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Hundehalter und Ordnungsamt warnen vor Schneckenkorn

Giftattacke knapp überlebt

Paderborn (WB). Bange Tage liegen hinter Mechthild und Albert Pleininger: Ihre Labrador-Hündin Wilma ist vergiftet worden. Nur knapp hat die junge Hundedamme die feige Tat überlebt. Jetzt will das Paderborner Paar nicht nur Hundebesitzer warnen. Denn auch Kinder und andere Tiere seien gefährdet, fürchten sie. Der Unbekannte, der auch Wilma beinahe auf dem Gewissen hat, hat womöglich giftiges Schneckenkorn im Stadtgebiet verteilt.

Ingo Schmitz

Gutmütig, aber leider manchmal etwas verfressen: Labrador-Hündin Wilma hat am Philosophenweg in Paderborn Gift zu sich genommen. Am Montag ging es ihr schon etwas besser. Foto:

„Wilma ist ein echtes Familienmitglied für uns. Ich wünsche niemandem, dass er solche Stunden erleben muss“, blickt Mechthild Pleininger auf das vergangene Wochenende voller Sorge zurück. Alles begann mit dem allmorgendlichen Spaziergang im Bereich Philosophenweg. Weil Mechthild Pleininger derzeit nach einer Operation nicht laufen kann, machte ihr Mann Albert die Runde. „Mein Mann leint Wilma dann auch schon mal ab“, erläutert Mechthild Pleininger.

Hündin torkelte durch die Wohnung

An dem Morgen habe die Labrador-Hündin, die fast zwei Jahre alt ist und durch die Rasse bedingt etwas verfressen sei, mit ihrem Hundefreund Rufus gespielt. Dabei muss sie wohl das Gift gefunden und gefressen haben. „Mein Mann hat das bemerkt und mit ihr geschimpft. Aber da war es schon zu spät.“ Doch zunächst ahnte niemand etwas schlimmes.

Etwa zwei Stunden nach dem Spaziergang habe sie sich überraschend ins Körbchen gelegt. Kurz darauf sei sie völlig desorientiert aufgestanden. „Sie ist fürchterlich getorkelt und hat in die Wohnung gepillert. Sie ist mehrfach gegen die Wand gelaufen. Sie hat uns überhaupt nicht mehr wahrgenommen“, sagt die Paderbornerin. Immer wieder wurde sie von schlimmen Krämpfen geschüttelt. Sofort wurde Wilma zur Tierärztin Kornelia Dittko gebracht. Ihre Vermutung: Vergiftung mit Schneckenkorn. „Das ist ein Nervengift. Da es kein Gegenmittel gibt, ist Wilma ins künstliche Koma gelegt worden und bekam zwei Liter Infusionen.

Hündin war völlig apathisch

Am nächsten Morgen war die Hündin völlig apathisch. Das Fieberthermometer zeigte 40 Grad. Noch immer torkelte sie und suchte Halt an den Wänden. „Das war die nächste Phase der Vergiftung. Ihr Leben hing am seidenen Faden. Nur weil sie gesund, jung und kräftig war, hat sie es überstanden“, ist Mechthild Pleininger glücklich.

Erst im Laufe des Sonntag ging es Wilma etwas besser. Sie wurde mit Kartoffelbrei und Leberwurst aufgepäppelt. „Als Nichttierbesitzer kann man das nicht verstehen, wie wir alle mitgelitten haben. Wilma ist augenscheinlich gut hergestellt – aber auch nur deswegen, weil wir schnell genug gehandelt haben.“ Wäre Mechthild Pleininger nicht krankheitsbedingt ans Haus gefesselt gewesen, hätte sie den Hund vermutlich abends nach der Arbeit nur noch tot vorgefunden.

Ob die Hündin den Angriff gegen ihr Leben wirklich schadlos überstanden hat, wird sich erst Ende Mai zeigen: Beim Bluttest werden die Leberwerte kontrolliert, um dann bleibende Schäden ausschließen zu können.

Giftfunde auch in Elsen und Bad Lippspringe

Grundsätzlich stünden die Chancen für Wilma gut. Für einen kleinen Hund wäre die Giftattacke gefährlicher geworden. „Bei einem kleinen Dackel hätte es wohl gereicht, wenn er durch das Schneckenkorn gelaufen und sich anschließend die Pfoten abgeleckt hätte. Noch schlimmer: Was wäre passiert, wenn Kinder in Kontakt gekommen wären? „Schneckenkorn ist auch für den Menschen giftig“, sagt die Hundehalterin. Vor diesem Hintergrund hat Mechthild Pleininger umgehend mit dem Ordnungsamt der Stadt Kontakt aufgenommen, das Warnschilder aufgestellt hat.

Inzwischen sind weitere Giftfunde im Frankenweg, in Elsen und auch in Bad Lippspringe gemacht worden. Unbestätigten Berichten zufolge soll in Bad Lippspringe ein Hund sogar gestorben sein. Familie Pleininger ist besonders der Tierärztin dankbar. „Kornelia Dittko hat sich um unsere Wilma ganz toll gekümmert. Ohne sie hätte der Vierbeiner wohl nicht überlebt.“

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