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Paderborner Ratsherr Markus Mertens äußert sich zur Kritik des SC Aleviten

„Gleichung ‚Kritiker gleich Rassist‘ ist völlig inakzeptabel“

Paderborn (WB). Auf die jüngste Kritik des SC Aleviten reagiert der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion Markus Mertens nach eigenen Angaben „ganz entspannt“. „Ich sauge mir Beschwerden nicht aus den Fingern, ich bin in meiner Funktion angesprochen worden. Das verfolge ich dann wie alle anderen Angelegenheiten auch weiter“, schreibt Mertens in einer Mitteilung. Das müsse auch Verani Kartum akzeptieren.

Das Hermann-Löns-Stadion ist Heimat mehrerer Vereine. Foto:

Mertens hatte wiederholt und zuletzt im Rahmen des Neujahrsempfangs der CDU-Ortsunion Schloß Neuhaus-Sande-Senne­lager darauf hingewiesen, dass sich der SC Aleviten offenbar bei der Nutzung des Hermann-Löns-Stadions nicht an die Hausordnung halte. Das war vom Mitnutzer TSV Schloß Neuhaus mehrfach beklagt worden und mündete in ein Krisengespräch in der Verwaltung, zu der außer dem Sportausschussvorsitzenden auch der Chef des Stadtsportverbandes Mathias Hornberger geladen war. Unter anderem war beschrieben worden, dass im Sportgebäude wiederholt geraucht werde.

Außerdem werde immer wieder gekocht – und das nicht nur für die Versorgung der Kinder und Jugendlichen im SC Aleviten, sondern auch für den Verkauf von Speisen für verschiedene Veranstaltungen wie etwa für den Hövelmarkt. Das sehe, so Mertens, eher wie ein Geschäftsmodell aus, welches man für einen Sportverein jedenfalls insoweit hinterfragen müsse, ob dies das Ziel der Nutzung einer städtischen Sportanlage sei. Vor allem müsse auch der SC Aleviten akzeptieren, dass sich etliche Organisatoren und vor allem Teilnehmer der TSV-Kurse im Übungsraum und auch die Nutzer der Geschäftsstelle vom Geruch belästigt fühlten.

Für den TSV seien das in Summe Bedingungen, die den Verein bereits nach Alternativen Ausschau halten ließen. „Es kann aber nicht sein, dass der in Schloß Neuhaus etablierte Großverein diese Neuhäuser Sportstätte einerseits wegen ihrer baulichen Qualität, andererseits aber vor allem auch wegen der schwierigen Umfeld-Bedingungen aufgeben will. Die politische Antwort lautet vielmehr: Die Sportstätte muss optimiert werden, um Räume für Sport und Geschäftsstelle zur Verfügung zu stellen. Für den TSV und andere Nutzer. Niemand ist gegen den SC Aleviten, ich setze mich aber für ein partnerschaft­liches Miteinander ein. Gleichzeitig sehe ich wie die Sportverwaltung für den Fall der Fälle keine mögliche Alternative für diesen Verein, weil es schon an anderen Stellen Stress gegeben hat“, schreibt Mertens.

Markus Mertens

„Völlig inakzeptabel“ nennt der CDU-Politiker die „gegen Null gehende Kritikfähigkeit Verani Kartums“. Dieser teile selbst gegen verschiedene Vereine aus. „Immer sind es die anderen, das ist eine deutliche Selbstüberschätzung“, so Mertens. Für „noch schlimmer“ hält Mertens aber Kartums „immer wieder geradezu reflexartig auftretende Reaktion“, die er mit der Gleichung „Kritiker = Rassist“ beschreibe. „In den sozialen Netzwerken ist er mich in der Form angegangen. Diese Art der Reaktion kenne ich aus etlichen anderen Fällen. Dagegen sollte man sich gemeinsam zur Wehr setzen. Darüber hinaus gilt: Die überaus wichtige Bekämpfung von Rassismus in unserem Land sollte allen viel zu wichtig sein, als so unangemessen und inflationär mit dem Begriff und solchen Vorwürfen umzugehen.“

SC Aleviten leiste wertvolle Form von Sozialarbeit

Mertens betont, dass er die Arbeit des SC Aleviten mit Kindern und Jugendlichen schätze. Diese würden unter anderem abgeholt, versorgt und betreut. Dazu komme die sportliche Betätigung. „Das ist eine wertvolle Form von Sozialarbeit, zwar oft ein geschlossenes System, das ich aber deswegen nicht weniger anerkenne.“ Wichtig sei aber, deutlich zu machen, dass das Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und damit auch deren tatsächliche Integration in die (Stadt-)Gesellschaft in hohem ­Maße durch die Sportvereine geschehe.

Auffällig sei in diesem Zusammenhang, dass auch in den allermeisten Sportvereinen wenig über diese Arbeit gesprochen werde. „Da wird die Zeit in die Arbeit für den Verein, dessen Angebote und die Mitglieder investiert. Weniger in PR in eigener Sache. Und Auszeichnungen, Ehrungen und Urkunden scheinen nicht so wichtig, das Wohlergehen der Mitglieder dafür umso mehr“, lobt ­Mertens.

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