1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Felix Levin beherrscht Bauern und Springer

  8. >

Großmeister gewinnt erneut den Schachtürken-Cup in Paderborn

Felix Levin beherrscht Bauern und Springer

Paderborn (WB). Das hatte es beim Schachtürken-Cup im Heinz-Nixdorf-Museumsforum noch nie gegeben. Der jüdische Großmeister Alexander Bagrationi aus der Ukraine durfte wegen der strengen Sabbat-Regeln nicht die Uhr betätigen und auch nicht seine Züge aufschreiben. Das übernahm ein Assistent für ihn.

Dietmar Kemper

Felix Levin liebt Schachbretter. Nach sieben Runden hatte er sich gegen seine Gegner durchgesetzt. Er lobte das Turnier wegen seiner „sehr freundlichen Atmosphäre“. Foto: Oliver Schwabe

Bagrationi gehörte zu den 160 erwachsenen Spielern, die von Freitag bis Montag in sieben Runden um die Siegprämien kämpften. Hinzu kamen 154 Jugendliche. Was den Nachwuchs angehe, sei das „ein Rekord“, freute sich Mitorganisator Heinz-Gerd Zurgeißel vom SK Blauer Springer Paderborn.

Der Seriensieger aus Ratingen

Zum 16. Mal hat der Verein mit dem HNF den Schachtürken-Cup organisiert, der nicht nur Teilnehmer aus Deutschland anzieht. Besonders gerne nach Paderborn kommt Felix Levin aus Ratingen. Der gebürtige Ukrainer gewann vier der letzten fünf Turniere. Auch am Montag schnappte er sich die Siegprämie in Höhe von 1000 Euro. Der Wille und die Konzentration würden über Sieg oder Niederlage entscheiden, sagte der 61-Jährige. Man müsse ein klares Ziel vor Augen haben. Levin spielt nicht nur, er trainiert vor allem auch andere und hat nach eigenen Angaben fünf Spieler zu Großmeistern gemacht.

Ob der Schachklub Blauer Springer einen Großmeister hervorbringt, bleibt abzuwarten. Die Jugendarbeit ist jedenfalls sehr erfolgreich, der SK spielt in der Jugendbundesliga mit.

„Die Schönheit des logischen Denkens“

Heinz-Gerd Zurgeißel gehörte von Anfang an zum Organisationsteam für den Schachtürken-Cup. Er ist ein begeisterter Schachspieler. „Am Schach erkennen Sie die Schönheit des logischen Denkens“, schwärmte er am Montag. Es sei wunderbar zu sehen, wie ein sorgfältig entwickelter Plan aufgeht. Beim Schach komme es aber nicht nur auf logisches Denken, sondern auch auf genaues Beobachten an. „Schach hat sehr viel mit Mustererkennung zu tun“, betonte der Informatiker (59). Mehrstündige Partien seien kräftezehrend; bei einer fünfstündigen Partie verbrauche ein Spieler so viele Kalorien wie ein Spitzensportler.

Benannt ist das Turnier nach dem Schachtürken, der im 18. Jahrhundert in Europa für Aufsehen gesorgt hatte. Wolfgang von Kempelen hatte eine vermeintliche Maschine gebaut, die Spieler aus Fleisch und Blut beim Schach schlug. Unter anderem stellte er seine Erfindung der österreichischen Kaiserin Maria Theresia vor.

Schachcomputer sind den Menschen überlegen

1838 kam die Wahrheit ans Licht: In der Figur eines Türken steckten ausgezeichnete Schachspieler und eine Mechanik, durch die der linke Arm des Schachtürken die Züge ausführen konnte. Eine Nachbildung gehört zu den Exponaten des Paderborner Computermuseums. Inzwischen gibt es ausgereifte Schachcomputer wie „Deep Fritz“. „Menschen kommen gegen deren brachiale Rechengewalt nicht an“, stellte Heinz-Gerd Zurgeißel nüchtern fest. Und Konzentrationsfehler machen sie auch nicht.

Startseite