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Dr. Rudolf Jopen vom Praxisnetz Paderborn äußert sich zu Schutzmaßnahmen und zur Impfaktion

„Gefahr durch Sorglosigkeit“

Paderborn

Anders als im Frühjahr 2020 werden die Hausarzt-Praxen im Kreis Paderborn trotz des geltenden Lockdowns weiterhin von vielen akut wie chronisch schwer kranken Patienten aufgesucht. Nur wenige darunter leiden oder litten an Covid-19, diese aber mit teilweise sehr langsamen Heilungsverläufen.

Dr. Rudolf Jopen (Gastbeitrag)

Dr. Rudolf Jopen äußert sich zur Impfaktion und den Gefahren des mutierten Virus.

Die Schutzmaßnahmen in den Praxen wie das Tragen des Mund-Nasenschutzes sorgen mittlerweile für einen angstfreieren Umgang mit der Pandemie, auch wenn die Gefahr einer gewissen Sorglosigkeit nicht zu übersehen ist. Deshalb begrüßen wir Hausärzte die Fortsetzung von deutlichen Kontaktbeschränkungen und die Ausweitung der Maskenpflicht.

Sorge bereitet auch uns die derzeitige Phase, vergleichbar einer „Ruhe vor dem Sturm“. Wir beobachten sprunghaft steigende Infektionszahlen in Ländern, die von deutlich infektiöseren Virusmutanten heimgesucht sind. Sich bereits jetzt auf erneut steigende Infektionszahlen einzurichten, ist richtig und wichtig. Und deshalb werden wir auch in den Haus- und Facharztpraxen die Schutzmaßnahmen weiter intensivieren. Schon jetzt möchten wir unsere Patienten dafür um Verständnis bitten. Sehr hilfreich wäre es, wenn bei Praxis-Besuchen immer FFP2-Masken getragen werden, um sich selbst, Mitpatienten und das Praxispersonal besser zu schützen. Nicht jede Praxis ist in der Lage, die erforderlichen Abstände im Wartezimmer einzuhalten.

Viele Hausärzte waren und sind derzeit in mobilen Impfteams unterwegs – einige davon zusammen mit ihren MFAs –, um die Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen gegen SARS-CoV2 zu impfen. Nachdem anfangs bei einem Impftermin noch eine Reihe nicht angemeldeter Personen geimpft werden konnten, weil mehr Dosen einem Fläschchen zu entnehmen waren als vorgesehen, gibt es diesen Spielraum jetzt nicht mehr.

Trotzdem können Bewohner und Mitarbeiter in Altenpflegeeinrichtungen, die den ersten Impftermin versäumt haben oder sich noch nicht entschließen konnten, beim zweiten Termin erstgeimpft werden, wenn eine rechtzeitige Anmeldung erfolgt. Besondere Erwähnung soll die großartige Vorbereitung der Impfaktionen durch die Verantwortlichen in den Altenpflegeeinrichtungen finden. Der bürokratische und organisatorische Aufwand ist immens. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Verantwort­lichen.

Die nun kommende nächste Phase der Impfungen erfolgt über das Impfzentrum, insbesondere bei der Gruppe der über 80-jährigen und der ernsthaft gefährdeten Patienten. Die Informationen über die Anmeldung im Impfzentrum erhalten die betroffenen Gruppen über ein Schreiben des Kreises und durch Hinweise in den Zeitungen. Gegebenenfalls ist ein ärzt­liches Attest vorzulegen.

In absehbarer Zeit, wenn im Umgang unkompliziertere Impfstoffe zur Verfügung stehen, werden dann aber auch die Hausarztpraxen impfen können, wodurch schlecht oder fast gar nicht mobile Patienten in häus­licher Umgebung leichter erreicht werden können. Mit diesem umfangreichen Impfprogramm ist dann der wichtigste Schritt abgeschlossen, vital gefährdete Personen vor Covid-19 zu schützen: Das Licht am Ende des Tunnels wäre erreicht.

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