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Paderpride äußert sich zur Debatte um gendergerechte Sprache und zur Situation in Przemysl

„Gleichberechtigung wird verhindert

Paderborn

Der Paderborner Verein Paderpride, der sich nach eigenen Angaben für die Rechte von Lesben, Schwulen sowie von bi-, trans- und intersexuellen und queeren Menschen einsetzt, kritisiert in einer Stellungnahme den Kommentar in der Samstagsausgabe vom 17. April. In den „Paderborner Perspektiven“ mit dem Titel „Freiheit für Meinungen, die wir hassen“ ging es um Political Correctness, gendergerechte Sprache, Cancel Culture und linke Identitätspolitik.

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Ecki Steinhoff von Paderpride Foto: Ingo Schmitz

Ecki Steinhoff, Vorstandssprecher von Paderpride, schreibt: „Der Autor schreibt unter anderem über die Benutzung gendergerechter Sprache und bezeichnet die Nutzung des Gendersternchens als ‚Misshandlung der Sprache‘. Zunächst einmal finde ich den Ausdruck ‚Misshandlung‘ in diesem Zusammenhang überzogen und geschmacklos.“ Der Autor des Kommentars könne sich „ja vielleicht einmal mit tatsächlichen Missbrauchsopfern unterhalten, um zu erfahren, was Misshandlung wirklich bedeutet“. Steinhoff weiter: „Mir persönlich wäre eine mögliche Misshandlung der Sprache dennoch lieber, als die Missachtung einer Gruppe von Menschen. Viele Trans*- und Inter*-Menschen werden und fühlen sich durch das generische Maskulinum nicht eingeschlossen.“

Steinhoff betont, dass Sprache einem ständigen Wandel unterliege. Der Vorstandssprecher von Paderpride fragt, ob der Autor des Kommentars Frauen immer noch mit den früheren Bezeichnungen „Weib“ oder „Fräulein“ für unverheiratete Frauen anspreche.

„Was die Situation der LGBTIQ+-Gemeinschaft in Przemysl betrifft, so habe ich mich als Vorstandssprecher des Vereins Paderpride zwar dafür ausgesprochen, die Städtepartnerschaft jetzt noch nicht ruhen zu lassen, sondern erst herauszufinden, was sich die Menschen vor Ort wünschen und was ihnen helfen könnte. Damit habe ich aber keinen Zweifel an der tatsächlich stattfindenden Diskriminierung aufkommen lassen wollen. Immerhin haben sich Menschen aus der LGBTIQ+-Gemeinschaft mit einem Hilfegesuch an Paderborn gewandt. Da darf man durchaus davon ausgehen, dass dort massive Diskriminierung stattfindet.“

Zudem gebe es nicht „die LGBT-Ideologie“, vor der der Stadtrat von Przemysl angeblich die Kinder schützen müsse. Steinhoff: „Es gibt auch nicht ‚die LGBT-Organisation‘, die Ideologien verbreiten möchte. Es geht in erster Linie darum, auch schon Kindern zu erklären, dass es nicht nur hetero­norme Menschen und Beziehungen gibt und dass diese anderen Lebensweisen gleichberechtigt sind. Es geht nicht darum, diese Lebensweisen als vorbildlich, oder ideal darzustellen. Gleichberechtigung ist alles, worum es geht. Wenn das aber systematisch verhindert werden soll, stellt das für mich doch eine Form der Diskriminierung dar.“

Zudem sei die Erklärung zur LGBT-Ideologie-freien Zone im Fall der Beeinflussbarkeit von Schülerinnen und Schülern völlig überflüssig, da nicht die Schulen in Przemysl darüber entschieden, was im Lehrplan aufgenommen werde und somit auch der Stadtrat mit seiner Erklärung keinen „Schutz“ bieten könne, sagt Steinhoff: „Worum geht es dann also stattdessen, wenn nicht darum, queeren Menschen zu zeigen, dass sie und ihre Lebensweisen unerwünscht sind? Wie wäre denn wohl umgekehrt die Reaktion in Polen, wenn sich Paderborn zur religiös- Ideologie-freien Zone erklären würde, um so jegliche Angebote aus Schulen und Kitas zu verbannen? Würde das dann nicht als Diskriminierung christlicher Werte eingestuft?“

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