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22-Jähriger sammelt im Urlaub Spendengelder

Ferdinand Knüttel aus Paderborn fährt mit dem Roller durch Kambodscha

Paderborn

Für Ferdinand Knüttel beginnt am Samstag, 19. November, ein ganz besonderer Urlaub: 14 Tage lang wird er auf einem landestypischen Großrad-Roller vom Süden in den Norden Kambodschas fahren, um das Land und die Menschen zu erkunden. Die Strecke von Phnom Penh bis Siem Reap beträgt mit den sieben weiteren Stopps circa 1300 Kilometer. Und während dieser Zeit möchte der Paderborner Student so viele Spenden und sogenannte Kilometersponsoren gewinnen wie möglich.

Von Katharina Freise

Ferdinand Knüttel macht sich bereits mit dem Straßenverkehr und einem vergleichbaren Fahrzeug vertraut. Wenn es dann losgeht, wird der Helm nicht fehlen.

Denn dieser Urlaub ist für den 22-Jährigen nicht nur ein Abenteuer, sondern auch eine Roller-Spenden-Tour. Das Konzept erinnert an einen Sponsoren-Lauf aus der Schulzeit, nur werden hier die Kilometer nicht auf dem Sportplatz zu Fuß hingelegt, sondern auf einem Mofa in einem mehr als 9000 Kilometer entfernten (Luftlinie) Land in Asien.

Alleine ist Ferdinand Knüttel nicht unterwegs, mit ihm werden vermutlich 15 weitere Teilnehmer fahren, hinzu kommen in der Regel zwei deutsche Tourguides, zwei einheimische Tourguides und ein Arzt. So steht es zumindest auf der Webseite der leitenden Organisation „Kleine Hilfsorganisation e.V.“.  Die Hilfsorganisation veranstaltet solche Spenden-Touren auch in anderen Ländern, zum Teil auch mit dem Fahrrad oder auch mit einem Motorrad. Die Tour durch Kambodscha wird nach einer coronabedingten Zwangspause nun zum achten Mal gefahren, dieses Mal mit einer neuen Route.

Kambodschas Vielfältigkeit

Das Besondere an dieser Reise, warum auch Ferdinand Knüttel mitfährt, ist nicht nur die weite Landschaft mit den riesigen Reisfeldern oder die buddhistischen Tempel und Klöster oder der Urwald, sondern der Kontakt zu den Einheimischen und der gute Zweck. „Es ist ein Abenteuerurlaub außerhalb des Üblichen. Die Erfahrungen der Teilnehmer sind unvergesslich – sowohl von der Landschaft und der Atmosphäre her als auch das Gefühl zu den Menschen, die unfassbar dankbar für die Hilfe sind“, sagt der Gründer der Hilfsorganisation, Roland Debschütz im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch er wird als ein deutscher Guide mitfahren und freut sich riesig. Die letzte Tour ist schon mehr als zwei Jahre her.

Geld für Windeln

Dieses Jahr sammelt Debschütz selbst auch Kilometergeld und fährt für Windeln, die in ukrainischen Waisenhäusern gebraucht werden. Denn die Kleine Hilfsorganisation hilft nicht nur im asiatischen Raum. „In der Ukraine brauchen Waisenkinder dringend Hilfe, denn auch die Waisenhäuser müssen evakuiert werden. Das ist ein großes Problem. Wir haben eine Sammelstelle eingerichtet und spenden dorthin. Rund 1000 Windeln brauchen diese Waisenkinder pro Tag. Ich fahre dieses Jahr also für die Windeln“, gibt der deutsche Tourguide an.

Jeder Teilnehmer kann sich vor Fahrtbeginn überlegen, wofür er Geld sammeln möchte. Die Organisation hilft bei der Auswahl und gibt Tipps. Ferdinand Knüttel wird seine Spenden teilen, die Hälfte geht an die ukrainische Waisenhilfe und die andere Hälfte an ein ausgewähltes Hilfsprojekt in Kambodscha.

Entwicklungshilfe miterleben

Dass die Hilfe ankommt, daran hat Ferdinand Knüttel keinen Zweifel, denn er wird sich auf seiner Tour selbst davon überzeugen und auch ein eigenes Nothilfeprojekt umsetzen. Die Route von Phnom Penh im Süden führt mit sieben Stopps in Richtung Norden nach Siem Reap.

Alle Tage sind durchgeplant mit unterschiedlichen Aktivitäten. Sie werden Einheimische kennenlernen und entwickeln ein Hilfskonzept. Knüttel selbst ist interessiert am historischen Hintergrund des Landes und will darüber mehr erfahren. Seiner Meinung nach ist gerade das Thema Bildung sehr wichtig, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Diesen Gedanken unterstützt auch Debschütz. Doch auch wenn die Reise unter anderem für den guten Zweck ist, käme der Urlaubsgedanke nicht zu kurz. So würden die Teilnehmer auch Inseltouren machen, durch das Kardamom-Gebirge und den Urwald fahren, den Bokor Nationalpark bestaunen – eben klassische touristische Spots besuchen. „Das wird eine Mischung aus Urlaub, Abenteuer und dem Einblick in die Entwicklungshilfe“, sagt Debschütz.

Die Reise bezahlen die Teilnehmer übrigens im Vorfeld, in den Kosten für die Reise sind zum Beispiel die Fahrzeuge, die Unterkünfte und die Begleitung eines Arztes und Weiteres enthalten. Die gesammelten Spenden blieben hiervon unberührt.

Kilometer-Spender gesucht

Stand jetzt sammeln die 15 Teilnehmer – „Fundrider“ genannt – circa 40 Euro pro gefahrenen Kilometer. Es werden also mindestens 50.000 Euro auf das Spendenkonto gehen. Wenn auch jeder Fundrider seine eigenen Spenden generiert, wird für das Gemeinschaftsgefühl nur der Gesamtbetrag angegeben.

Dennoch findet laut Angaben der Organisation eine akkurate Abrechnung statt. „Wir fotografieren zu Beginn und zum Abschluss den Tacho des Fahrzeugs und rechnen die individuelle Kilometerzahl ab. Denn jeder Teilnehmer hat ja Kilometersponsoren“, so Debschütz.

Der Paderborner Ferdinand Knüttel freut sich über zusätzliche Kilometer-Sponsoren oder Spendenbeiträge (https://www.fundriding.de/km-sponsor-werden/ferdinand-knuettel/). Mit dem gesammelten Spendengeld werde unter anderem die Wasserversorgung in Gesundheitszentren im ländlichen Raum von Kambodscha verbessert bzw. zum Teil erst korrekt angelegt. Weitere Infos finden Interessierte auf der Webseite der Kleinen Hilfsorganisation (https://www.kleinehilfsaktion.de).

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