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Ukrainischer Arzt in Paderborner Klinik sorgt sich um seine Schwester und ihre kleinen Söhne

„Flüchtlinge kommen Tag und Nacht“

Paderborn

Ein ukrainischer Arzt aus der LWL-Klinik in Paderborn hilft seinen Landsleuten an der polnisch-ukrainischen Grenze. „Erst wurden die Angehörigen und Freunde abgeholt, jetzt geht es um die Menschen, die ich nicht persönlich kenne“, sagte Roman Tielitsyn im Gespräch.

Von Dietmar Kemper

Roman Tielitsyn ist Arzt in der LWL-Klinik Paderborn.

Er fühle sich verpflichtet, auch denen zu helfen. Seine Unterstützung will er auf das Dorf und die gleichnamige Landgemeinde Dorohusk in Ostpolen direkt an der Grenze zur Ukraine konzentrieren. „Die Flüchtlinge kommen ständig, Tag und Nacht, ihre Autos stehen bis zum Horizont, zwölf bis 15 Kilometer lang“, beschreibt Roman Tielitsyn die dramatische Situation. Die Menschen warteten bis zu 24 Stunden darauf, die Grenze passieren zu können. „Der Bedarf an Babynahrung ist groß“, weiß er. Außerdem würden dringend Schlafsäcke, warme Kleidung und Hygieneartikel gebraucht. In den Notunterkünften schliefen die Menschen oft in Sporthallen direkt auf dem Boden.

Roman Tielitsyn ist seit August 2015 Oberarzt auf der Suchtstation der Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Paderborn. Angesichts des Krieges in der Ukraine hat er sich freigenommen und versucht, Hilfstransporte und Notunterkünfte zu organisieren. Dabei helfen ihm auch Kollegen der Klinik, in der eine inoffizielle Sammelstelle eingerichtet wurde. Tielitsyn (Telefon 01718383034) will Busse für den Transport der Hilfsgüter organisieren, ein anderer Arzt einen Lastwagen. Zudem wollen Helfer aus Paderborn mit Bullis nach Polen aufbrechen.

Roman Tielitsyn selbst stammt aus Riwne im Westen der Ukraine. Der Flughafen der Stadt sei bereits mit Raketen beschossen worden, erzählt er. Er sorgt sich um seine Schwester mit ihren ein und sechs Jahre alten Söhnen: „Sie will die Ukraine nicht verlassen, ich habe ihr mehrfach angeboten, zu mir zu kommen.“ Die Menschen seien entschlossen zu kämpfen, sie bereiteten Molotowcocktails vor, gingen als Freiwillige nach Kiew oder organisierten Partisanenverbände für den Kampf in den Wäldern.

Wenn er das nächste Mal an die polnische Grenze fährt, will Roman Tielitsyn nicht nur Hilfsgüter verteilen, sondern Flüchtlingen auch anbieten, mit nach Paderborn zu kommen. Wie mehrfach berichtet, ist Paderborns Partnerstadt Przemyśl ein weiterer Hotspot, an dem sich viele ukrainische Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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