1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Frauen bewegen das Netz

  8. >

Gut besuchte Auftaktveranstaltung zum Internationalen Frauentag

Frauen bewegen das Netz

Paderborn (WB). Was eint und was unterscheidet die Feministinnen der historischen Frauenbewegung und die Frauen, die sich heute für ihre Rechte stark machen? Vor allem die Instrumente, derer sie sich bedienen. Das wurde am Samstag im Rathaus bei der Auftaktveranstaltung zum Internationalen Frauentag deutlich.

Maike Stahl

Zum Start des Internationalen Frauentages war das Rathaus Samstag gut gefüllt. Das freut: (von links) Mechthild Pleininger, Bürgermeister Michael Dreier, Dagmar Drüke, die Referentinnen Alexandra Jacobi und Ute Gerhard sowie Moderatorin Julia Ures. Foto: Maike Stahl

Die Digitalisierung und soziale Medien eröffnen den Frauen heute Möglichkeiten der Vernetzung, von denen die Vorgängergenerationen nur träumen konnten. »Greta Thunberg hat es beispielsweise geschafft, dass ihre Klimastreik-Aktion innerhalb von kürzester Zeit in mehr als 40 Ländern auf der ganzen Welt übernommen wurde«, zollte Marion Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn der jungen Schwedin Respekt. Und auch die »Me-too«-Debatte wäre ohne die Sozialen Medien vermutlich nie so erfolgreich geführt worden. Ein bisschen schade sei es aber, dass sich viele Influencerinnen in den sozialen Medien auf die Themen Schönheit, Mode und Ernährung beschränkten. »Männer bieten auf diesen Kanälen ein viel breiteres Themenspektrum, diese Vielfalt würden wir uns auch von Frauen wünschen«, sagte Drüke.

Beispiele für Frauenprojekte im Netz, die sich jenseits der Klischeethemen bewegen, nannte Alexandra Jacobi, die im Gender- und Frauenprojektbereich sowie der Gleichstellungskommission der Uni aktiv ist. Sie selbst sei beispielsweise über www.maedchenmannschaft.net für das Thema sensibilisiert worden. »Heute geht es im Feminismus vor allem um die körperliche und besonders sexuelle Selbstbestimmung«, sagte Jacobi. Dabei hätten die Frauen den Vorteil, dass ihnen endlich geglaubt werde, Männer zu Verbündeten würden und die Frauen über die sozialen Medien dezentrale Banden bilden könnten.

Trotz allem sei es aber unerlässlich, gemeinsam um Rechte zu kämpfen, mahnte Gastreferentin Professorin Dr. Ute Gerhard. »Was eine einzelne Frau erreicht, ist immer etwas Individuelles, das nur über das Recht allgemeingültig werden kann«, appellierte die renommierte Feminismusforscherin, die gerade ihren 80. Geburtstag gefeiert hat, an Frauensolidarität. Bei einer Fülle von Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen, die an das Geschlecht gebunden seien, bleibe der nie endende Kampf ums Recht das einzige gewaltlose Mittel, mit dem Frauen sich wirkungsvoll wehren könnten. Meilensteine, um Frauen gleiches Recht zu verschaffen, seien die Frauenrechtskonvention von 1979 und die Gleichstellungsgesetze, die der EU zu verdanken seien.

Damit wurde bis heute einiges erreicht, aber noch nicht genug, betonte auch Bürgermeister Michael Dreier in seinem Grußwort. In Paderborn seien zwar erfreulicherweise einige Führungspositionen mit Frauen besetzt. Er nannte Hochschulpräsidentin, Prof. Birgitt Riegraf, Theaterintendantin Katharina Kreuzhage, Geschäftsführerin der Stadthallenbetriebsgesellschaft Dr. Maria Rodehuth und Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Es gebe aber noch zu viele Männerdomänen in den Vorstandsetagen großer Unternehmen ebenso wie in der Bürgermeisterriege.

Startseite
ANZEIGE