Schlüssel dreht man nur einmal um.“ Der Flughafen sei wichtig für die Wirtschaft und wichtig als Infrastruktur für die Region. Er sprach sich für einen Neustart im kleineren Rahmen aus. Den vom geplanten Arbeitsplatzabbau betroffenen Menschen, müsse der Kreis Hilfe anbieten. Ähnlich sah es Wolfgang Weigel (SPD). Der Flughafen gehöre zum Markenkern von OWL. Monika Walter (FDP) sprach sich ebenfalls für eine Insolvenz in Eigenverwaltung aus. Sie erwarte aber auch ein „klares Engagement aus der Wirtschaft“. Rainer Sinnhuber (FBI) hält den Flughafen für sanierbar und kündigte ein eigenes Konzept dafür an. Thomas Mertens (Volt) sprach sich für eine Aufteilung in eine Infrastruktur- und Betriebsgesellschaft auf, um den Flughafen wieder fit zu machen und über die Betriebsgesellschaft die Wirtschaft ins Boot zu holen.

Integration

Beim Thema Integration bestand für Norika Creuzmann (Grüne) kein Zweifel daran, dass die Kommunen mehr Flüchtlinge aufnehmen sollten. Es sei unsere Pflicht, diesen Menschen „einen Platz in unserer Gesellschaft“ zu bieten. Das sah Alina Wolf (Die Linke) ebenso. Sie forderte zudem das Aus für die Abschiebehaftanstalt in Büren. Thomas Mertens (Volt) machte einen 30 Jahre andauernden Abbau im sozialen Bereich aus. Er forderte mehr Streetworker und keine Beiträge für Vereinssport für Kinder aus armen Familien. Wolfgang Weigel (SPD) betonte, dass der Staat im Zuge von digitalem Unterricht Laptops für sozial schwache Familien anschaffen müsse. Monika Walter machte sich für mehr interkulturelles Verständnis stark. Dafür seien die richtigen Angebote wichtig. Christoph Rüther (CDU) lobte, dass die Vereine bereits viel für die Integration getan hätten. Die Angebote für Bildung und Sprache müssten weiter ausgebaut werden. Rüther: „Wir müssen die Menschen aber auch in Lohn und Brot bringen.“

Frauen und Klima

Weitgehend einig waren sich die Kandidaten bei den Themen „Frauen“ und „Klima“. Die Frauenhäuser bräuchten mehr Unterstützung. Generell müsse auch die Kita- und OGS-Betreuung ausgebaut werden. Frauen müsse auch Mut gemacht werden, eine Karriere zu starten. Beim Thema Klima setzen FDP, FBI und CDU auch auf Wasserstoff als Energiequelle. Alle bekannten sich zur Windkraft. Es müsse aber auch mehr Photovoltaikanlagen geben. Wolfgang Weigel (SPD) will den Busverkehr verbessern. Christoph Rüther (CDU) setzt dabei auch auf On-Demand-Systeme, also Busse auf Bestellung. Zudem müsse das Radwegenetz ausgebaut werden.

Fazit

Zu loben ist der respektvolle Umgang. Für die Wähler verlief der Abend aber fast schon ein bisschen zu harmonisch, richtig um Inhalte gestritten wurde nicht. Es war mitunter auch nicht leicht, programmatische Unterschiede festzumachen. Aber das gab das Format mit Fragen an sieben Teilnehmer auch nicht wirklich her. Unterm Strich bleibt festzuhalten: Solche Veranstaltungen bereichern die Demokratie. Mehr davon!

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