1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Gastronomen und Veranstalter in Paderborn stehen unter Druck

  8. >

Hoffen auf Erleichterungen: Gastronomen und Veranstalter in Paderborn stehen unter Druck

Das Glas ist halb leer

Paderborn

Es gibt sie noch in Paderborn: Die urigen kleinen Eck- und Kellerkneipen. Michael Keck führt mit dem Königskeller und dem Königseck direkt zwei Exemplare dieser aussterbenden Gattung. Doch die vergangenen anderthalb Jahre sind auch an dem umtriebigen Gastwirt nicht spurlos vorbeigegangen.

Von Franz Köster

Pandemie, Mindestlohn und Bierpreiserhöhung: Gastwirt Michael Keck steht vor großen Herausforderungen.  Foto: Franz Köster

Auf die im September des vergangenen Jahres beantragten Überbrückungshilfen für das erste Halbjahr 2021 wartet er bis heute. Warum, das weiß er auch nicht: „Ich werde immer vertröstet, wenn ich mal wieder nachfrage“, ärgert sich Michael Keck. Schon die ersten Lockdown-Maßnahmen waren hart für den selbstständigen Unternehmer, die 2G-Plus Regel hat vor Weihnachten dann für einen weiteren Rückschlag gesorgt: „Die Weihnachtszeit ist für uns als Gastronomen sehr wichtig“, weiß der Wirt aus Erfahrung. Die Gästezahlen seien durch diese Regel noch einmal zurückgegangen. Nur noch 25 Prozent seien es im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. Keck kritisiert dabei auch die Verkürzung des Genesenenstatus: „Von einem Tag auf den anderen durften Teile unserer Stammgäste nicht mehr zu uns kommen“, so Keck.

Auch die Dehoga in Ostwestfalen hat die Not der Gastronomie erkannt und fordert in einer Pressemitteilung ein Ende der Maßnahmen: „Wir haben eine überdurchschnittlich hohe Impfquote in NRW, das Gesundheitssystem ist seit Wochen coronabedingt nicht mehr stark belastet, das Gastgewerbe ist bis jetzt nicht als Pandemietreiber in Erscheinung getreten, es gibt ausreichend Impfstoff für alle und neuerdings Medikamente zur Corona-Behandlung. Das muss Konsequenzen für die Corona-Maßnahmen im Land haben, weil die aktuellen nicht mehr verhältnismäßig sind“, sagt Hans-Dietmar Wosberg, Regionalpräsident der Dehoga Nordrhein-Westfalen in einer Pressemitteilung.

Ein Ende der Maßnahmen ist auch für Marco Schmidt wichtig. Der ehemalige Systemingenieur veranstaltet in Ostwestfalen-Lippe Karaokeparties, die sich durch die professionelle Herangehensweise von den üblichen Kneipenshows unterscheiden sollen: „Unsere Sänger sollen sich wie ein Star fühlen“, erklärt Schmidt den besonderen Ansatz. Zusammen mit seiner Technikerin Ronja Doherty moderiert und animiert er seine Gäste, sodass er sich seit 2016 ein treues Stammpublikum erarbeiten konnte. Das sei schon fast eine familiäre Atmosphäre, meint Schmidt. Damit das gelingt, ist auch eine teure und wartungsintensive Technik notwendig, die bezahlt werden muss. Aktuell freut sich der Karaokeprofi, wenn er eine Veranstaltung im Monat durchführen kann. In besseren Zeiten war er im Monat vier bis sechsmal unterwegs. Die Gäste hätten aktuell einfach Angst sich in die kleinen Kneipenräume zu setzen, weiß Schmidt. Da helfe auch die Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen nichts, bedauert er. In die Zukunft blickt Schmidt aber eher optimistisch. Bald werde er mit seiner Show auch das Glashaus in Bad Salzuflen bespielen.

Für Michael Keck ist das Glas eher halb leer als halb voll. Für ihn sei die Krise im Gastgewerbe nach Ende der Pandemie nicht ausgestanden, die Preissteigerungen gingen auch an ihm nicht spurlos vorbei. „Zusätzlich wird jetzt auch noch der Mindestlohn deutlich erhöht und ab April steigen die Bierpreise“, so Keck. Er werde das wohl auf den Bierpreis umlegen müssen, so seine traurige Nachricht an alle Kneipengänger.

In einem sind sich Michael Keck und Marco Schmidt allerdings einig: „Wir wollen, dass unsere Gäste eine schöne Zeit haben“.

Startseite
ANZEIGE