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Heinz Erhardt wird in der ausverkauften Paderhalle wieder lebendig

„Giftiger Gartenzwerg geifert Galle“

Paderborn (WB). „Liebe Pader- und andere -borner. Liebe Frauen und ihnen Nachlaufende.“ Als sich Willi Winzig mit diesen Worten an die Zuschauer in der Paderhalle wendet und „noch ‘n Gedicht“ ankündigt, ist es fast so, als stünde Heinz Erhardt (1909-1979) auf der Bühne. In der großen Show zu Ehren des unvergessenen Großmeisters des deutschen Humors füllen am Sonntagabend drei Protagonisten seine unvergessenen Gedichte, Balladen und Lieder wieder mit Leben.

Sonja Möller

Das Ehedrama, bei dem jedes Wort mit G anfängt, ist ein Höhepunkt des Abends. Die Sprache treibt besonders kuriose Blüten, als der Gatte (links) seine Gattin Giesela und ihren Geliebten beim Stelldichein überrascht. Foto: Sonja Möller

Eine Bardame, ein Pianist und Willi Winzig, eine der von Heinz Erhardt oft gespielten Rollen, nehmen die Besucher mit ins Haus Vaterland, in dem der Komiker einst aufgetreten ist. Mit seinem schelmischen Gemüt, seinem Sprachwitz und seiner Begabung, Worte pointiert in Reimform zu bringen, ist Heinz Erhardt unvergessen – und unerreicht. Das schafft auch die Show in Paderborn nicht, doch sie schafft etwas anderes: Sie lässt den Schelm in seinen Reimen und mit seinem Humor noch einmal lebendig werden. Zum Beispiel in den bekannten Gedichten „Die Made“ oder „Der Taucher“. Die gesammelten Werke von Ritter Fips enden stets mit einer Schlussfolgerung, in die Erhardt seine ganz eigene Logik transportiert.

Mit Inbrunst und Spielfreude

Das Trio bietet jede Nummer mit Inbrunst und Spielfreude dar – ob gesungen, gesprochen oder erzählt. Ans Original kommt es allerdings kaum heran. Denn Heinz Erhardt ist ein Gesamtkunstwerk mit seiner schelmischen Art, seiner Gestik und seinem Gesichtsausdruck, der seinesgleichen sucht. Trotzdem verdienen seine Texte ein großes Publikum, das sich noch einmal an den Komiker erinnert.

Mit Willi Winzig ähnelt einer der Protagonisten äußerlich dem Original: Er trägt eine Hornbrille, hat eine Halbglatze und eine ausdrucksstarke Mimik. Das beginnt schon beim Betreten der Bühne. Da Winzig von der falschen Seite kommt, gibt es einen Disput über „Warum kamen Sie denn von da und nicht von dort?“ Auch „Die Ansichtskarte“ kommt gut an. Der Sketch endet mit den Worten: „Hätt’ er ein Telegramm geschickt, wär’ sein Vorhaben geglückt.“ Die Andeutung, dass die Post unzuverlässig sei, scheint für viele Besucher aktuell noch sehr präsent. Auch Erhardts unvergessener Satz „Ich trage mein Haar heute offen“ amüsiert die Zuschauer.

Gatte, Gattin und Geliebter

Besonders gelungen ist das Ehedrama, bei dem jedes Wort mit G beginnt: Die drei Protagonisten sind Gatte, Gattin und Geliebter. Worte wie „geliebte Giesela“, „günstige Gelegenheit“ oder das unvergessene „giftiger Gartenzwerg geifert Galle“, als der Gatte das Stelldichein stört, sind ein Höhepunkt des Abends. Der endet mit einen Schlagabtausch der drei Protagonisten, die in rascher Folge kurze Gedichte über Regenwurm, Reh und Frauen darbieten.

Panne beim Kartenverkauf

Bevor die Show anfing, begann der Abend für mehrere Besucher ärgerlich. Wegen einer Panne bei einer Coupon­aktion konnten 60 Personen die „Große Heinz Erhardt Show“ nicht besuchen. Das war nicht die Schuld der Paderhalle, sondern des Veranstalters Philipp Neumann-Wolff, der den Fehler am Montag gegenüber dem WV einräumte und bedauerte. Die verschiedenen Ticketsysteme seien nicht aufeinander abgestimmt worden. Folglich wurden einige Plätze doppelt verkauft. 46 Besucher nahmen laut Veranstalter das Angebot an, die gleiche Veranstaltung in Bielefeld (5. April) zu besuchen und zudem als Trostpflaster kostenlos die Show „Loriot – Die Ente bleibt draußen!“ am 16. Februar ebenfalls in Bielefeld zu sehen. 14 Personen verlangten ihr Geld zurück. (dk)

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