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Kulturausschuss entscheidet sich für das Modell „Pay what you want“

Feste Eintrittspreise in Paderborner Museen fallen weg

Paderborn

Die Zeiten mit  festen Eintrittspreisen in den städtischen Galerien und Museen sind bald vorbei. Mit großer Mehrheit hat der Kulturausschuss am Mittwoch die Verwaltung damit beauftragt, das Modell „Pay what you want“ einzuführen.

Von Dietmar Kemper

Auch im Paderborner Stadtmuseum soll künftig das Modell „Zahle, was du willst“ gelten. Dadurch soll die Hemmschwelle, ins Museum zu gehen, bei denen gesenkt werden, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Foto: Oliver Schwabe

Damit ist es den Besuchern von Dauerausstellungen künftig selbst überlassen, ob sie nach dem Rundgang etwas bezahlen. Und wenn ja, können sie den Betrag selbst bestimmen. Bislang kostet der Eintritt  ins Stadtmuseum,  in die Städtische Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus, ins Kunstmuseum, Naturkundemuseum, ins Residenzmuseum und in die Sammlung Nachtmann jeweils 2,50 Euro, ermäßigt zwei Euro. Das Erzbischöfliche Diözesanmuseum und das Heinz-Nixdorf-Museumsforum befinden sich nicht in der Trägerschaft der Stadt.

Ausnahme bei aufwendigen Sonderausstellungen

Allerdings schränken die Mitglieder des Ausschusses und die Verwaltung das Modell „Pay what you want“ in einem Punkt ein: „Die Möglichkeit zur Erhebung eines gesonderten Eintritts bei besonders aufwendigen Ausstellungen bleibt vorbehalten.“ Der neue Kulturamtsleiter Maximilian Zindel wies darauf hin, dass die Städtische Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus über keine Dauerausstellung verfüge.

Gleich vier Fraktionen – CDU, Grüne, SPD und Linke – hatten für die Sitzung des Kulturausschusses die Einführung des Modells beantragt. Es ermögliche einen Zweiklang aus individueller Teilhabe und ökonomischer Tragfähigkeit, sagte Catharina Scherhans von den Grünen. Auch Karsten Grabenstroer von der CDU geht davon aus, dass „Pay what you want“ weder die Einnahmen der Stadt noch die Zahl der Museumsbesucher reduzieren wird. CDU und Grüne sind davon überzeugt, dass das Preiskonzept gerade Menschen mit geringem Einkommen, die trotzdem Museen besuchen möchten, entgegenkommt.

Carsten Büsse von der SPD wunderte sich über den Antrag von CDU und Grünen: „Die SPD hat schon vor einem Jahr diesen Weg vorgeschlagen, ist damit damals aber nicht durchgekommen. Ich bin hocherfreut über den Meinungsumschwung.“ Die SPD erinnerte daran, dass es in Ländern wie Großbritannien längst ein generelles Zutrittsrecht ohne Eintritt für Dauerausstellungen und Sammlungen gebe.

Beate Bliedung (Linksfraktion) betonte: „Kultur ist ein Allgemeingut, das möglichst vielen Nutzerinnen und Nutzern zugänglich sein sollte. Dabei gilt es, jede Hemmschwelle – auch finanzieller Natur – zu vermeiden.“ Schließlich gebe es in Paderborn nach wie vor keine Sozialkarte, die für eine finanzielle Entlastung sorgen könnte. 

Für die AfD kritisierte Alexander Lex „die sozialistische Alles-muss-frei-sein-Einstellung“. Auch kulturelle Leistungen sollten entgolten werden. Klaus Gröbing (FDP) und Alexander Martini (Für Paderborn) sprachen sich dafür aus, erst den Abschlussbericht der Universität Paderborn über alternative Preiskonzepte an Museen abzuwarten, bevor sich die Politik auf ein Konzept festlege.

Forschungsprojekt der Universität

Wie berichtet, begann das Forschungsprojekt 2019, zuletzt wurde vom 12. Juli bis 18. September das Modell „Pay what you want“ in den Museen und Galerien getestet, ergänzt durch Befragungen. 300 Fragebögen wurden von Besuchern ausgefüllt, darüber hinaus führten Studenten der Fakultät für Kulturwissenschaften 70 Interviews mit Museumsgästen. 

Es habe auch Menschen gegeben, die deutlich mehr als 2,50 Euro gezahlt hätten, sagte die Leiterin der städtischen Museen und Galerien, Andrea Brockmann, dieser Zeitung. Die konkreten Ergebnisse der Auswertung würden dem Kulturausschuss im Februar vorgestellt. Brockmann befürwortet das „Pay what you want“-Modell: „Ich mag die Offenheit dieses Konzepts. Jeder kann entscheiden, ob er etwas geben will und kann. Kultur hat sicherlich einen Wert, aber ich würde das nicht auf den Eintrittspreis eines Museums reduzieren. Wir sollten es den Besuchenden überlassen, über den Geldbetrag Anerkennung auszudrücken. “ Geld für aufwendige Sonderausstellungen zu erheben, solle aber eine Option bleiben, so Brockmann.

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